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Asen
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Unter Asen versteht man
- das jüngere
Göttergeschlecht in der
nordischen Mythologie
Die Asen (altnord. Æsir „die
Pfähle“,
Sg. Áss, urgerm. *ansuz) sind das jüngere
Göttergeschlecht in der nordischen Mythologie. Das ältere
Geschlecht wird Wanen (altnord. Vanir, Sg. Vanr) genannt.
Nach der Jüngeren Edda wohnen
zwölf
Asen in Asgard (Sitz der Götter). Sie herrschen über die Welt
und die Menschen, allerdings beschränkt durch das Schicksal, das
nur die Nornen
im vollen Umfang kennen. Ihnen werden Eigenschaften wie Stärke,
Macht
und Kraft zugeschrieben. Sie sind weitgehend vermenschlicht, haben also
einen irdischen Alltag. Wie die Menschen sind sie sterblich. Nur durch
die Äpfel der Idun halten sie sich jung, bis fast alle von ihnen
zur Ragnarök getötet werden.
Das Geschlecht der Asen besteht aus
kriegerischen
Gottheiten,
während es sich bei den Wanen eher um Fruchtbarkeitsgötter
handelt.
Nach einer Theorie stellen die Wanen
eine
Erinnerung an die Götter
der vor-indoeuropäischen Urbevölkerung dar, deren Kultur von
den
eindringenden Indogermanen in einer Art Synkretismus verändert
wurde. Demnach entsprechen die Asen den Göttern der Indogermanen.
Der Wanenkrieg,
in dem die beiden Göttergeschlechter gegeneinander kämpfen
und der mit
einem Friedensschluss und dem Austausch von Geiseln endet (wodurch die
uns bekannten Wanen zu den Asen gelangen), repräsentiert die
Auseinandersetzung dieser Volksgruppen.
Da von den beiden altnordischen
Götterfamilien nur die Asen auch im
Süden belegt sind, ist die Zuordnung zu den Familien bei einigen
Gottheiten nicht gesichert. Die Götternamen Tyr, Odin, Thor und
Freyja sind deutlich in der englischen Version der Wochentagsnamen
erkennbar.
Stammbaum:

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Balder
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Balder (altnord. baldr: „Herr“; Baldur,
Baldr, Phol) ist in der germanischen Mythologie der Gott
des Lichtes, der Güte, der Reinheit, der Schönheit. Er findet
seine ungefähre Entsprechung in der griechischen Mythologie bei
Apollon.
Balders Merkmale sind Toleranz,
Friedfertigkeit und
Liebe; weiter
findet er Bedeutung für die eheliche Treue. Pflanzen, die ihm
gewidmet
sind, sind Kamille, Gänseblümchen und Margeriten (Pflanzen
solcher Art
heißen auf isländisch noch heute baldrsbrá,
also „Baldurs Wimpern“).
Er ist Sohn des Odin und der Frigg,
somit Bruder von Hödur und Hermodr.
Mit seiner Gattin Nanna hat er den Sohn Forseti.
Mythos
Balder lebt in Breidablik
in Asgard und besitzt das Schiff Ringhorn.
Er hat eines Tages einen Traum von seinem eigenen Tod, worauf seine
Mutter Frigg zu jedem Tier und zu jeder Pflanze geht und sie
auffordert, einen Eid abzulegen, dass sie Balder nicht verletzen
werden. Nur der junge Mistelzweig scheint Frigg zu unbedeutend zu sein,
als dass sie von ihm einen Eid abnehmen sollte. Es kommt zu einem Spiel
der Asen,
bei welchem sie den nunmehr unverwundbaren Balder mit Speeren, Steinen
und anderen Waffen beschießen, ohne dass Balder etwas geschieht.
Loki nutzt
es aus, dass die Mistel keinen Eid abzulegen brauchte, und gibt Balders
blindem Bruder Hödur einen Mistelzweig und bedeutet ihm, damit
zu schießen. Der Zweig trifft Balder, und der Gott sinkt tot
zusammen.
Der Leichnam wird auf einem Schiff
aufgebahrt, das nur
die Riesin Hyrokkin ins
Wasser stoßen kann. Unter der Wucht fangen die Rollen, auf denen
das Schiff stand, Feuer und entzünden den Leichnam. Thor segnet
den Leichenbrand mit seinem Hammer Mjölnir.
Sein Vater Óðinn gibt den Ring Draupnir
mit auf Balders letzte Fahrt gen Hel.
Balders Gattin Nanna stirbt während den Bestattungsfeierlichkeiten
an
gebrochenem Herzen und wird zusammen mit Baldr verbrannt.
Hermodr versucht vergeblich seinen
Bruder aus dem
Reich Hel zurück zu holen. Diese aber entlässt Balder erst
aus ihrem Reich wenn alle
Dinge ihm nachweinen. Die Asen schicken Boten in alle Welt und
erreichen, dass alle Lebewesen und sogar Steine und Metalle um Balder
trauern. Nur Loki, in Gestalt der Riesin Þökk,
verweigert ihnen den Gefallen. Folglich wird Balder die Rückkehr
nach Asgard verweigert.
Später versöhnen sich Balder
und Hödur
miteinander und kehren nach Ragnarök
einträchtig bei der Entstehung eines neuen Weltgebäudes
zurück.
Neuere Textuntersuchungen der Quellen
und Vergleiche mit
Darstellungen auf völkerwanderungszeitlichen Brakteaten lassen
vermuten, dass in einer älteren Version der blinde Odin seinen
Lieblingssohn tötete und so zu sich nahm. Die Darstellung in der
Völuspá und bei Snorri sei eine humanisierte Fassung, in
der Odin, der
vorher in der Maske des Hödur auftrat, später von ihm
geschieden wurde.
Das Spiel der Asen, auf Balder zu schießen, soll die alte
mythische
Formel einer rituellen Gemeintötung zum Opfer für das
Gedeihen alles
Lebendigen darstellen.
Deutung
Mit der Lichtgestalt Balder verschwinden
Glück und
Schönheit aus der Welt und lässt die
„Götterdämmerung“ bzw. Ragnarök
damit näherrücken. Da Balder die Personifizierung der Sonne
ist, steht sein Tod auch mit den Sonnenwenden
in Verbindung. Balder wird zum Zeitpunkt scheinbarer Unverwundbarkeit
getötet, wie auch die Sonne am Tag ihrer längsten Leuchtkraft
– dem 21.
Juni, der Sommersonnenwende –
an Kraft verliert und dadurch die Tage wieder kürzer werden. Zur
Wintersonnenwende werden die Tage wieder länger. Die Sonne kommt
wieder
zu Kräften, was Balders kommende Wiedergeburt ankündigt.
Anfang des 20. Jahrhunderts kam die
Deutung J.
Frazers in Mode, dass
es sich bei Balder um einen Vegetationsgott gehandelt habe, dessen Tod
notwendig gewesen sei, um die Fruchtbarkeit aufrecht zu erhalten.
Frazer fand viele Anhänger, weshalb er erwähnt werden muss.
Heute wird
seine Theorie nicht mehr vertreten. Frazer kümmerte sich wenig um
die
Quellen. Balder wird in ihnen nirgends mit der Vegetation in Verbindung
gebracht.
Der Baldermythos ist in der
Völuspá, bzw. „der Seherin
Gesicht“ eindrücklich geschildert.
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Bragi
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Bragi (von altnord. bragr, „der
Vornehmste”,
„Häuptling”, „Fürst”, „Dichtung”) ist in der nordischen
Mythologie der Gott der
Dichtkunst, der die gefallenen Helden in Walhall
begrüßt. Er ist der Sohn von Odin und
gehört zu den Asen. Verheiratet ist er mit Idun.
Da Bragi nicht vor dem 12. Jahrhundert
ausdrücklich
als Gott genannt wird, liegt es nahe in ihm eine späte
Vergöttlichung des Skalden Bragi Boddason, der Alte, der im 9.
Jahrhundert lebte, zu sehen. Einige Strophen des von ihm gedichteten
Ragnarsdrapa fügte Snorri in die Edda ein.
Außerdem sind noch einige Einzelstrophen von ihm überliefert.
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Disen
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Natur- und
Fruchtbarkeitsgöttinnen.
Eine Dise altnordisch dís /
dísir, altschwedisch dis ist eine Art weibliche
(Fruchtbarkeits- ?) Gottheit, eventuell mit den Idisi des ersten
Merseburger Zauberspruchs
verwandt.
Viele norwegische und schwedische
Ortsnamen gehen auf
den
Disenglauben zurück, so etwa Disin (abgeleitet von Disenwiese),
Diseberg, Disevid, Disasen. Nach den alten Sagen soll in Norwegen
ein Disenfest mit dem Disenopfer zu Winterbeginn gefeiert worden sein,
in Schweden
aber erst im Februar. Die Disen wurden noch nach dem Ende der
heidnischen
Zeit in Skandinavien verehrt. In der nordischen Prosaliteratur
werden sie jedenfalls oft erwähnt.
Einige eddische Quellen beschreiben die
Disen als
Totenführerinnen, in Gdr. I. 19 werden die Walküren gar als
Odins Disen
geschildert. In den Disen die Seelen verstorbener Frauen zu sehen, ist
eines der Fundamente des isländischen Volksglaubens. Daneben kann
dís
auch einfach nur Frau bedeuten.
Die definitive Stellung und Bedeutung
des Kultwortes Dise
ist letztlich nur schwer zu bestimmen. Man kann diesen Ausdruck
sicherlich in die Nähe des Matronenkults
schieben, wo er in mehrfacher Natur, als Fruchtbarkeitsgöttin,
Schutzgeist, Kriegsgöttin und in einer Vielzahl weiblicher
(Halb-?)
Gottheiten auftritt.
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Donar
(südgermanisch) |
Donar ist
- der westgermanische Name des
germanischen
Donnergottes, siehe Thor
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Forseti
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Forseti (anord. „Vorsitzender am Thing“,
„Vorsitzender“; isl. u. fär. „Präsident“; fries. Fosite)
ist in der nordischen Mythologie der Gott
für Recht
und Gesetz
(„Gerechter Richter“), der Vorsitzende der Thing-Versammlung.
Er ist einer der Asen,
Sohn des Balder
und der Nanna. Seine Residenz ist der von Gold und
Silber glänzende Saal Glitnir (Glastheim), wo er als
oberster Richter Asgards täglich Recht
spricht unter Göttern und Menschen.
Nach den christlichen Heiligenlegenden
des Willebrord
und Ludger befand sich auf der Insel Helgoland
ein Heiligtum des friesischen Gottes Fosite,
eine Quelle aus der schweigend geschöpft wurde. Hier weidete das
heilige Vieh Fosites, das niemand schlachten durfte. Nach dem Gott
hieß
Helgoland damals Fositesland. Das Heiligtum soll durch den Missionar
Ludger
zerstört worden sein.
Durch Falschlesung alter Schriften
erschien dann in
Karten von Helgoland ein templum Fostae vel Phosetae, der dann
latinisiert zu einem templum Vestae wurde. Daraus
schöpften Romantiker und neopagane Kreise eine Göttin Fosta,
die aber in alten Schriften nirgends Erwähnung findet.
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Freyja
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Freya, auch Freyja (altnordisch Herrin)
ist der Name der nordgermanischen Göttin
der Liebenden und der Fruchtbarkeit. Sie gilt als nächstbedeutende
Göttin
des nordischen Pantheons nach Frigg, mit
der sie in neuzeitlichen Rezeptionen oft gleichgesetzt oder verwechselt
wird. Venus des römischen Götterhimmels.
Namensformen
Aus der Skalden-Dichtung sind einige
Beschreibungen
bekannt, die als Freya-Kenningar aufgefasst werden. Dies sind
Mardöll, Menglada, Hörn, Gefn, Sýr und Vanadís.
Aufgrund ihres Beinamens Gefn, wird sie
(eher spekulativ) auch mit der Göttin Gefjon in Zusammenhang
gebracht.
Die südgermanische Frija
(althochdeutsch Friia, Frea) bezieht sich auf die Asengöttin Frigg.
Stellung, Attribute
Freya gehört zu den Vanen, einem
der beiden
Göttergeschlechter der nordischen Mythologie. Ihr Bruder ist Frey
(aisl. Freyr), ihr Vater der Meergott Njörd, als Mutter wird
Skadi,
Tochter des Riesen Thiazi genannt. Ihr Gatte ist in der eddischen
Mythologie der
Gott Óðr.
Mit ihm hatte sie die Töchter Hnoss und Gersimi
(beide Namen sind Synonyme und bedeuten „Kostbarkeit“). Freya gilt als
die „berühmteste von den Göttinnen“ (Gylfaginning,
Kap. 23).
Sie gilt als die schönste
Göttin der
Fruchtbarkeit (diese Rolle
kommt wohl eher Freyas Bruder Freyr zu) und des Frühlings, des
Glücks
und der Liebe, sowie als Lehrerin des Zaubers (seiðr).
Sie besitzt ein von Zwergen
geschmiedetes Halsband Brisingamen,
einen von Waldkatzen gezogenen Wagen und ein Falkengewand,
mit dem man wie ein Falke durch die Lüfte gleiten kann. Nach dem
Gedicht Hyndluljóð
reitet sie auch auf dem Eber Hilisvini. Auch in der Gylfaginning
tritt Freya auf. Danach weint sie goldene Tränen, als Oðr
fortfährt. Nach der Grímnismál heißt ihr Hof
Fólkvangr. Ihr Saal heißt Sessrúmnir. Nach
der Ynglinga saga Snorris lehrte
sie die Asen den Zauber. Aber ihre Hauptaufgabe liegt darin, daß
sie als Anführerin der Walküren
auf den Schlachtfeldern daheim ist und die Hälfte der gefallenen
Recken
beanspruchen darf, während Odin (der oberste Gott, Gott des
Krieges)
die andere Hälfte zusteht.
Der Wochentag Freitag
ist ihr zugeordnet.
Entwicklung
Freya spielt in den eddischen Texten
„Hyndluljóð“, „Lokasenna“ und „Þrymskviða“ eine
bedeutende Rolle. In „Grímnismál“ wird sie als
Todesgöttin und in der „Völuspá“ schimmert sie durch
Ods
Braut
(Óðs mey). Auch die Zauberinnen Gullweig und Heid,
die in den Strophen davor den Krieg zwischen Asen und Vanen entfachen,
werden für Hypostasen der Göttin Freya gehalten.
Nach Snorris „Gylfagynning“ erhält sie immer, wenn sie einem Kampf
beiwohnt, die Hälfte der Gefallenen, die andere Hälfte
bekommt Odin.
Da es keine südgermanischen (z. B.
deutsche,
englische) Überlieferungen zu Freya gibt, wird angenommen, dass
sie eine wikingerzeitlichePromiskuität der Göttin Frigg ist.
Dazu sind in der Edda und dem Gylfaginning
folgende Episoden beschrieben: Der Halsschmuck der Freya, der
Brisingenschmuck, den hatten die Zwerge Alfrigg, Dvalin, Berling und
Grervier (Gerr) gefertigt, der Preis des Erwerbs war, dass die
Göttin
vier aufeinanderfolgende Nächte mit jeweils einem der Zwerge
verbrachte
– zum Unwillen Odins, der Freya zur Strafe zwang, unter den Menschen
einen Krieg anzuzetteln. Eine weitere Berichterstattung besagte, dass
Loki beim
von Ägir
ausgerichteten Trinkgelage alle Anwesenden beschimpft, er der Freya
vorwirft, sie habe mit allen Asen und Alben im Saal Liebschaften
gehabt. Hinzuzufügen bleibt, dass Loki
in seiner Liebe zu Freya schmachtete, da sie die seine nicht erwiderte.
Die literarischen Ausgestaltungen Freyas während der
isländischen
Renaissance des 13.–14. Jahrhunderts haben die heidnische Gestalt der
Göttin allerdings überwuchert. In der Neuzeit hat sie die
Göttin Frigg
in der isländischen Aufarbeitung des Heidentums vollkommen
verdrängt.
Freya selbst erscheint in diesem (einer Illumination in einer
Papierhandschrift des 17. Jahrhunderts) allerdings nur noch als
treusorgende Familienmutter. Loslösung der Aspekte
Liebe, Liebesmagie und
Die der Freya geschuldete Ehrerbietung
ging auf die
Damenwelt über,
denn von ihr hat der Ehrenname den Ursprung, dass man vornehme Weiber –
Frauen (freyjur) nennt.
Quellen
Besonders bekannte Quellen über
Freya sind zwei
Gedichte der Lieder-Edda. In der Lokasenna („Schmähreden des
Loki“) wirft ihr der Gott Loki vor, es mit so ziemlich jedem Gott und
jeder
mythologischen Gestalt getrieben zu haben. In der Þrymskviða
(„Das Lied von Thrym“) erlebt sie einen Wutausbruch, als die Forderung
des Riesen Thrym (aisl. Þrymr) verlautet,
ihn heiraten zu sollen, um den Hammer Thors von
den Riesen auszulösen, der wichtig für den Fortbestand der
Götterwelt ist. Auch in der Gylfaginning
und im Grímnismál tritt Freya auf.
Kultorte
Dänische wie schwedische Ortsnamen
gehen auf die
Göttin zurück. So
ist z.B. Fröjel auf Gotland ein wikingerzeitlicher Hafen und
Kultplatz
der Freya (schwed. Fröja), an dem noch eine Fornborg und eine
Trojaburg
(nord. Trojeborg) auf die alte Funktion des Ortes verweisen, der auch
Thingplatz
war. Auf Lolland Dänemark sind Frejlev, in Jütland
Frøslev solche Orte. Der Freitag
hat seinen Namen ebenfalls von der Göttin.
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Freyr
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Freyr bedeutet Herr, im althochdeutschen
fro,
was eigentlich kein Name, sondern eine Bezeichnung ist. Es dürfte
sich
um eine tabuisierte Bezeichnung eines Gottes handeln, dessen Name
selbst unbekannt ist bzw. nicht benutzt wird. (Ähnliches findet
man bei
biblischen Texten, wo Jahweadonai
= Herr ersetzt wird). Er erscheint erstmalig im 10. Kapitel der
Ynglingasaga,
wo er der Ahnherr der schwedischen Könige sein soll, unter dem
Namen Yngvi,
und im 11. Kapitel wird er als Vater Fjölnirs
genannt und trägt den Namen Yngvi-Freyr. Etymologisch ist
damit die Bezeichnung des germanischen Stammes Ingaevonen
verwandt. Die Zusammensetzung könnte altgermanisch auf
Ingwia-fraujaz
(= Herr der Ingaevonen) zurückgehen. durch
Mythologie
Freyr gehörte zu den Wanen, die
hauptsächlich Fruchtbarkeitsgötter waren. Er entstammt dem
Inzest des Njörd, vermutlich mit
dessen Schwester Nerthus. Zunächst mit seiner Schwester Freya
verheiratet, die sich Odin zur Frau nimmt, warb er später um die
Tochter des Riesen Gymir aus Jötunheim.
Ihr Sohn Fjölnir wird dann zu einem der sagenhaften Könige
Schwedens.
Nach dem Wanenkrieg wurde Freyr als den Asen
zugehörig betrachtet und später auch wieder verehrt.
Sein Knecht, der Getreue Skirnir,
der ihm einst zu seiner Gemahlin verhalf, wofür Freyr ihn mit
seinem
Schwert belohnt hat, ist meist mit ihm unterwegs. Nach der eddischen
Dichtung Skírnismál war diese Gemahlin Gerdr eine
schöne Frau, Tochter
des Riesen Gymir mit der Aurboda.
Skirnir gewann sie Freyr, als dieser sie von Odins Hochsitz aus gesehen
hatte, nur mit Hilfe von Bestechungen, Drohungen und Zauber, weil Gerdr
Freyr zuvor nicht heiraten wollte. Dieses Verbrechen führt dazu,
dass
Freyr bei Ragnarök ohne Schwert dem Feuerriesen Surt wehrlos
ausgeliefert ist und
sterben muss.
Freyr hatte das von Zwergen gebaute
Schiff Skíðblaðnir,
in dem alle Asen mit Rüstung Platz hatten, und das immer mit Wind
im Rücken segelte, wohin man wollte. Der Zwerg Brokkr
hatte für ihn auch den goldenen Eber Gullinborsti
(der mit den goldenen Borsten) geschmiedet. Er heißt auch
Slíðrugtanni
(der mit den gefährlichen Hauern). Er zieht Freyrs Wagen und
läuft
durch die Luft und über das Wasser und beleuchtet mit seinen
Borsten
die Nacht.
Eber und Pferd sind dem Freyr besonders
geheiligte
Tiere. Ihm wurde
wohl in alter Zeit das Eberopfer für Erntesegen dargebracht. Daher
kommt wohl auch der Eber als Symboltier schwedischer
Königsherrschaft
in früherer Zeit. Die besondere Stellung des Pferdes kommt in der
Sagaliteratur erst spät auf. Als Olav Tryggvason
das Heiligtum Freyrs zerstört, ritt er den geheiligten Hengst und
seine
Mannen die geweihten Stuten. Hier bestand offenbar ein Tabu, dass die
geweihten Pferde nicht geritten werden durften.
Er herrschte über Regen und
Sonnenschein und wachte
als
Fruchtbarkeitsgott über das Wachstum. Sein Kultzentrum war
Uppsala, wo
er neben ThorOdin
unter dem Namen Fricco (Adam von Bremen) oder Frø
(Saxo Grammaticus) verehrt wurde. Saxo schreibt, dass ihm dort
jährlich
ein Opfer von Hadingus und seinen Nachkommen dargebracht worden sei
(Lit.:
Saxo I, Kap. 8, 12). Nach Adam von Bremen geschah dies nur alle 9 Jahre
, wobei Menschen und Tiere getötet worden seien (Lit.:
Adam IV, 27).
und
Saxo Grammaticus schreibt, dass Hadingus
dem Gott Frø ein Sühneopfer dargebracht hat (Lit.:
Saxo I, 8, 12). Dieser wird mit Freyr als identisch angesehen. Adam von
Bremen berichtet von einem Tempel in Uppsala, der dem
Fruchtbarkeitsgott Fricco geweiht sei (Lit.:
Adam IV, 24). Ob es sich dabei um Freyr handelte, ist unsicher
und nicht besonders wahrscheinlich, da eine etymologische Verbindung
nicht herzustellen ist. Die Ynglinga-Saga berichtet weiter,
dass der Fróðafriðr (Froði-Frieden)
während der Herrschaft des mythischen Königs Froði in
Dänemark zu anhaltenden guten Ernten geführt habe. Deshalb
wird Froði in der Forschung meist mit Freyr
identifiziert. Das würde auch etymologisch plausibel sein, da
Froda
im Altschwedischen "Üppigkeit, Fruchtbarkeit" bedeutet. Dabei
handelt
es sich möglicherweise um einen phallischen Gott, was zu den
Darstellungen Freyrs mit einem riesigen Phallus
passen würde.
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Frigg
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Die nordische Göttin Frigg (ahd.
Frîja, langobardisch: Frea) ist die Gemahlin von Odin in der
Germanischen Mythologie und
gehört zu den Asen. Nach einigen Autoren ist ein anderer Name
für sie Saga. Sie ist die Schutzherrin der Ehe und
Mutterschaft.
Es bestehen viele Parallelen zur
Göttin Freya,
der Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit, mit der sie in
neuzeitlichen Rezeptionen oft gleichgesetzt oder verwechselt wird.
Frigg bekleidet jedoch durch ihren Gatten eine zentralere Rolle. Ihre
Dienerinnen sind Gna,
Fulla, Sygn, Vara, Eira,
Hlin, Lofn
und Vjofn.
In der germanischen Mythologie zeugte
Frigga mit Odin
die Götter Balder, Hödur, Hermor, Bragi und
die Walküren.
In Asgard ist Fensal,
der Sumpfsaal, als ihr Wohnsitz überliefert. Sie soll die Wolken
gewebt haben.
Der Asteroid Frigga ist nach der
Göttin
Frigg benannt.
Frigg tritt erstmals in der aus dem 7.
Jh. stammenden Origo Gentis Langobardorum und
um das Jahr 790 n. Chr. in der Historia Langobardorum des Paulus
Diaconus als Frea in Erscheinung.
Der früheste Beleg für den althochdeutschen Namen Frîja
ist im 10. Jh. im Zweiten der Merseburger Zaubersprüche
zu finden, die ihren Ursprung jedoch schon in vorchristlicher Zeit
haben (vor 750 n. Chr.).
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Heimdall
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Heimdall (altnord. heimdallr: „der
Strahlende“ oder „Weltglanz“ oder „der, der die Welt beleuchtet“) ist
in der nordischen Mythologie
der Schutzgott, der Lichtgott, und der Himmelswächter, sowie der
Schützer allen Lebens. Der schwedische Forscher Birger Pering
identifiziert Heimdall als den „Schutzgeist“ der Götter. Heimdall
braucht weniger Schlaf als ein Vogel und kann bei Tag und Nacht gleich
gut sehen. Er kann so gut hören, dass er die Wolle auf den Schafen
und
das Gras auf der Weide wachsen hört. Nach der Edda ist er
der größte Widersacher Lokis.
In der Völuspa, dem
Eröffnungsgedicht der
Edda, ist die Rede davon, dass Odin der Vater aller Götter
ist. Man nimmt daher in der Regel an, dass Heimdall auch der Sohn Odins
sei, aber das ist ein interpretatorischer Kausalschluss. Aus direkten
Quellen lässt sich das nicht rechtfertigen. Heimdall wurde „am
Rande
der Erde geboren“, von neun Müttern, die neun Schwestern sind; der
Vater wird nicht erwähnt. Die einzige direkte, mythologische
Entsprechung zu den Müttern findet man in den bezeugten neun
Töchtern
des Meerriesen Ägir:
Angeyja, Atla, Eistla, Eyrgjafa, Gjalp, Greip, Iarnsaxe, Imd und
Ulfrun, die in der Regel als die verschiedenen Meereswellen
interpretiert werden. Dass diese neun Schwestern auch die Mütter
sind,
ist ebenfalls umstritten, weil die Neunzahl in den mythologischen
Liedern insgesamt sehr häufig vorkommt und daher kein Indiz
für eine
Verwandtschaft darstellen kann. Mit seiner Gattin Modiv hat er der sehr
späten (und daher sehr wahrscheinlich nicht mehr heidnischen)
Dichtung Rigsthula zufolge die
Söhne Jarl
(„Fürst“), Karl
(„Bauer“) und Thrall („Sklave, Knecht“). Die Rigsthula ist
erwiesenermaßen eine gelehrte Dichtung des ausgehenden
Mittelalters und
sollte vermutlich im Sinne der damaligen Fürsten die
Einführung einer
monarchischen Standesgesellschaft erleichtern.
In der Völuspa wird Heimdall Vater
aller Menschen
genannt. In der kürzeren Seherinnenrede (Völuspa in Skamma)
heißt er auch „sippenverwandt sämtlichem Volk“.
Heimdall wohnt in Himinbjörg
und reitet auf seinem Pferd Gulltopp.
Er besitzt das Horn Gjallarhorn, das am Ende die Ragnarök
einläutet. Heimdall ist Wächter der Regenbogenbrücke
Bifröst,
die Midgard
mit Asgard verbindet. Er hört und
sieht alles und wird weise „wie sonst nur die Wanen“
genannt. Heilig sind ihm die Widder.
In der Ragnarök kämpft er gegen seinen Konkurrenten Loki.
Beide
verlieren den Kampf und töten einander.
In verschiedenen Thesen zum Sprichwort
„Morgenstund hat
Gold im
Mund“ wird dessen Entstehung auf den Gott Heimdall
zurückgeführt.
Dieser hatte goldene Zähne, und er war wiederum das erste, was
Reisende
auf dem Weg in die Götterwelt Asgard nach der Überquerung der
Regenbogenbrücke Bifröst zu sehen bekamen.
Zahlreiche deutsche und skandinavische
Musikgruppen
verwenden
Heimdall, das Gjallarhorn und andere mystische Charaktere und
Gegenstände in ihren Texten.
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Hel
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Hel ist in der nordischen Mythologie
der Name sowohl
der Unterwelt als auch der ihrer Herrscherin.
Der altnordische Name Hel ist
verwandt mit dem deutschen Wort Hölle und führt auf
ein urgermanisches *haljô "Hölle; unterirdische
Totenwelt" zurück (got. halja; altengl. hell; ahd. hellea).
Das Wort steht weiter zum Verb »verhehlen«, ist also
als »das
Verborgene« zu deuten. Im Gegensatz zur christlichen
Vorstellung der
Hölle als Strafort, bezeichnete der Ausdruck die Totenwelt ohne
negative oder auch positive Konnotation. Die Personifizierung der Hel
zur Herrin dieser Totenwelt hatte offensichtlich nur im Norden
stattgefunden.
Die Gottheit aus dem
Geschlecht der Riesen
Hel als Totengöttin ist die Tochter
von Loki und der Riesin Angrboda,
wird aber nicht dem Göttergeschlecht der Asen
zugerechnet, sondern den Riesen.
Ihre Haut ist zur einen Hälfte von normaler Farbe, zur anderen
blau-schwarz, was bedeutet, dass sie halb tot und halb lebendig ist.
Zusammen mit ihren beiden Geschwistern, dem Fenriswolf
und der Midgardschlange, wurde sie von den Asen nach Asgard gebracht,
da die Götter
sich vor den Kindern Lokis fürchteten. Während der Fenriswolf
an die Kette Gleipnir gebunden und die Midgardschlange von Odin
ins Meer geworfen wurde, verbannte man Hel aus Asgard, woraufhin sie im
Norden ihr eigenes Reich gründete. Dort holt sie alle Verstorbenen
zu
sich, nur die tapfersten Krieger gelangen stattdessen nach Walhall
an Odins
Tafel. Vor diesem Schicksal sind auch die Götter nicht gefeit, wie
der Tod Baldurs
zeigt.
Unterwelt
Hel als Unterwelt bezeichnet die
unterirdische
Totenwelt, die unter den Wurzeln des Weltenbaumes, der Esche Yggdrasil,
liegt und über den Todesfluss Gjöll
erreicht wird. Wie beim Hades der griechischen Mythologie ist eine
Rückkehr fast unmöglich. Die Brücke zur Unterwelt wird
von der Riesin Modgudr
bewacht. Von hier aus führt nordwärts der Weg zur
hochumwallten Burg
der Hel. Über diese goldene Brücke schreiten und reiten die
verlorenen
Seelen. Niemand hat sie gerufen, doch auch niemand verwehrt ihnen den
Zugang, selbst der Höllenhund Garm
nicht, der unmittelbar vor dem Eingang in einer Felsenhöhle wacht.
Er
lässt die Eintretenden nie wieder hinaus. Neben dem Hund sitzt der
Haushahn, Fialar, mit dunkelbraunem Gefieder, ganz anders als der Hahn
der Götter, den ein goldener Kamm ziert. Wenn am jüngsten
Tage die
Hähne der Götter und Riesen die Recken zum letzten Kampfe
wecken, dann
kräht auch der Hahn des unterirdischen Reichs der Hel und weckt
die
Totenwelt.
In Hels Burg befinden sich große
Säle. Kein
Sonnenstrahl dringt in
die Gemächer ein, selbst die Eingangspforte zeigt zum unwirtlichen
Norden. Die Wände sind aus Schlangenleibern gebildet, und durch
das
Rauchrohr im Dach rinnt giftiger Regen. Wilde Ströme umgeben die
Burg,
die Vergewaltiger und Mörder durchwaten müssen. Der Drache
Nidhögg nährt sich von den Leichen
verstorbener Verbrecher, und ein Wolf zerfleischt sie.
Hel wurde zunächst nicht als Ort
der Strafe
aufgefasst, erst später, auch unter Einfluss des Christentums,
entstand die Vorstellung eines Orts der Bestrafung für Böse,
insbesondere Lügner und Mörder. Der Name der christlichen
Hölle
leitet sich von Hel ab, dies wird bei der englischen Bezeichnung „hell“
besonders deutlich. Die späte literarische Darstellung von Hel
wurde
auch stark durch antike griechische Mythologie verzerrt.
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Hödr
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In der nordischen Mythologie ist
Hödur
(auch Höðr geschrieben, zu deutsch etwa Kämpfer)
der Zwillingsbruder von Baldur und somit Sohn von OdinFrigg.
Hödur ist ein blinder Gott. Daher beurteilt er jeden nicht nach
seinen Äußerlichkeiten, sondern nach seinen inneren Werten.
und
Andere Quellen stellen Hödur anders
dar: Er
repräsentiert die
dunkle, die blinde Seite seines Vaters, während sein Bruder Baldur
die
lichte Seite Odins repräsentiert. Sie beide gehören dem
Göttergeschlecht der Asen an.
Nachdem Baldur von seinem eigenen Tod
geträumt hat,
verlangt seine
Mutter von jedem Tier, jeder Pflanze und jedem Gegenstand einen Eid ab,
Baldur nicht zu töten. Nur den Mistelzweig
übersieht sie, da er ihr so unscheinbar erscheint. Die Götter
machen
sich daraufhin den Spaß, Baldur mit allerlei Gegenständen zu
bewerfen,
doch kein Gegenstand vermag ihn zu verletzen. Loki
ermutigt daraufhin Hödur, mit einem Mistelzweig auf Baldur zu
schießen.
Von diesem getroffen sinkt Baldur tot zu Boden, woraufhin sein gerade
geborener Halbbruder Wali an Hödur Rache nimmt.
Später versöhnen sich Baldur
und Hödur
miteinander und kehren einträchtig, nach Ragnarök,
bei der Entstehung eines neuen Weltgebäudes zurück.
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Idun
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Idun oder auch
lateinisch Iduna (altnord. Iðunn die Erneuernde, die
Verjüngende) ist in der nordischen Mythologie die Göttin
der Jugend
und der Unsterblichkeit.
Sie ist die jüngste
Tochter der älteren Kinder des Zwergs Ivaldi (Hrafnagaldr
Odins 5) und die Gemahlin des göttlichen Sängers Bragi, der
sie mit einem Lied für sich gewann. Idun ist die Hüterin der
goldenen Äpfel,
die den Göttern
die ewige Jugend und damit auch die Unsterblichkeit verleihen
(Gylfaginning
26).
Als Hüterin der goldenen Äpfel ist ihr Baum der Apfelbaum.
Als Loki von dem Riesen Thiazi
geraubt wurde, wollte dieser ihn nur freilassen, wenn er ihm Idun
zusammen mit ihren goldenen Äpfeln ausliefere. Als das geschah,
begannen die Götter sogleich zu altern und zwangen Loki, die
Geraubte
aus der Gewalt des Riesen zu befreien. Loki, in das Falkengewand Freyas
gekleidet, verwandelte die Gefangene in eine Nuss und brachte sie nach
Asgard
zurück, verfolgt von dem Riesen, dem die Flüchtenden nur um
Haaresbreite entkamen. Thiazi wurde von den Asen durch das Verbrennen
seiner Flügel getötet. (Überlieferung durch den Skalden
Thjodolf
von Hwin, 9. Jh, in seiner Dichtung Herbst-Lange)
Loki beschimpft Idun als
mannstoll, da sie ihre weißen Arme um den Mörder ihres
Bruders lege (Lokasenna
17). Von diesem Mythos ist ansonsten nichts in der nordischen
Mythologie überliefert. Der besagte Brudermörder kann nach
unserem
Verständnis nur ihr Gemahl Bragi sein.
Als sich das Ende
der Welt durch bedrohliche Vorzeichen ankündigt, sinkt Iduna
von der Weltesche Yggdrasil in die Unterwelt (Hrafnagaldr Odins
6-7), wohin ihr Bragi folgt.
Die Göttin der
goldenen Äpfel der Unsterblichkeit erinnert an den griechischen
Mythos von den goldenen Äpfeln des Baums der Hesperiden und ist
vielleicht auch aus der
griechischen Sagenwelt entlehnt worden, da der Apfelbaum auf Island
und in Norwegen nicht in der Natur vorkommt. Auch eine
Entlehnung aus der Bibel, die Äpfel vom Baum des Lebens im Garten
Eden,
wurde vertreten. Die Mythe vom Raub der Idun durch einen Riesen hat
einige Parallelen mit dem Verhältnis der Riesen zu Freya. Aus
Irland
ist eine keltische Sage überliefert, in der drei Brüder im
Falkengewand die Wunderäpfel Hisbernas
rauben. Sie werden dabei von den Töchtern eines Königs in
Adlergestalt
verfolgt und entkommen nur knapp. Auch hier scheint eine Entlehnung von
den Hesperiden erfolgt zu sein. Demnach handelt es sich bei Idun nicht
um eine orignäre Göttin der germanischen Mythologie, sondern
nur um
eine spätnordische, dichterische Erfindung. Nach anderer Ansicht
aber
beweist nichts, dass sie nicht unter einem anderen Namen seit alters
her der germanischen Götterwelt angehörte.
|
Loki
|
Loki (oder Loptr; nicht zu verwechseln
mit dem Riesen Logi,
dem Wildfeuer) ist eine Gestalt aus der nordischen Mythologie. Er ist
das
Kind zweier Riesen, dennoch einer der Asen. Sein
Vater ist Farbauti, seine Mutter Laufey
(Laubinsel) oder Nal (beide mütterlichen Namen sind erwähnt),
seine Brüder sind Byleist und Belblindi,
seine Frau ist Sigyn. Durch „Blutsbrüderschaft“ steht er in
besonderer Beziehung zu Odin. Dabei wird er, nicht unumstritten, als
Lodur
identifiziert.
Beschreibung anhand einiger
Mythen
„Loki ist schmuck und schön von
Gestalt,
aber bös von Gemüt und sehr unbeständig.
Er übertrifft alle andern in Schlauheit und in jeder Art von
Betrug.”
(Gylfaginning, 33)
In seinem Listenreichtum und seiner
Gerissenheit stellt
Loki ein Musterexemplar des mythischen „Halunken“
dar. Er besitzt einen ausgeprägten Sinn für Strategie und
nutzt ihn, um
mit Intrigen und komplexen Lügen seine Interessen durchzusetzen.
Da
Loki halb Ase, halb Riese ist, scheint sein Verhältnis zu den Asen
auch
zwiespältig zu sein. Doch von Odin wird er geachtet; die beiden
schließen sogar Blutsbruderschaft. Außerdem hilft Loki Thor
durch eine
List bei der Wiederbeschaffung seines Hammers Mjöllnir, der von
den Riesen gestohlen
wurde. Loki ist somit Feind und Freund der Götter. Erst nachdem er
Hödur durch eine List dazu brachte, seinen
Bruder Balder
zu töten, verbannt ihn Odin.
Die Riesin Sigyn gebar ihm Narfi; mit
der Riesin Angurboda zeugt er drei
Feinde der Asen:
- Die Midgardschlange
(Jörmungand), welche Thor, den
Freund der Menschen, zum Ende aller Zeiten töten wird
- Die Todesgöttin Hel
- Den Wolf Fenrir (Fenriswolf),
der beim Weltende den Göttervater Odin verschlingen wird
Außerdem brachte er selbst
Sleipnir (Das
achtbeinige Pferd Odins)
zur Welt: Er verwandelte sich in eine Stute, um Savadilfari, den Hengst
des Riesen, der die Götterburg errichten sollte, von der Baustelle
zu
locken, damit der Riese den vereinbarten Termin nicht einhalten konnte.
Einige Monate nach diesem Ereignis wird Sleipnir geboren. Loki schenkte
das Fohlen Odin.
Vor allem ist Loki der Feind Balders und
der Erzfeind Heimdalls.
Am Tod Balders, des „Feindes allen Unrechts“, hat Loki als Ratender
(an. radbani) Anteil, indem er den blinden Hödr veranlasst, einen
Mistelzweig
zu werfen, so zu lesen in den Träumen Balders (an. Balders
Draumar).
Mit dieser Tat leitet Loki den Untergang der Götterwelt ein.
Loki ist ein Gestaltenwechsler, ein
Meister der
Metamorphose, der
sich in die verschiedensten Tiere und Menschen verwandeln kann. In den
überlieferten Mythen ist er Adler, Stute, Lachs, eine Fliege oder
ein
altes Weib. Denn er wechselt auch sein Geschlecht, erlebt
Schwangerschaft und Geburt, trägt in Gestalt einer Stute das
achtbeinige Ross Odins, Sleipnir, aus, wie die Sage vom
Riesenbaumeister
erzählt. Das wird von den germanischen Göttern für einen
Mann als
schändlich betrachtet. Es ist „eines Argen Art“, sich als Mann wie
ein
Weib aufzuführen: „Unter der Erde acht Winter warst du / Milchende
Kuh
und Mutter/ denn du gebarest da / das dünket mich eines Argen
Art“, (Lokasenna [Lokis Zankreden], 23).
Loki ist als Kulturheros
der Erfinder des Fischnetzes, aber er, der Tölpelhaftigkeit und
Listenreichtum in sich vereint, wird auch zum Opfer seiner eigenen
Erfindung. Er hatte die Asen in seinen Zankreden (Lokasenna)
derart erzürnt, dass er sich vor ihnen verstecken musste. Auf
einem
Berg schuf er sich ein Haus mit vier Türen, so dass er nach allen
Seiten sehen konnte. Tagsüber verwandelte sich Loki von Zeit zu
Zeit in
einen Lachs, um sich im Wasserfall Franangr
zu verstecken. Einmal, als er so alleine da saß, nahm er
Flachsgarn und
verflocht es zu Maschen, „wie man seitdem Netze macht“. Da sah er, dass
die Asen nicht weit von ihm waren, und er sprang schnell als Lachs ins
Wasser, um sich zu verstecken. Die Asen fanden das Netz, und einer von
ihnen kam auf die Idee, dass es ein gutes Mittel sei, Fische zu fangen.
Als Loki von dem Fischnetz in die Enge getrieben war, sprang er
darüber. Thor griff nach ihm und bekam ihn auch in der Mitte zu
fassen,
aber er glitt ihm aus der Hand, so dass er ihn erst am Schwanz wieder
festhalten konnte. Es heißt, dass daher und seitdem der Lachs
hinten
spitz zuläuft.
Der gefangene Loki wurde zur Strafe mit
den Eingeweiden
seiner Söhne
auf spitze (dreikantige) Felsen gefesselt. Über seinem Kopf
hängte man
eine giftige Schlange, die ätzenden Speichel tropfen ließ.
Seine Frau
Sigyn fing diesen Speichel in einer Schüssel auf. Nur wenn sie die
Schüssel wegzog, um sie zu leeren, trafen ein paar Tropfen auf
Lokis
Gesicht. Er schüttelte und wand sich so gewaltig unter seinen
Schmerzen, dass dadurch die Erdbeben entstanden.
In der Ragnarök
(Schicksal der Götter) ist er der Anführer der
Vernichtung von Götter- und Menschenwelt. Loki und der Gott
Heimdall
töten sich in der Ragnarök gegenseitig.
Theorien zur Gestalt Lokis
Lokis Handlungen lassen erkennen, dass
diese Schlechtes
wie auch
Gutes bewirken; letzteres oft gegen seine ursprüngliche Intention.
Dennoch handelt er nicht ausschließlich schädigend. Oft wird
Loki wegen
seiner Listigkeit und seiner Kreativität von den anderen
Gottheiten
herangezogen, um aussichtslose Situationen zu bewältigen, was er
auch
immer schafft. Ebenso lässt er sich durch diese verpflichten,
durch
seine Schalkhaftigkeit angerichteten Schaden wieder gut zu machen.
Eine der Theorien über die Gestalt
des Loki besagt,
dass die
Beschreibung seines Wesens als böse oder destruktiv als
ausschließlich
christliche Sichtweise erkannt werden muss. Da nahezu alle
schriftlichen Belege über Loki aus dem Hoch- und
Spätmittelalter
stammen, kann nicht zweifelsfrei behauptet werden, dass Loki in der
beschriebenen Weise tatsächlich ein germanischer Gott war. Es ist
möglich (und wird von einigen Historikern auch so gesehen), dass
Loki
eine christliche Erfindung ist und der germanischen Götterwelt
erst
lange nach deren Verdrängung durch das Christentum zugedichtet
wurde.
Dennoch scheint gerade die
Ambiguität Lokis ein
Hinweis auf eine
authentische vorchristliche Gestalt zu sein, die eine alleinige
Zuschreibung des nur Guten und nur Bösen nicht kennt. Es ist davon
auszugehen, dass die bösen Seiten Lokis in christlicher Zeit nicht
hinzugefügt, sondern die guten Wesenszüge und Taten getilgt
und die
übrig gebliebenen bösen betont wurden. (Siehe hierzu den
Artikel Trickster).
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Nerthus
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Nerthus ist eine germanische Gottheit.
Gemäß Tacitus, Germania Kap.
40, wurde die
Gottheit Nerthus von den germanischen Stämmen
der Avionen, Anglier, Variner, Eudosen, Suardonen,
nördlichen Sueben und Nuitonen
verehrt. Tacitus beschreibt Nerthus als Terra Mater (Mutter
Erde), nennt sie aber nicht dea (Göttin), sondern numenSuionen
erinnert. Nach der Fahrt wurde der Wagen mit den ihn bedeckenden
Tüchern in einem See von Sklaven gewaschen, die anschließend
dort
ertränkt wurden. Der Name der offensichtlich mehr oder weniger
geschlechtslosen Gottheit wird seit Jacob
Grimm oft als mit dem des nordgermanischen Gottes Njörðr
(<NerðuR) für identisch gehalten, weshalb man in Nerthus
eine
Frühform des Njörð zu sehen pflegt. Außerdem war ja
Njörð ein
Schiffsgott, was gut zu dem heiligen See bei Tacitus passt. Neuerdings
wird diese Zusammenstellung aber stark angezweifelt .
Hier wird die Göttin Nerthus mit ihrer Umfahrt durch das Land mehr
im
Zusammenhang mit den häuslichen Angelegenheiten gesehen. Eine
solche
Umfahrt wurde auf einer Urne aus Darslub (pol. Darzlubie) nahe
GdingenPolen
gefunden. Frau Holle und Frau Perchta
seien die nächsten Parallelen und die eigentlichen Spätformen
der Nerthus.
(göttliches Wesen). Auf einer Insel des Ozeans (wohl der Ostsee)
gab es
in einem heiligen Hain einen bedeckten Wagen, der nur von einem
Priester berührt werden durfte. Mit diesem von Kühen
gezogenen Wagen
soll Nerthus durch das Land gefahren sein. Während dieser Fahrt
herrschte bei den Stämmen ein heiliger Friede, der an den
ebenfalls von
Tacitus überlieferten Frieden bei den in
Originaltext von Tacitus:
XL. Contra Langobardos paucitas
nobilitat: plurimis
ac valentissimisnationibus cincti non per obsequium, sed proeliis ac
periclitando tuti sunt.Reudigni deinde et Aviones et Anglii et Varini
et
Eudoses et Suardones etNuithones fluminibus aut silvis muniuntur.Nec
quicquam notabile in singulis, nisi quod in
commune Nerthum, id est terrammatrem, colunt, eamque intervenire rebus
hominum,
invehi populus arbitrantur.Est in insula Oceani castum nemus,
dicatumque in eo
vehiculum, vestecontectum. Attingere uni sacerdoti concessum. Is
adesse penetrali deamintellegit vectamque bubus feminis multa cum
veneratione prosequitur.Laeti tunc dies, festa loca, quaecumque adventu
hospitioque dignatur.Non bella ineunt, non arma sumunt; clausum omne
ferrum; pax et quies tunctantum nota, tunc tantum amata, donec idem
sacerdos
satiatam conversationemortalium deam templo reddat. Mox vehiculum et
vestes
et, si credere velis,numen ipsum secreto lacu abluitur. Servi
ministrant,
quos statim idem lacushaurit. Arcanus hinc terror sanctaque ignorantia,
quid sit illud, quodtantum perituri vident.
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Njörd
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Njörðr (auch Njörd
genannt) ist einer der Wanen in der nordischen Mythologie.
Der Gott Njörðr ist
hauptsächlich aus der Snorra-Edda,
der Ynglinga saga
und einigen Eddaliedern (Vafþrúðnismál,
Lokasenna, Grimnismál), also
der hochmittelalterlichen gelehrten Mythographie Snorris bekannt. Es
gibt darüber
hinaus noch ein paar rituelle Formeln, in denen sein Name auftaucht. In
Aris Íslendingsbók
steht Njörðr als zweiter Name in der Ynglinga-Genealogie.
Dieser Namensform wird die von Tacitus überlieferte Name Nerthus
zugesellt.
Ortsnamen, die meist den Genitiv
Singular (Njarðar-)
verwenden, sind schwerpunktmäßig in Ostschweden
(Östergötland), in
Ostnorwegen und in den Küstengebieten Westnorwegens vertreten.
Die Verbindung Nerthus und
Njörðr
wirft Probleme auf,
da es sich bei Tacitus um eine Göttin handelt, die er einem
kleineren
Stammesverband innerhalb eines eng umgrenzten geographischen Gebietes
zuordnet. Hinzu kommt der große zeitliche Abstand zwischen
Tacitus und
den skandinavischen Quellen. Dort ist Njörðr ein
männlicher Gott. Zu
diesen Problemen gibt es eine Vielzahl von Theorien. Mal habe sich
Nerthus allmählich nach Skandinavien ausgebreitet, mal handele es
sich
um einen von vornherein allgermanischen Gott. Früher habe die
u-Deklination für maskuline und feminine Wörter
gleichgelautet, die
feminine u-Deklination sei aber in Skandinavien allmählich
ausgestorben, wodurch dann Nerthus zum maskulinen Gott geworden sei.
Auch wird vertreten, dass es sich in Wahrheit um ein Götterpaar
gehandelt habe, von dem bei Tacitus nur die wichtige Nerthus
erwähnt
worden sei. In der Edda sei dann der männliche Partner in den
Vordergrund getreten, und der weibliche sei zu Skaði abgewandelt
worden.
Neuerdings wird diese Verbindung zwischen Nerthus und Njörð in
Frage gestellt (Simek, S. 148; Motz).
Njörðr-Mythos
Im euhemeristischen Kontext ist
Njörðr ein König aus alter Zeit, bei Snorri als der
zweite nach Oðin.
Bei Ari froðis Stammtafel des Ynglingengeschlechts ist sein Vater
nicht Oðin
sondern Yngvi Tyrkja konungr. Oðin kommt bei ihm
nicht vor. Diese Anordnung bietet auch die Historia Norvegiae (Ingui
rex ... Neorth ...Froyr). Bei Snorri hat Oðin Njörðr
und Freyr als Opferpriester eingesetzt. Sie seien dann
Herrscher in einer friedlichen und üppigen Zeit gewesen, weshalb
die Svear Njörðr für diese reiche Zeit als
verantwortlich hielten, so dass er zum Fruchtbarkeitsgott erhoben wurde.
Njörðr erscheint eigenartig
selten in den
mythologischen Quellen. Im mythologischen Kontext der Gylfaginning
gibt Snorri Njörðr maritime Züge. Sein Wohnort
ist Nóatún, der
Schiffsplatz. Er herrschte über die Winde auf dem Meer, über
die See und das Feuer.
„Inn þriði
áss er
sá, er kallaðr er Njörðr. Hann býr á
himni, þar sem heitir Nóatún. Hann ræðr
fyrir göngu vinds ok stillir
sjá ok eld. Á hann skal heita til sæfara ok til
veiða. … Hann var upp
fæddr í Vanaheimi.“
„Der
dritte Ase
ist Niörðr
genannt, er bewohnt im Himmel die Stätte, die Noatun heißt.
Er
beherrscht den Gang des Windes und stillt Meer und Feuer; ihn ruft man
zur See und bei der Fischerei an. … Er wurde Wanaheim erzogen.“
–
Gylfaginning Kap. 23.
Njörðr wurde der
Götterfamilie der der
Asen zugerechnet, der von
„weisen Mächten“ in Wanenheim erschaffen wurde. Er kam dann aber
mit
seinem Sohn Freyr als Geisel zu den Asen. Dieses Geiselmotiv scheint
nach den Eddaliedern zu urteilen sehr alt zu sein.
|
Óðinn kvað:
"Seg þú þat it tíunda,
alls þú tíva rök
öll, Vafþrúðnir, vitir,
hvaðan Njörðr of kom
með ása sonum -
hofum ok hörgum
hann ræðr hundmörgum -
ok varð-at hann ásum alinn."
Vafþrúðnir kvað:
"Í Vanaheimi
skópu hann vís regin
ok seldu at gíslingu goðum,
í aldar rök
hann mun aftr koma
heim með vísum vönum."
|
Odin sagte:
Sage mir zum zehnten,
wenn du den Urgrund aller
Götter, Wafthrudnir, weißt,
wie kam Nörðr
zu den Asensöhnen –
Höfe und Heiligtümer
hat er in großer Zahl –
und wuchs nicht bei den Asen auf?
Wafthrudnir sagte:
In Wanenheim
schufen ihn weise Gottheiten
und sandten ihn zu den Göttern als Geisel.
Am Ende der Zeiten
soll er wiederkommen
heim zu den weisen Wanen.
|
Nach der Skáldskaparmál
darf sich Skaði
aus Þrymheimr
als Buße für den Totschlag der Asen an ihrem Vater
Þiazi
unter den Göttern einen Ehemann aussuchen, kann aber von den
Göttern nur die Füße sehen. Sie glaubt, Baldr
erwählt zu haben. Die Füße gehörten aber
Njörðr.
Snorri betont, dass die Eheleute Geschwister waren und fügt hinzu,
dass
solch inzestuöse Ehen bei den Wanen üblich, bei den Asen aber
verboten
gewesen seien.
Die Ehe scheiterte, weil sie nicht an
der gleichen
Stelle wohnen
konnten. Sie hatten zunächst vereinbart, dass Njörðr neun
Nächte bei
Skaði in Þrymheimr und Skaði drei Nächte bei
Njörðr am Meer wohnen
sollte. Aber Skaði konnte wegen des Möwengeschreis in
Nóatún nicht
schlafen, und Njörðr konnte das Heulen der Wölfe nicht
ertragen. Nach
Snorri bekam Njörðr später die beiden Kinder Freyr
und Freya,
bei Egill Skallagrímsson
ist das nicht eindeutig. Die Aufteilung der Zeiten des Zusammenlebens
hat symbolische Bedeutung. Sie spiegelt die Jahreseinteilung in 9
Wintermonate und 3 Sommermonate wider. Die Tätigkeit in den drei
Sommermonaten hat Bezug zu den Wanen: Seefahrt, Ackerbau und Fischerei.
Daraus ergibt sich, dass der Mythos von Njörðr und Skaði
dem
westnordischen Milieu entstammt.
Es gibt auch einen Mythenschwank in
Lokasenna,
wonach die Töchter des Riesen Ymir
Njörðs Mund als Nachttopf verwendet hätten. Auch die von
Snorri überlieferte missglückte Ehe mit Skaði
trägt schwankhafte Züge.
|
Nornen
|
Innerhalb der Die Nornen (altnord.
Nornir) sind in der nordischen Mythologie
schicksalbestimmende Frauen, von denen einige von Göttern, andere
von Zwergen oder Elfen abstammen sollen.indogermanischen Religionen und
Mythologien besteht eine Verwandtschaft mit den römischen
ParzenMoiren.
Die Nornen in der Edda
Drei Schicksalsfrauen werden mit Namen
genannt: Sie heißen Urd (das Gewordene), Skuld (das
Werdensollende) und Verdandi (das Werdende), d. h. Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft. Nach der Völuspá
wohnen sie an der Wurzel der Weltenesche Yggdrasil
an einem Brunnen, der nach der ältesten Norne Urdaborn
heißt. Sie lenken die
Geschicke der Menschen und Götter.
Ask veit eg standa,
heitir Yggdrasill,
hár baðmur, ausinn
hvíta auri;
þaðan koma döggvar
þær er í dala falla,
stendur æ yfir grænn
Urðarbrunni.
Þaðan koma meyjar
margs vitandi
þrjár úr þeim sæ,
er und þolli stendur;
Urð hétu eina,
aðra Verðandi,
skáru á skíði,
Skuld ina þriðju.
Þær lög lögðu,
þær líf kuru
alda börnum,
örlög seggja.
|
Eine Esche weiß ich,
heißt Yggdrasil,
Den hohen Baum
netzt weißer Nebel;
Davon kommt der Tau,
der in die Täler fällt.
Immergrün steht er
über Urds Brunnen.
Davon kommen Frauen,
vielwissende,
Drei aus dem See
dort unterm Wipfel.
Urd heißt die eine,
die andre Verdandi:
Sie schnitten Stäbe;
Skuld hieß die dritte.
Sie legten Lose,
das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen,
das Schicksal verkündend.
|
Verdandi kommt nur hier vor und hat
sonst keine
nachweisbare Tradition und wird dem Dichter der Völuspá
selbst zugeschrieben. Skuld ist in anderem Zusammenhang Walküre,
so
dass eigentlich nur Urd eine genuine Schicksalsmacht ist.
Nach Gylfaginning wird der Baum nicht
durch Nebel
erhalten, sondern die Nornen pflegen ihn:
„Enn er þat sagt,
at nornir
þær, er byggja við
Urðarbrunn, taka hvern dag vatn í brunninum ok með
aurinn þann, er
liggr um brunninn, ok ausa upp yfir askinn, til þess at eigi
skuli
limar hans tréna eða fúna. En þat vatn er
svá heilagt, at allir hlutir,
þeir er þar koma í brunninn, verða svá
hvítir sem hinna sú, er skjall
heitir, er innan liggr við eggskurn.“
„Ferner
erzählt man, dass die
Nornen, die am Urdabrunnen hausen, täglich Wasser aus dem Brunnen
schöpfen und dazu den Schlamm, der um die Quelle herum liegt, und
dies
über die Esche ausgießen, damit ihre Zweige nicht verdorren
oder
verfaulen. Dies Wasser ist so heilig, dass alle Dinge, die in jene
Quelle geraten, so weiß werden wie die Haut, die man Skjall nennt
und
die innen an der Eierschale sitzt.“
–
Gylfagynning Kap. 16.
In diesem Zusammenhang werden die Nornen
als
Schicksalsmacht für die
Menschheit gedacht. Daneben werden noch solche Nornen erwähnt, die
Müttern bei der Geburt beistehen: In Fafnismál fragt Sigurd
den Drachen
Fafnir:
Segðu mér,
Fáfnir,
alls þik fróðan kveða
ok vel margt vita,
hverjar ro þær nornir,
er nauðgönglar ro
ok kjósa mæðr frá mögum?
Fáfnir kvað:
Sundrbornar mjök
segi ek nornir vera,
eigu-t þær ætt saman;
sumar eru áskunngar,
sumar alfkunngar,
sumar dætr Dvalins.
|
Laß dich fragen, Fafnir,
da du vorschauend bist
Und wohl manches weißt:
Welches sind die Nornen,
die notlösend heißen
und Mütter mögen entbinden?
Fafnir:
Verschiedenen Geschlechts
scheinen die Nornen mir
Und nicht eines Ursprungs.
Einige sind Asen,
andere Alfen,
Die dritten Töchter Dwalins.
|
Im Anschluss daran wuchs ihnen die
Aufgabe zu, dem Kind
seine
Lebensdauer anzusagen. Hier erzeugen sie das persönliche Fatum des
einzelnen Menschen. In der Edda heißt es:
Nótt varð í
bæ,
nornir kómu,
þær er öðlingi
aldr of skópu;
þann báðu fylki
frægstan verða
ok buðlunga
beztan þykkja.
|
Nacht wurde es im Gehöft,
Nornen kamen,
die dem Edlen
die Lebenszeit schufen;
sie bestimmten, dass dieser Heerführer
der berühmteste werde
und als der Fürsten
bester erscheine.[5]
|
„Skuld“ (wörtlich: Schuld, „skal“:
sollen) ist auch
bekannt als der Name einer Walküre.
Sá hún valkyrjur
vítt um komnar,
görvar að ríða
til Goðþjóðar;
Skuld hélt skildi,
…
|
Ich sah Walküren
weither kommen,
Bereit zu reiten
zum Rat der Götter.
Skuld hielt den Schild,
…
|
Ähnliche Schicksalsgöttinen
gibt es auch in
der griechischen (Moiren), der römischen (Parzen)
und der slawischen Mythologie (Zorya).
Eine weitere Variante ist, dass die
Nornen nicht das
Geschick als
solches bestimmen, sondern dass gute Nornen Gutes und böse Nornen
Böses
zuteilen.
„Góðar nornir
ok vel
ættaðar skapa góðan aldr, en þeir menn, er
fyrir ósköpum verða, þá valda
því illar nornir.“
„Gute
Nornen aus
vornehmem Geschlecht bescheren gutes Leben; wen aber Unglück
heimsucht, der verdankt das den bösen Nornen.“
–
Gylfaginning Kap. 15.
In diesem Urdabrunnen schwimmen zwei
Schwäne, von
denen alle weißen Schwäne abstammen:
„Fuglar tveir
fæðast í
Urðarbrunni. Þeir heita svanir, ok af þeim fuglum hefir
komit þat fuglakyn, er svá heitir.“
„Im
Urdabrunnen
leben zwei Vögel, die heißen Schwäne, und von ihnen
stammt die Vogelart dieses Namens.“
–
Gylfaginning Kap. 16.
Oft werden die Nornen mit den
Walküren verwechselt. Manchmal werden sie
auch mit den Schutzgeistern Fylgja
sowie den weisen Frauen volur und spåkonur
vermischt.
Rezeption
Aufgrund der dem Schicksal
naturgemäß
innewohnenden Unwägbarkeiten gelten die Nornen als Ausprägung
des ambivalenten Aspekts des sog. Mutterarchetyps im Sinne der
Analytischen Psychologie Carl Gustav Jungs.
Im Vorspiel von Richard Wagners
Götterdämmerung, dem
letzten Teil seiner Tetralogie Der Ring des Nibelungen
spielen die Nornen eine wesentliche Rolle. Sie erinnern an das in den
drei Abenden vorher Geschehene, das Gegenwärtige und
schließlich,
während ihnen das Schicksals-Seil reisst von dem sie wie
träumend die Runen ablesen, das nahe Ende der Götter, die
hereinbrechende Götterdämmerung (Ragnarök).
|
Sif
|
Sif (altnord.: „Verwandte, Gesippin“)
ist
in der nordischen Mythologie die Gattin des Donnergottes Thor. Mit
ihm hat sie eine Tochter, die ThrudUller, den sie mit in die Ehe
brachte. Als ihr Loki einst
das schöne, goldglänzende Haar hinterlistigerweise
abgeschoren hatte, zwang ihn Thor, ihr von den kunstreichen Zwergen
einen neuen Haarschmuck aus Gold
(„Kraft“). Außerdem hat sie einen Sohn, den schnellen
Bogenschützen machen
zu lassen, der dann wie anderes Haar wuchs.
In der romantischen Mythenforschung
wurden die goldenen
Haare als
Symbol des reifen Ährenfeldes gedeutet, dessen goldener Schmuck in
der
Glut des Spätsommers abgeschnitten, dann aber von unsichtbar
wirkenden
Erdkräften neu gewoben wird. Doch scheint Sif in der nordischen
Mythologie keine andere Funktion als blosse Gattin gehabt zu haben, wie
ja auch ihr Name nahelegt.
|
Odin
|
Odin oder südgermanisch Wodan,
altisländisch Óðinn, altenglisch Wōden,
altsächsisch Uuoden, althochdeutsch Wuotan,
gemeingermanisch*Wôðanaz, ist der Hauptgott in der
nordisch-germanischen Mythologie und Religion, wie sie in den eddischen
Dichtungen vorgestellt wird.
Etymologie
Der Name Wodan entstammt nach Ansicht
mancher
sprachwissenschaftlich geprägter Richtungen einem Wortgeschlecht,
das eine westliche Dehnform zum indogermanischen *wat
„anblasen, anfachen“, im übertragenen Sinn „inspirieren“,
darstellt, verwandt mit altindisch vátati. Das
mittelhochdeutsche
und althochdeutsche wuot neuhochdeutsch Wut entstammt
ebenfalls diesem indogermanischen Wortgeschlecht, entsprechend
altnordisch ódr, mit der
Bedeutung von „Stimme, Gesang, Leidenschaft, Dichtung“, verwandt mit
gemeingermanisch *wōda
„besessen, erregt“. Diese Bedeutungen sind charakteristische
Darstellungen der Wesenhaftigkeit und der Handlungsmaximen
Odins/Wodans.
Die inspirierte, seelische Erregung kann sich auf die poetische
Dichtung ebenso beziehen wie auf die Magie und deren Möglichkeiten
im
Krieg, indem die Gegner magisch verblendet wurden, oder auf die
jähzornartige Berserkerwut.
Der Wochentag Mittwoch
nimmt in anderen germanischen Sprachen nach der Interpretation
respektive Anlehnung des römischen Vorbilds auf Wodan Bezug. Der
„Wodanstag“ oder auch „Wodenstag“, „Woensdag“ im Niederländischen,
wurde im Neuenglischen zum Wednesday, im Dänischen und
Schwedischen
vergleichbar „onsdag“,
dem Odinstag. Die Entlehnung hängt mit der Übernahme der
römischen 7-Tage-Woche
durch die kontinentalen Germanen des 2.–3. Jahrhunderts zusammen. Der
„Mittwoch“ stammt aus einer Lehnübersetzung des lateinischen dies
Mercurii , Tag des Merkur, der als Äquivalent Wodans betrachtet
wurde (siehe dazu Interpretatio Romana).
Herkunft
Als früheste Nachweise der Gottheit
wurden
Felsbilder in
Skandinavien gedeutet, die übermannsgroße Figuren in
phallischer Pose
und mit einem Speer bewaffnet zeigen.
Diese Deutungen sind aber umstritten und beruhen auf den
spätheidnisch-skandinavischen schriftlichen sowie bildhaften
Darstellungen Odins als einer mit einem Speer attributierten Gottheit
neben Thor
mit seinem Hammer und Tyr als Schwertgott.
Tacitus setzt Wodan mit Odin
gleich und lehnt den Gott an den römischen Merkur an, den zuvor
schon Caesar namentlich so erwähnt. In
den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurde Wodan in der Germania
Inferior durch Weihesteine
geehrt, die in der Regel von Germanen gestiftet wurden, die in
römischen Militär- oder Staatsdiensten standen. Die Steine
tragen
Inschriften, die den Namen Merkurs mit germanischen Begrifflichkeiten
paaren, seien es Bezüge zu Örtlichkeiten, zu einzelnen
Stämmen oder
Namensformen mit anderen Bezügen. Beispielhafte Inschriften sind
„Mercurius Cimbrianus“ – Wodan der Kimbern und „Mercurius
Leudisius“ – als Wodan von Lüttich.[5]
Die Deutungen[6]
der Felsbilder führten neben anderen Aspekten[7]
in der Forschung zu einer ungeklärten Streitfrage. Auf der einen
Seite die in Anlehnung an G. Dumézil und anderen[8]vertretene
These, dass Wodan/Odin eine gesamtgermanische Götterfigur seit
indogermanischen Zeiten her sei.[9]
Und auf der anderen Seite die These der allmählichen Wanderung
Wodans und dessen Kults,[10]
die sich vor der Zeitenwende in dem niederrheinisch-nordwestdeutschen
Raum bzw. Tiefebene entwickelte und ausbreitete und den alten Hoch- und
Himmelsgott Tiwaz
aus dessen Stellung verdrängte.[11]
Und diese Prozesse angesichts der Auseinandersetzungen mit Rom und den
innergermanischen
Verhältnissen.[12]
Schriftzeugnisse im
kontinental-germanischen Bereich
sind spärlich,
hauptsächlicher Nachweis sind hier spätere, zum Teil nach der
Christianisierung verfasste Quellen (Edda)[13],
die die im Brauchtum tief verwurzelten Erinnerungen an die heidnische
vorchristliche Zeit und deren religiöse Riten und Mythologien
reflektieren.[14]
Zudem ist in den isländisch-eddischen Schriften des
Hochmittelalters der Einfluss der Christianisierung und sowohl
christlicher als auch griechisch-römischer Vorstellungen auch und
gerade bei der Darstellung Odins zu erkennen[15].
Wodan in der kontinentalen
Überlieferung
Wodan ist der bestbezeugte Gott bei den
germanischen
Stämmen und
Völkern der Wanderungszeit, unter dem Gesichtspunkt der raren
primären
Quellenlage:
- Alemannen: Die Runenfibel
von Nordendorf (Anf. 7. Jh.) nennt die Götter Wodan
und Donar.
Ein weiteres Zeugnis berichtet von den irischen Missionaren Columban
und Gallus (um 600), die bei Bregenz
eine Gruppe vom Stamm der Sueben antrafen, die dabei waren, dem Wodan
ein Bieropfer darzubringen.
- Franken: Im zweiten Merseburger
Zauberspruch
erscheint Wodan als geschickter Magier, der das verletzte Pferd
des Gottes Phol heilte.
- Langobarden: Der Gelehrte Paulus
Diaconus erzählt eine Sage,
wie Frea
ihren Mann Wodan überlistete.
- Angelsachsen: Im
Neunkräutersegen
wird Woden
namentlich angeführt und erscheint dort als möglicher
Runenzauberer.
- Sachsen: Das sächsische
Taufgelöbnis
nennt in dieser Reihenfolge die Götter Donar, Wodan und Saxnot.
Odin in der nordischen
Mythologie
Odin ist eine der komplexesten Gestalten
in der
nordischen
Mythologie. Odin wurde in den altnordisch-isländischen
mythologischen
Schriften und Sagatexten zahlreiche Beinamen beigefügt. In Form
der so
genannten Kenningars; siehe dazu Liste der Beinamen Odins.
Zusammenfassung aus der
Lieder- und Prosa-Edda
Aus den salzbereiften Steinen leckte die
Kuh Audhumbla
den Riesen Bure; dieser bekam einen Sohn, Bör,
welcher sich mit der Riesentochter BestlaVili und Vé
zeugte. Die letzteren beiden verlieren sich aus der Asengeschichte,
werden selten erwähnt und haben wenig getan; Odin aber waltet
mächtig,
schöpferisch, durch alle Zeiten hindurch, bis zum Weltuntergang –
dem
Götterschicksal Ragnarök.
Die erste Tat der drei vereinten Brüder war, dass sie gegen den
Joten Ymir
auszogen, ihn erschlugen und aus seinem Leichnam die Welt bildeten. Die
Welt war durch Ymirs Blut überschwemmt und es rettete sich nur ein
Paar, der Riese Bergelmir und dessen Frau. Nachdem die Erde
gebildet war, bevölkerte Odin diese, indem er ein Menschenpaar,
Ask
und Embla,
erschuf. Allein das Riesengeschlecht pflanzte sich gleichfalls fort,
und so war von Anfang an der Streit zwischen dem Guten und dem
Bösen
gelegt, in welchem auch Odin selbst untergeht, da er doch nur ein
endlicher Gott ist.
vermählte und mit ihr Odin,
Odin ist überaus weise. Sein Wissen
verdankt er
zwei Raben, Hugin und Munin,
die auf seinen Schultern sitzen und ihm alles erzählen, was auf
der
Welt geschieht, weshalb er auch der Rabengott heißt; ferner einem
Trunk
aus Mimirs Brunnen, wofür er ein Auge verlor, daher auch der
Einäugige
genannt wird. Den köstlichen Skaldenmet
wusste er sich durch seine List und männliche Schönheit von
Gunlöda
zu verschaffen, ist daher auch Dichterkönig und führt den
Beinamen Liodasmieder (Liedermacher, Verseschmieder).
Odins Gattinnen und Geliebte sind:
Jörd
(Mutter des Thor),
Rinda (Mutter des Vali), Frigga die Asenkönigin (Mutter des
Balder,
Braga, Hermode
und Tyr), Grydur
(Mutter des Vidar),
neun reine Riesenjungfrauen von unendlicher Schönheit, welche alle
neun, am Meeresstrand schlafend, zugleich Mütter des Heimdall
wurden; Skade, früher Njörds Gattin (von O. Mutter des
Semming
und vieler anderer Söhne), Gritha (Mutter Skiolds);
ferner erfreuten ihn mit ihrer Gunst die Riesentochter Gunlöda und
Laga, die Göttin der Gewässer.
Odin wohnt in Asgard, wo er drei
Paläste hat: Walaskialf und Gladsheim
mit Walhall.
Von dem ersten vermag er die ganze Welt zu überschauen; der zweite
ist
zu den Versammlungen des Götterrats bestimmt; darin befindet sich
die
Halle, in der sich um ihn alle Helden der Erde sammeln, um mit ihm
gegen die den Weltuntergang herbeiführenden Mächte zu
kämpfen. Diese
Helden heißen Einherjer, werden auf dem
Schlachtfeld (Walstatt) durch die Walküren mit einem Kuss zum
Festmahl
Odins eingeladen und erwarten dort unter fortwährendem Festgelage
und Kämpfen die Götterdämmerung (Ragnarök).
Selbst ein Freund des Zechens und der
Schlachten,
lässt Odin sich stets von zwei Walküren, Rista und Mista,
mit goldenen Pokalen bedienen und kämpft mit den Einherjern auf
seinem
achtfüßigen Ross mit einem nie das Ziel verfehlenden Speer;
doch helfen
ihm weder seine Helden noch seine Waffen: Der Weltuntergang bringt auch
ihm den Tod.[16]
Odins Selbstopfer
Odin ist beharrlich auf der Suche nach
Weisheit. Er gibt
ein Auge als Pfand gegen einen Schluck aus Mimirs
Brunnen, um seherische Kräfte zu bekommen. Er raubt von der Riesin
Gunnlöd den Skaldenmet Odrörir und
bringt ihn in Adlergestalt zu den Göttern. Als Opfer für die
Menschen hängt er im Weltenbaum Yggdrasil,
verwundet von seinem eigenen Speer. Er hängt dort während
neun Tagen
und Nächten („Vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, mir selber
ich
selbst, am Ast des Baums, dem man nicht ansehen kann, aus welcher
Wurzel er spross“; aus Odins Runenlied 138), wobei er die Runen
ersinnt (Odins Runenlied in der Hávamál
der Lieder-Edda).
Magische Artefakte und
Begleiter
Odin reitet jeden Morgen auf seinem
achtbeinigen Ross Sleipnir
und mit seinen beiden treuen Raben Hugin und Munin („Gedanke“ und
„Erinnerung“) über den Morgenhimmel und erkundet die Welt. Seine
Wölfe Geri und Freki („Gierig“ und
„Gefräßig“) helfen ihm bei der Jagd. Er besitzt den goldenen
Zwergen-Ring Draupnir und den Speer Gungnir,
mit dem er den ersten Krieg in die Welten (Asgard, Midgard
und Utgard, Wanaheim, Schwarzalbenheim, Lichtelfenheim, Helheim,
Niflheim, Muspelheim)
brachte, als er ihn ins Heer der Wanen
warf. Weiterhin hat er den abgetrennten Kopf des Riesen Mimir, der
die Zukunft vorhersagen kann. Von seinem Thron Hlidskjalf aus (er steht
in Valaskjalf;
siehe auch: Sökkvabekk oder Gladsheim)
kann Odin alles sehen, was sich in der Welt ereignet.
Odin trägt einen Wunschmantel, der
ihn an die Orte
bringt, an denen er sich aufhalten will.
Brauchtum
Ausgehend von der Etymologie Wodans hat
sich die
Vorstellung
im Volksglauben bis in die Neuzeit erhalten und tradiert, dass sich zur
Zeit der Herbststürme Wodan in der wilden
Jagd (dänisch-schwedisch Odensjakt) mit dem Heer der
Verstorbenen durch den Himmel bewegt. Die wilde
JagdAsgardareid.
Odin und Frigg
nehmen dort gemeinsam teil. Wodan als der Herr der Toten und
Stürme
(hier besonders die Herbststürme) kam bei den heidnischen
Herbstfesten
eine besondere Rolle zu. In den altsächsischen Siedlungs- und
Sprachgebieten
hielt sich bei Erntedankfeiern bis ins 16. Jahrhundert der Brauch,
„Woden“ zu Ehren Bier als Trankopfer auszugießen und Tänze
aufzuführen. heißt im Nordischen auch
Jacob Grimm zeigte, dass besonders
Erntesprüche und damit verbundene Segenssprüche auf Wodan
Bezug nahmen. Vor allem in den ehemaligen sächsischen Gebieten,
dem heutigen Niedersachsen und Westfalen, aber auch den
sächsischen
Siedlungsgebieten
in England, wo der Wodanskult tief in den Stammes-Sagen verwurzelt war
und auf das tradierte Brauchtum bis in die Gegenwart abstrahlt. Grimm
führte z.B. aus den mecklenburgischen
und besonders aus dem schaumburg-lippischen Landen folgende
Erntesprüche in den jeweiligen niederdeutschen Dialekten an[17]:
Mecklenburg:
„Wode, Wode, hale dinnen Rosse nu
voder,
nu Diestel un Dorn,
ächter jar beter Korn!“
|
„Wode, Wode, hole deinem Rosse nur
Futter,
nun Distel und Dorn,
über' s Jahr dessen Korn.”
|
Schaumburg:
„Wold, Wold, Wold !
Hävenshüne
wei wat schüt,
jümm hei dal van Häven süt.
Vulle Kruken un Sangen hät hei,
upen Holte wässt manigerlei:
hei is nig barn un wert nig old.
Wold, Wold, Wold ! “
|
„Wold, Wold, Wold !
Himmelshüne weiß was geschieht,
vom Himmel er herunter sieht,
Volle Krüge und Garben gibt er,
im Walde wächst mancherlei:
Er ist nicht geboren und wird nicht alt.
Wold, Wold, Wold ! “
|
Wahrscheinlich wurde Wodan, außer
der Trankspende,
auf dem
abgeernteten Feld Getreide stehen gelassen (regional z.B. in
Ostwestfalen noch heute anzutreffen). Geistliche, die sich bis ins 19.
Jahrhundert an solchen Riten beteiligten, erhielten als eigene Abgaben
auch Getreideopfer zum Schutz der Feldfrucht[18].
Auf einer Synode im Jahr 813 ließ
der Frankenkönig Ludwig der Fromme, Sohn Karls, den Michaelstag
in die Woche des Festes für Wodan legen. Die zahlreichen
Michaelskapellen in Norddeutschland weisen auf vermutete vorherige
Wodansheiligtümer oder andere Kultplätze hin.[19]
Des weiteren deuten Funde von Weihesteinen auf den Bezug zwischen Wodan
und St. Michael hin. So wurden auf dem „Michelsberg“, der ein Vorberg
des Heiligenbergs bei Heidelberg
ist, Weihesteine gefunden, welche die Inschrift „Mercurius Cimbrianus“
und „Mercurius Cimbrius“ tragen, und somit auf alte
Wodanskultstätten
hinweisen, die zu christlichen Zwecken umgewandelt wurden. In der Regel
wurde auch durch die Errichtung von Kapellen vor Ort die christliche
Inanspruchnahme ausgedrückt.[20]
Im selben Zeitraum setzte eine deutliche Dämonisierung seitens der
christlichen Missionare ein, wie es beispielsweise im Wortlaut des
sächsischen Taufgelöbnisses
nachzuvollziehen ist. Dies war im Falle Wodan/Odins insofern
naheliegend und erfolgversprechend, als der
schamanistisch-widernatürliche Grundzug des Gottes in der
religiösen
Praxis der Germanen alltäglich gegenwärtig war. Diese
Verteufelung
Wodans, dessen Machtlosigkeit dem Heerführer Christus[21]
gegenüber, erfüllte sich besonders auch durch das Bild des
heldenhaften Erzengels Michael, der den Drachen/Satan besiegt.
lesenswert:
http://www.vingilot.de/nor/odin_1.pdf
eine kurze Ethymologie zu Odhinn-Wodan aus Vingilot-
Beiträge zur Anthropologie von H.W. Jardner
|
Thor
|
Thor im Norden oder Donar bei den
kontinentalen germanischen Völkern ist „der Donnerer“,
ursprünglich als Gattungsname „der Donner“ (as.Thunaer, ags.
þunor, ahd. Donar, an.Þórr von urn. þunraR
„donnern“).
Daraus erschließt sich der gemeingermanische Gottesname
*Þunaraz.Thor/Donar fungierte für die zur See fahrenden
Völker als wichtiger Gewitter- und Wettergott sowie in weiterer
Funktion
innerhalb der bäuerlichen germanischen Gesellschaft als
Vegetationsgottheit. In den mythologischen eddischen
Schriften hatte er die Aufgabe des Beschützers von Midgard,
der Welt der Menschen.
Etymologie
Der Name der Gottheit ist eng verwandt
mit anderen
parallelen indogermanischen Gottheiten. „Jupiter tonans“, Zeus, der
keltische Taranis, nutzte als Waffe den steinernen Donnerkeil,
der durch den Blitzstrahl vom Himmel zur Erde geworfen wurde.
Der Kampf, den Indra führte, ist atmosphärisch durch Blitz
und Donner
dargestellt. Der Begriff Himmel geht auf eine indogermanische
Wortwurzel zurück, die Stein, Amboss bedeutet.[5]
Vom gemeingermanischen *Þunraz wird gesagt (beispielsweise Zeus),
dass dessen Donner dem Fahren eines Wagens
gleicht, wie über ein Gewölbe (ags. Þunorrād =
Donnerfahrt).[6]
So geht der germanische Name des Gottes gleichlautend mit dem des
Naturphänomens
appellativ auf eine Wortwurzel zurück, die einen Schalllaut
darstellt, welchen speziell Wörter für „Donner“ und „donnern“
wortgleichend aufweisen; ig. *(s)tenH2-
. Hierzu als erläuternder Vergleich lat. tonare
„donnern“. Þónarr „donnern“, ai. tanyu „donnernd“, ags.
Þunian
ebenfalls „donnern“.[A 1]
Auffallend ist die zweisilbige Namensform im kontinental-germanischen
Bereich, wo hingegen in der nordischen Form der Name nur einsilbig
ist.[7]
Der Wochentag Donnerstag
(engl. thursday, dän./schwed. torsdag) ist nach Thor/Donar
benannt. Der Tag
war bereits in der Antike den Göttern Zeus bzw. Jupiter geweiht
(lat.
dies
Iovis, davon auch franz. jeudi, span. jueves, italien.
giovedì) und wurde mit der Übernahme der ursprünglich
babylonisch/ägyptischen 7-Tage-Woche[A 2]
durch die Germanen dem lateinischen Begriff nachgebildet.[8]
Herkunft und
indogermanische Parallelen
Bei den indogermanischen
Sprachvölkern, und über sie hinaus, hat der Himmelsgott Blitz
und Donner in seiner Gewalt. Thor/Donar
entstand vermutlich durch Abspaltung beziehungsweise Trennung der
Funktion als Beherrscher der Naturphänomene Blitz und Donner von
diesem
Himmelsgott.[9][A 3]
Aus den ererbten
nur in Grundzügen erschließbaren indogermanischen Urreligion
entwickelte sich die Gottheit in Ihrer Vorstellung unter regionalen
kulturell-religiösen Schwankungen bei den germanischen
Völkern fort.[10]
Nach der Theorie von Dumezil haben die drei
Hauptgötter bei den indogermanischen Völkern jeweils eine
Funktion,
der donnernde Himmelsgott hat die erste Position inne. Bei den Germanen
hat sich die Gestalt des Donnerers von der des Himmelsgottes gesondert,
so dass er die zweite Funktion der „Stärke“ ausfüllt.
Die Vorstellung des hammerschwingenden,
wagenfahrenden
Wetter-/Donnergottes ist ein uraltes Gottesbild; der hethitische
Tarhunna
wird identisch geschildert als wagenfahrende, hammerschwingende
Gottheit. Wird Thors Wagen von Böcken gezogen, so sind es bei
Indra
rötliche oder falbe Pferde, auch dessen Waffe, eine Wurfkeule,
wurde
von einem niederen Wesen gefertigt. Diese Keule kehrt wie Thors von dem
Zwerg Sindri gefertigter Hammer nach dem Wurf von selbst in die Hand
des Gottes zurück.
In zahlreichen skandinavischen
Felszeichnungen und Abbildungen
in Steingräbern sind männliche Figuren wiederzufinden, die
einen Hammer oder vielmehr Äxte (Doppeläxte) bzw. Beile
erheben,[11]
oftmals in phallischer Pose (z.B. Grab von Kivik), weshalb sie auch als
göttliche Wesen gedeutet werden.[12]
Im indogermanischen Vergleich ist festzustellen, dass die verwandten
Donnergottheiten von Thor/Donar zwischen Axt, Hammer und Keule
tendieren. Ein Amulett mit der Darstellung des Thorshammers im
nordgermanischen Raum bzw. der Donarskeule im südgermanischen Raum
galt in spätheidnischer Zeit besonders bei Frauen als
Fruchtbarkeitssymbol (Grabungsfunde
in Haithabu)
und taucht als solches erst zu dieser späten Zeit nach den
Petroglyphen wieder auf.[13]
Eine weitere Parallele zu anderen
indogermanischen
Mythen ist der Drachen- bzw. Schlangenkampf,[14]
den der Donnergott austrägt. Bei Thor ist es die
Auseinandersetzung mit der Midgardschlange, bei den Griechen Apollon
mit Python und Herakles
gegen Hydra, der hethitische Gott Tarhunna
und die Schlange Illuyanka, und in der indischen Mythologie der Kampf
des
Gottes Indra
mit dem Vrithra-Drachen.
Dieser wird in den Rigveden
mit immer neuen Hymnen gepriesen. Das Besingen des Drachenkämpfers
und
Ungeheuerbezwingers im Mythos ist in allen genannten Kulturen evident;
es handelt sich um kultsymbolische Kämpfe, die zum prägenden
religiösen
Typus wurden.[15]
Eine weitere mythische Parallele teilen sich Thor und Indra durch den
Hrungnirmythos.
Der Kampf Thors mit dem Riesen der ein dreizackiges Herz aus Stein hat,
gleicht dem Kampf Indras gegen das dreiköpfige Ungeheuer
Trisiras.[16]
Eine auffällige Parallele besteht
in der Form des
Dialoges, den Thor mit Odin beispielhaft im
„Hárbarðslióð,
Harbads-Lied“ führt, und den Dialogen, die Indra mit Varuna
laut den Rigveden führt. Nach Dumézil
stellen diese Dialoge keinen aggressiven Konflikt der unterschiedlichen
Kulte dar, sondern eine uralte Dialogform, basierend auf den
unterschiedlichen Naturen der Götter innerhalb ihrer strukturellen
Funktionsbereiche.[17]
Die meisten anthropomorphen
Züge teilt Thor mit Indra hinsichtlich der Haare und dem Tragen
eines
Bartes. Indra wird als blondhaarig und mit einem blonden Bart in den
Rigveden geschildert, Thor wird der „Rotbart“ genannt
(Þrymskviða,
Thrymlied),[18]
und auch vom Wesen her gelten beide als menschenfreundlich.[19]
Frühe römische
Kaiserzeit – 1. bis 3. Jahrhundert
Aus der vorhistorischen Zeit sind bei
den Germanen durch
archäologische Funde – neben den nur bedingt geltenden
skandinavischen
Felszeichnungen – die anthropomorphen sogenannten Pfahlgötzen
Zeugen eines gewissen Götterkultes, ohne Bezug zu einer namentlich
später fassbaren Gottheit, insbesondere des Kultes für eine
Donnergottheit (siehe Artikel Germanen#Germanische_Religion).
Dies ändert sich durch den Kontakt der Germanen mit dem
mediterranen
römisch-hellenistischen Kulturkreis. Durch die Erfassung der
Kultur aus
frühen Expeditionen heraus und folgenden von Soldaten als quasi
„Frontberichte“ beschriebene Eindrücke, bis hin zu umfassenderen
Abhandlungen, und somit der Eintritt in die Historizität.
Tacitus beschreibt im Kapitel 9
seiner Ethnographie Germania, einem Überblick der
Religion der Germanen, zumindest die religiösen Verhältnisse,
welche aus der Rheinlage der Germania Inferior heraus den Römern
bekannt waren. Er nennt die Germanischen Hauptgötter in
römischer Interpretation. Aus
der Nennung des Herkules lässt sich Donar ableiten, obwohl
der germanische Name erst durch Runeninschriften aus der Zeit der
Völkerwanderung verifizierbar ist
(Nordendorfer Runenfibel) und andere spätere Quellen Donar zu
Jupiter stellen.[A 5]
Tacitus zog Parallelen zur Figur des Hercules für den
vergleichenden
römischen Betrachter vermutlich aus den erkannten Wesensmerkmalen
heraus. Als Verkörperung der Kraft ähneln sie sich auch in
ihren Attributen,
die des Hammers und der Keule und analog dazu auch ihrer Trink- und
Essfreudigkeit, welche bei Thor aus den späteren nordischen
Quellen
überliefert ist. Darüber hinaus schildert Tacitus, dass die
Germanen
bei der „Herculesverehrung“ diesen durch die Begrifflichkeit „Barditus“
besangen[20]
und dies besonders auch vor einer Schlacht.[21]
In attischer Urzeit wurde den Athenern durch das delphische Orakel
geraten, den Paian
(Παιάν) als mythische Beschwörung des Sieges zu singen. Dieses
Singen des Paian
geht auf den Apollon-Mythos und dessen siegreichen Kampf mit Python
zurück.[22] Dieter Timpe
sieht durch die kompositionelle Stellung dieser Hercules-Erwähnung
in
Kap. 3, es weder als ergiebig noch naheliegend, zur Nennung des
Hercules in Kap. 9 eine zwingende theologisch-systematische
Verbindung
zu sehen.[23]
Hercules/Donar wurden nach Tacitus
Tieropfer
dargebracht. In
welchen religiös-kultischen Zusammhängen bleibt Tacitus
unbestimmt, und
er verallgemeinert die Opferhandlungen zu einer Gnädigstimmung der
Gottheit.[24]
„Deorum maxime Mercurium
colunt, cui
certis diebus humanis quoque hostiis litare fas habent. Herculem
et Martem concessis animalibus placant.“
„Von den Göttern
verehren sie am
meisten den Merkur;
sie halten es für geboten, ihm an bestimmten Tagen auch
Menschenopfer
darzubringen. Herkules und Mars stimmen sie durch bestimmte
Tieropfer gnädig.“
– Tacitus,
Germania, Kapitel 9, 1
Die aus dem ersten nachchristlichen
Jahrhundert
gefundenen Weihesteine und Münzen tragen lateinische
Inschriften, die Donar gewidmet waren. Eine sehr große Verehrung
erfuhr er von den Batavern im Raum Nijmegen.
Die Inschriften geben mehrheitlich die Namensform Hercules
Magusanus[25]
In seinen Annalen (II, 12, 16) nennt Tacitus
ein dem Donar gestiftetes Heiligtum, welches bei einer Örtlichkeit
Idistaviso östlich der Weser gelegen sei.[A 6] wieder.
„Caesar transgressus
Visurgim indicio
perfugae
cognoscit delectum ab Arminio locum pugnae; convenisse et alias
nationes in silvam Herculi sacram ausurosque nocturnam
castrorum oppugnationem. [...] Sic accensos et proelium poscentis in
campum, cui Idistaviso nomen, deducunt. is medius inter Visurgim et
collis, ut ripae fluminis cedunt aut prominentia montium resistunt,
inaequaliter sinuatur.“
„Caesar (Germanicus)
erfuhr nach Überschreiten der Weser aus dem Bericht eines
Überläufers,
dass Arminius ein Schlachtfeld ausgewählt habe, dass auch andere
Stämme
in einen dem Hercules heiligen Hain zusammengekommen seien und
einen nächtlichen Angriff auf das Lager wagen würden. [...]
Als sie so
begeistert die Schlacht forderten, führte man sie auf ein freies
Feld
namens Idistaviso hinunter. Dies liegt in der Mitte zwischen dem
Visurgis und den Hügeln und zieht sich in ungleichen
Krümmungen hin, je
nachdem die Ufer des Flusses zurücktreten oder Bergvorsprünge
sich
vorschieben.“
– Tacitus,
Annalen, 2, 12, 16
Von solchen Heiligtümern,
beziehungsweise heiligen
Hainen, die einer
„männlichen“ Gottheit geweiht waren, ist neben dem
Stammesheiligtum der Semnonen, ebenfalls von Tacitus (Germania Kap.
39) erwähnt, für diese Zeit nur der cheruskische
Hercules/Donar Kultort schriftlich belegt.Günther Behm-Blancke
wertet
in der Zusammenfassung der Quellen aus der frühen römischen
Kaiserzeit, dass in solchen Heiligtümern, also auch auf den
Hercules/Donar–Hain
bezogen, Götterbilder (Idole) und Altäre errichtet wurden,
Opferhandlungen durchgeführt wurden und daneben als
Aufbewahrungsort
für heilige Gegenstände und Kriegsbeute, sowie als
Versammlungsort (Thing) dienten.[26]
Für die Ostgermanen, die gotischen
Völker, ist auf Grund der allgemein schlechten Quellenlage
für die
davor grobgefasste römische Kaiserzeit und nachfolgende
Völkerwanderungszeit kein direkter Nachweis eines Gewittergottes
möglich. Lediglich einige Berichte von antiken Chronisten und
Historikern lassen Verbindungen zu bedingtem religiös motiviertem
Verhalten zu.[27]
Beispielsweise berichtet Titus
Livius über eine Schlacht im Jahre 179 v. Chr. zwischen den
Bastarnen
und Thrakern
um einen von diesen besetzten Berg. Die angreifenden Bastarnen wurden
durch ein plötzliches Gewitter verjagt, und gaben nach Livius
selbst
an, dass die Götter ihre Flucht verursacht hätten.
Ammianus Marcellinus berichtet, dass
bei der Schlacht von Adrianopel
im Jahr 378 die Goten ebenfalls durch ein Gewitter zerstreut wurden. Ob
eine religiöse Furcht vor einer bestimmten Gottheit oder lediglich
eine
abergläubische Angst vor diesem Naturphänomen einen
tatsächlichen Bezug
zu einer Gottheit der betroffenen Goten belegt, ist nicht feststellbar
– ganz abgesehen von der Glaubwürdigkeit solcher Berichte.[A 7]
Donar/Thor in der
früh- und spätmittelalterlichen Überlieferung
Die Vorstellung von Donar/Thor ist unter
den
germanischen Völkern
einheitlich; dennoch gab es durchaus Entwicklungen und
Veränderungen,
besonders in der römischen- und der Wikingerzeit
sowie in der Epoche der Völkerwanderung, in denen beispielsweise
Unterschiede in den Positionierungen der Ränge auffallen. Der Kult
um Odin
nimmt nach einer Annahme von Teilen der Forschung von Süden nach
Norden
wandernd die höchste Stellung ein und verdrängt den alten
Himmelsgott Tyr,
dem auch Thor zumindest in der skaldischen Poesie untergeordnet wird.[A
8]
Mit der frühen und intensiven
Christianisierung
der kontinentalen germanischen Stämme und Völker geht eine
Ausmerzung
von Schriften nicht-christlichen Inhalts einher. Tiefergehende
Aufschlüsse des durch die Christen so betitelten „germanischen
Heidentums”,
insbesondere zu Donar/Thor, lassen wegen der hauptsächlich
klerikal
geprägten Quellen des frühen Mittelalters nur eine bedingte
Aussagekraft über Donar/Thor zu.
Für die hauptsächlich
nordwestnordisch-skandinavischen schriftlichen
Quellen aus Island und Norwegen gilt das Problem der Christianisierung,
die zwischen ungebrochener Religiosität und „heidnischer Zeit”
sowie
deren Praxis in Kult und Ritus lag. Die Niederschriften lassen sich
für
die Zeit vom 11. bis zum 13. Jahrhundert zuordnen. Das hatte
unmittelbaren Einfluss auf die mythischen Überlieferungen der
eddischen
Schriften und Sagas.
Die heutigen Kenntnisse über Thor sind größtenteils
diesem Schriftum
entnommen, jedoch von christlichen Einflüssen nicht unberührt
geblieben
und deshalb aus christlicher Perspektive verfasst.[28]
Zu den schriftlichen Quellen
unterschiedlicher Arten und
Zeiten
kommt der archäologische Bericht und die Auswertung von Funden,
beziehungsweise deren Deutungen. Runeninschriften und Ikonographien auf
Gütern und Objekten unterschiedlicher Art und Materialien
können die
schriftlichen Quellen aus Prosa und Mythologie zu Donar/Thor
ergänzen,
aber auch in Frage stellen, oder diese offen unbeantwortet lassen.
Wichtige Beiträge hat die Ortsnamenforschung über den
gesamten
germanischen Sprachraum ergeben, da diese mit Abstrichen und Vorsicht
auf ehemalige Kultorte schließen lassen, die Donar/Thor geweiht
waren.
Solche Orte finden sich vor allem in Dänemark, England, Island,
Norwegen und Schweden.[29]
Kontinental-Westgermanische
Zeugnisse
Jan de Vries vermutet bei den relativ
früh zum Christentum bekehrten merowingischen Franken
eine Nachwirkung von alten abgelegten heidnischen Traditionen, die in
Verbindung zu Donar stehen, welche entweder auf tatsächlichem
religiösen Kult oder zumindest auf daraus entwickeltem Aberglauben
beruhen. Chlothar I.
sollte im Jahr 537 durch seine Brüder ermordet werden. Da die
Umsetzung
des Planes durch ein Gewitter scheiterte, warfen sich die Brüder
samt
Gefolge zu Boden und baten den christlichen Gott um Verzeihung ob der
versuchten Freveltat gegen Chlothar.[30]
„Loga†ore W¿dan
Wigi†onar awa
LeubwiniÛ“
„Loga†ore, Wodan [und]
Donar, [gebt]
göttlichen Schutz der Leubwinia!“
– Helmut
Arntz, Handbuch der Runenkunde. 2. Auflage. Halle/Saale 1944
„Loga†ore W¿dan
W³g(i)†onar
(A)wa (L)eubwini“
„Loga†ore
(=Ränkeschmied) -
W¿dan - W³gi†onar (=Weihe-ðonar) - Awa [und] Leubwini
[schenken]“
– Wolfgang
Krause, Herbert Jankuhn, Die Runeninschriften im älteren Futhark.
Göttingen 1966
Die Namensform Donars in Verbindung
einer funktionalen
Weihung
beziehungsweise die Identifikation der Gottheit mit dieser Eigenschaft
für die Menschen im alemannischen Spektrum findet sich in
Skandinavien
zur Wikingerzeit in runischen Inschriften
bestätigend für die dortigen Kulturen wieder. Die Germanisten
und Runologen Klaus Düwel und Wolfgang
Krause deuteten hingegen die Wendung Logatore als Ränkeschmied(e),
Lügensprecher.
Es besteht die Möglichkeit, dass entgegen einer Weiheformel
bezüglich
Donars ein christlicher Bannspruch aus der Zeit des Religionswechsels
hinsichtlich des Wechsels der Zugehörigkeit zum nun christlichen
Gott
vorliegt.[32]
Im sächsischen Taufgelöbnis
des achten Jahrhunderts, einer Abschwörungsformel vom tradierten
paganen
Glauben, wird Donar in angelsächsischerTranskription als Thunaer
zusammen mit anderen Göttern erwähnt.
„[…] end ec forsacho […]
Thunaer
ende Uuoden ende Saxnote ende allum them unholdum“
„[…] und ich entsage […]
[dem] Donar und
Woden und Saxnot und allen Unholden.“
– Sächsisches
Taufgelöbnis, Capitularia regum Francorum, Monumenta Germaniae
Historica
Der langobardische Gelehrte Paulus
Diaconus erwähnt in einem
Gedicht über den dänischen König die Götter Waten
und Thonar. Die Formen der Namen zeigen aber oberdeutsche
Formen und nicht nordische.
In angelsächsischen Glossen
klerikaler Herkunft wird Þunor als Jovem Þuner, Jupiter
Þuner sowie Þor und Þūr genannt.[A 10]
Orts- und Flurnamen in England, welche auf die altenglische Namensform
Þunor
zurückzuführen sind, und in der Endung auf Quellen oder
feuchte
Niederungen hinweisen, lassen es zu, auf der Gottheit ehemals geweihte
Kultorte
rückzuschließen. Beispielsweise werden in Handschriften Orte
wie Þunres lēa (lēa, lēah in der Bedeutung von
Hain), oder Þunorslēge sowie Þunrēs feld
genannt, moderne Entsprechungen finden sich in Thundersley in Essex und
Thundersfield
in Surrey.
In den sächsischen und jütischen Siedlungsgebieten basieren
die Orts-
und Flurnamen auf der angelsächsischen Namensform, während im
anglischen Bereich, welcher später unter dänischem Einfluss
stand, die
nordische Form des Gottesnamens vorherrscht. Bei dem Ort Burnsall in
Yorkshire
wurde daher auch ein Quellort dem Thor als Thor's Well geweiht.[33]
Neben den Ortsnamen und den damit in Verbindung stehenden Kulten und
Mythen zeigen auch nachwirkende Wendungen in der altenglischen
Literatur, dass die gemeingermanischen Vorstellungen des Gottes auch
von den Angelsachsen geteilt wurden. Nach Ernst Alfred Phillippson
weist eine Phrase aus dem Text der altenglischen Erzählung „The
Prose
of Salomon and Saturn“ auf diese gemeinen Vorstellungen hin:
„Se ðunor hit
(ðæt deofol)
ðrysceð mid þære fyrenan æcxe“
„Der Donner
zerschmettert ihn mit
feuriger Axt“
– Germanisches
Heidentum bei den Angelsachsen, Köln 1929 S. 144–145
Kontinentale Orte und Ortsnamen wie der
Donnersberg
in Rheinland-Pfalz lassen auf Kultorte für Donar
rückschließen. Beim
Donnersberg – nicht bei allen Donnersbergen, da das Naturphänomen
durchaus und in der Regel ursächlich namengebend war –
führten die
Germanen vermutlich die sakrale Nutzung des Ortes durch die vorher dort
ansässige keltische
Bevölkerung nach deren Verdrängung fort. Ähnliche Muster
lassen sich in
England feststellen und ebenso am Kontinent, beispielsweise auf dem
Heiligenberg bei Heidelberg
in der Weiternutzung für den Wodankult.[34]
Kirchliche Verbotsschriften, wie zum
Beispiel die in
Kruzform bezeichneten Indiculien,
untersagen den neubekehrten Menschen den gewohnten und tradierten Kult
und die darin enthaltenen Opfer an Donar. Diese benennen Donar in
lateinischer Form wie in den angelsächsischen Glossen mit Jovem,
Jovis, also als Jupiter.[35]
Das wohl bekannteste dem Donnergott geweihte Heiligtum war die
Donareiche
(im Text: robur Iovis) bei Fritzlar in Nordhessen, die Bonifatius
im Jahre 723 fällen ließ. Bonifatius beklagte in einem Brief
an den Papst Gregor III., dass relativ neubekehrte
und im Priesterstand stehende Personen zum Brauch der Donarsopfer
zurückkehrten.[36]
„De sacris Mercurii vel
Jovis
... De feriis quae faciunt Jovi vel Mercurio.“
„Über Opfer an
Merkurius (Wodan)
und Jupiter (Donar)... Über Feiern, die sie für Jupiter und
Merkur veranstalten.“
– Indiculus
c. 8, 20, Capitularia regum Francorum, Monumenta Germaniae
Historica[37]
Das Thorsberger Moor im
schleswig-holsteinischen Ort Süderbrarup gilt als zentrales
Stammesheiligtum der Angeln.
Vermutlich dem Donar geweiht entstammt der heutige Name ebenfalls wie
teilweise in England dem dänisch-nordischen Einfluss. Ob die
Angeln nur
Donar Opfer darbrachten oder auch anderen Gottheiten bleibt
ungeklärt.
Jedoch lassen die Artefakte gewisse Rückschlüsse auf die
besonderen
Anlässe beziehungsweise Umstände durch beispielsweise
dargebrachte
Waffenopfer zu. Die Opfertätigkeit endet im 5. Jahrhundert
mit der
Abwanderung großer Teile des Stammes auf die britische Insel.[38]
Auf einem sächsischen Friedhof im
niedersächsischen Ort Liebenau
bei Nienburg an der Weser wurden in Gräbern von Frauen
Donarskeulen als
Beigabe gefunden. Dies zeigt die besondere Funktion Donars als
Fruchtbarkeitsspender sowie seine kultische Verehrung unter den Sachsen
auf vergleichbare Weise wie bei anderen germanischen Völkern.[39]
Nordgermanische Zeugnisse
Um 1075 lieferte Adam von Bremen eine
Beschreibung der
Attribute und Eigenschaften Thors in seiner Geschichte des Bistums
Hamburg (Gesta Hammaburgensis
ecclesiae pontificum).
So schreibt ihm der Historiograph etwa die Steuerung von Wind und Regen
zu. Diese Beschreibungen Thors stehen im Kontext der aus Sicht des
klerikalen Schreibers heidnischen Kulte um den Tempel von Uppsala.
„Thor praesidet in aere,
qui tonitrus et
fulmina,
ventos imbresque serena et fruges gubernat. […] Si pestis et fames
imminent Thor idolo libatur …“
„Thor hat den Vorsitz in
der Luft, er
lenkt Donner und
Blitz, gibt Wind und Regen, heiteres Wetter und Fruchtbarkeit. […] Wenn
Pest und Hungersnot drohen, wird dem Götzen Thor geopfert …“
– Hamburgische
Kirchengeschichte, Buch IV, Kapitel 26, 27[40]
In Norwegen und Island
wurde Thor als wichtigster Gott verehrt, und das vor allem von der
bäuerlich lebenden Bevölkerung. Er ist, wie der schwedische
Religionshistoriker Ake Viktor Ström hervorhebt, der „Sohn
der Erde“, altnordisch Jarðar burr oder Jarðar sunr,[A 11]
und wird in Folge von diesen Menschen als erdverbunden gedacht und
empfunden und mit der Fruchtbarkeit von Feld und Flur unmittelbar eng
in Bezug stehend.[41]skaldische Versdichtung im 9. und 10.
Jahrhundert.[A
12]
Gleichwohl finden sich in einigen skaldischen Gedichten zentrale
mythische Themen, die mit Thor verbunden sind und zeigen, wie
populär
diese waren. Für die spätheidnische Zeit gewann Thor für
die Wikinger,
also die Gruppen von Nordgermanen, die auf Beutefahrt gingen,
zusätzlich einen kriegerischen Aspekt beziehungsweise eine
funktionelle
Bedeutung. Dies vermutlich aufgrund der Verkörperung der Kraft,
die in
Thor für diese Menschen offenkundig war.[42]
Die Schilderung Odins als höchsten Gott und dessen Verehrung war
in
Skandinavien vor allem eine höfische Sitte durch die
spätheidnische
„Wenn sie (die
Normannen)
auf Beutezüge und Herrfahrten auszogen, pflegten sie früher
zu opfern, im Dienst an ihrem Gott Thur.“
– Dudo von
Saint-Quentin, De moribus et actis primorum Normanniae ducum
1, 2[43]
Thor waren Tempel, Quellorte und Haine
geweiht;
Ortsnamen, die auf
Thors Namen zurückgehen, sind noch heute in Gebrauch. In Schweden,
Norwegen und Island überwiegen sie im zahlenmäßigen
Vergleich vor allen
anderen theophoren Ortsnamen.[44]
Jedoch muss man bei direkten Rückschlüssen auf die Gottheit
Vorsicht
walten lassen, da Ortsnamen, gerade bei Thor, auch auf Personennamen
zurückzuführen sind. Daher sind Ortsnamen mit kultischem
Bezug solche,
die eine Kombination darstellen aus Thor und Begriffen, die in sakralen
Kontext stehen wie altnordisch -hof-lund(r), -harg, -vi und andere
Begriffe für einen Tempel oder
Hain.[45] und
„Þorgrímr
reisti bú
um vórit at Hofi … Þar stód Þórr
í miðju ok önnur goð á tvær hendr;“
„Er (Thorgrim)
ließ einen
großen Tempel in seinem
umhegten Hofplatz errichten … Da stand in der Mitte Thor und andere
Götter zu beiden Seiten.“
– Kjalnesinga
saga, Kapitel 2[46]
„...Hallstein und die
Leute von
Reykjanes hatten einen
Thorstempel dort im Westen errichtet, nachdem ein großer Baum an
sein
Land getrieben war, als er geopfert hatte. Und dahin entrichteten sie
ihren Beitrag.“
–
GullÞórissaga
c. 7[
Beim südnorwegischen Ort Thorshof
lag einst
ein
Tempelheiligtum, das Thor geweiht war und von der bäuerlichen
Bevölkerung genutzt wurde im Sinne der Funktion, welche die
Gottheit
primär für diese Menschen inne hatte. In diesen Tempeln oder
an anderen
sakralen Orten wurden gemäß der Aussagen der schriftlichen
Quellen der
Sagaliteratur Thor beschnitzte Pfähle geweiht und durch Votivgaben
Opferhandlungen dargebracht.[A 13]
Aussagen zu etwaigen Menschenopfern in diesen Quellen der Sagaliteratur
und Berichten von klerikalen mittelalterlichen Chronisten sind als
unsicher zu werten.
„Ihm (Thor) brachten sie
nicht etwa
Haustiere, auch
nicht Viehherden, ebensowenig Wein oder Feldfrüchte dar, sondern
sie
opferten immer Menschenblut; denn sie hielten es unter allen Opfern
für
das wertvollste.“
– Dudo von
Saint-Quentin, De moribus et actis primorum Normanniae ducum
1, 2[48]
Zutreffender sind Opferungen von Tieren,
gerade in
Hinblick auf die mythische Verbindung von Thor zu dessen
Ziegenböcken. Nach Rudolf
SimekReminiszenz
von Thorsopfern sein welche archaischer wirken als die Angaben
christlicher Autoren und deren phantastischen Berichte von
Menschenopfern“ (Lexikon der Germanischen Mythologie,
Seite 420, Stuttgart 2006). könnte die unten
beschriebene Szene der Opferung der
Ziegenböcke und deren Wiederbelebung eine „
Weitere Zeugnisse, die einen Bezug zu
Thor herstellen,
sind Bildsteine, Runensteine und einige wenige Brakteatfunde
beziehungsweise Amulette im skandinavischen Raum, vor allem hierbei
durch die runische Namensnennung in Form von Inschriften. Sechs Steine
aus Dänemark und Schweden tragen die Abbildung des Thorshammers.
Runensteine, welche die Thorverehrung mit der transliterierten
Weiheformulierung „Þur uiki – Thor weihe“ bezeugen, sind
vier wikingerzeitliche Exemplare aus beiden
Ländern. A. V. Ström
sieht diese Weiheformeln und gleichlautende literarische Motive als
deutliches Anzeichen der besonderen Fruchtbarkeits- und Schutzfunktion
Thors.[49]
„Þur uiki
þisi kuml“
„Thor, weihe diese(n)
Grabhügel.“
– Runenstein
von Virring
Bildsteine sind dann sicher auf Thor zu
beziehen, wenn
eine
Kombination mehrerer vorliegender Merkmale eine Identifikation
ermöglicht. Auf dem Altunastein aus der schwedischen
Region Uppland,
dem nordenglischen Gosforth Kreuz sowie auf dem
jütländischen Steinblock in der Kirche von Hørdum in
Thy und auf
dem gotländischen Bildstein „Ardre VIII“ ist die unten
beschriebene mythische Szene abgebildet, in der Thor hammerschwingend
mit der Midgard-Schlange kämpft.[51]
Andere Bildsteine greifen den Hrungrimythos thematisch auf, indem sie
das dreizackig-verwinkelte Hrungnir-Herz
in szenischen Motiven zeigen, und somit dadurch indirekt die
Präsenz Thors bei den Menschen verdeutlicht wird.[A 14]
Ein Amulett aus Sigtuna bezieht sich ebenfalls auf den Kampf, den
Thor mit den Riesen allgemein ausführt. Die Inschrift lautet:
„Þur
sarriþu þursa trutin – Thor verwunde dich, Herr der
Riesen“.[52]
„Þur uigi
þik þorsa
trutin“
„Thor weihe dich, der
Herr der Riesen.“
– Handschrift
aus Canterbury
In die auslaufende heidnische Zeit
fällt die
Besiedlung Islands. Die spätere Sagaliteratur
greift dieses Ereignis häufig aus der mittelalterlich-christlichen
Perspektive auf. In dem Landnámabók (Kapitel 73) wird
berichtet, wie der erste Siedler zur Bestimmung des idealen
Siedlungplatzes eine hölzerne Hochsitzsäule
öndvegissúlur
mit geschniztem Thorsbild (þar var skroinn á
Þórr)
in das Küstengewässer warf und nachforschen ließ, wo
diese Säule
angelandet war. Dort errichtete man die neuen Hofstellen und baute
für
Thor einen neuen Tempel (gerði þar hof mikil ok
helgaði Þórr).
Wegen der Funktion und Bedeutung Thors für die Menschen stellten
diese
agrarischen Gemeinschaften sich durch die kultische Handlung unter
dessen Schutz, aus ihrem natürlichen Gefühl und Bewusstsein
der
religiösen Bindung heraus. Von einem dieser ersten Siedler namens
Thorolf Mostrarskegg, der ein großer Opferer (blótmaðr
mikill) und Verehrer von Thor war (trúði á
Þórr), wird in der Saga berichtet, nachdem er ein
Orakel befragt hat:[53]
„Viele seiner Freunde
entschlossen sich
mit ihm zur
Fahrt. Er brach den Tempel ab und nahm das meiste Holz, aus dem er
gebaut war, mit sich, und ebenso die Erde unter dem Altar, auf dem Thor
(als Idol) gesessen hatte. Danach stach Thorolf in See … Da warf
Thorolf seine Hochsitzpfeiler über Bord, die in dem Tempel
gestanden
hatten; in einen von ihnen war ein Bild Thors geschnitzt. Er bestimmte,
dass er sich dort auf Island ansiedeln wolle, wo Thor sie an Land
kommen ließe … Er nahm Land im Süden des Fjordes … Danach
suchten sie
das Land ab und fanden, dass Thor an einem weiter nach dem Meer zu
gelegenen Vorgebirge … mit den anderen Pfeilern an Land gekommen war.
Das hieß seitdem Thorness.“
– Eyrbyggja
saga, Kapitel 4[54]
Ungefähr ein Viertel der
Personennamen von den
Siedlern, die im Landnámabók aufgelistet werden, basieren
auf Thor. Nach Rudolf Simek weist dies neben den starken
Familientraditionen besonders auf die massive Thorverehrung im
Ursprungsland Norwegen hin. Jan de Vries führt aus, dass
von den 4000 Personennamen, die dem Landnámabók zu
entnehmen sind, 984 mit Thor
zusammengesetzt sind, und dass die Bedeutung sich besonders dadurch
verdeutlicht, dass im Gegensatz dazu lediglich vier Namen auf Freyr
basieren – und kein einziger Name auf Odin zurückzuführen
ist. [55]
„Thor ist ein Gott, zu
dem der
heidnische Germane in
all seinen Handlungen Zutrauen hat, dessen Hilfe er immer gewiss ist,
der treue Freund, der ihn durch das ganze Leben begleitet und unter
dessen Hammerzeichen er die letzte Ruhe findet.“
– Jan de
Vries, Altgermanische Religionsgeschichte, 3. Auflage Berlin 1970, Band
2, S. 152
Aus der Zeit der Christianisierung der
nordwestlichen
Regionen Skandinaviens treten deutliche Formen von Synkretismus
auf, in welchen die tradierte Anhänglichkeit an Thor besonders in
Not-
und Gefahrensituationen gegenüber dem formal bekannten
christlichen
Glauben in den Vordergrund gelangt. Einer der Siedler, Helgi, in der
Eyrbyggja
saga geschildert, war ein Christ vertraute jedoch bei Seefahrten
bewust auf Thor. Ein Textauszug aus der Oláfs saga
Tryggvasonar zeigt in der Schilderung einer Begegnung von
König Olaf Tryggvason
mit Thor und durch die Äußerungen des Gottes einen Nachhall
der alten
paganen Religion und gleichzeitig, wie sie – personifiziert durch Thor
– abgelegt wurde. Olaf Trygvason begegnet bei einer Segelfahrt an der
Küste auf einem Felsen stehend einem rotbärtigen stattlichen
Mann
(Thor), bittet diesen an Bord des Schiffes, um dessen alte Geschichten
erzählt zu bekommen:
„Hann svarar: „Þar
tek ek
þá til, herra! at land
þetta, er vér siglum nú fur, var byggt forðum
daga af risum nǫkkurrum,
en risar þeir fengu með atburð brádðan bana,
svá at þeir dó náliga
allir senn, svá at eigi varð meirr eptir en konur
tvær; síðan tóku menn
af austrlǫndum at byggja land þetta, en þær enar
miklu konur veittu því
fólki mikinn yfirgang ok úmaka, ok þrǫngðu
þeira manna ráðí, er landit
bygðu, alt þar til er landsmenn tóku þat
ráð at heita á þetta hit rauða
skegg til hjalpar sér, en ek greip þegar hamar minn, ok
sló ek þær
báðar til bana, ok hefir þetta landsfólk haldit
því at kalla á mik til
flutings, ef þeir hafa nǫkkurs viðþurft, alt hertil er
þú hefir,
konungr! mjǫk svá eytt ǫllum mínum vinum, sem hefnda
væri fyrir vert!“
– Ok í þessu leit hann aptr ímóti konungi,
ok glotti við, í því er hann
bikti sér út af borðinu, svá skjótt sem
kólfi skyti á sjáinn, ok sá
þeir hann aldri síðan.“
„Er erwiderte: „Damit
beginne ich, Herr,
dass dieses
Land, an dem wir nun entlangsegeln, in alten Zeiten von Riesen bewohnt
war. Aber die Riesen kamen einmal raschen Todes um, so dass sie fast
alle zugleich starben und niemand mehr übrig blieb als zwei
Weiber.
Danach siedelten sich Leute aus östlichen Landen hier an, aber die
großen Weiber fügten ihnen großen Verdruss und manche
Gewaltätigkeit zu
und bedrängten die Leute, die das Land besiedelt hatten, in ihrer
Lage
so lange, bis sie sich zuletzt entschlossen, diesen roten Bart
um Hilfe anzurufen. Sogleich ergriff ich meinen Hammer und schlug sie
beide tot, und das Volk dieses Landes blieb dabei, mich um Beistand
anzurufen, wenn es not tat, bis du, König, alle meine Freunde
vernichtet hast, was wohl der Rache wert wäre!“ – Dabei schaute er
auf
den König zurück und lächelte bitter, indem er sich so
schnell über
Bord stürzte, als wenn ein Pfeil ins Meer schösse, und
niemals sahen
sie ihn wieder.“
– Óláfs
saga Tryggvasonar c. 213[56]
Thor in der Nordischen
Mythologie, Zusammenfassung aus Lieder- und Prosa-Edda[Bearbeiten]
Die hoch- und spätmittelalterliche
skandinavische
Literatur zeichnet ein deutliches Bild von Thor. Die heute erhaltenen
Niederschriften sind größtenteils im 13. und 14. Jahrhundert
erstellt
worden. Die stoffliche Tradition reicht nur teilweise gesichert in die
Zeit vor der Christianisierungschwankhaften Gedichten der Lieder-Edda
sogar als Witzfigur. In der Zusammenfassung wird Thor in den einzelnen
Szenen und Motiven folgend geschildert und beschrieben:
zurück. Die
Motive wurden also stark literarisch überformt und zeigen Thor in
den z. T.
Thor ist nach Odin der
oberste und gefürchtetste der Götter. Er ist der Sohn von
Odin und Jörd
(der Erde), seine Ehefrau war die schöne goldhaarige Sif, mit der
er eine Tochter, Thrud (Kraft), hatte. Mit der Jotenjungfrau Jarnsaxa,
einer Riesin, die von
solcher Schönheit war, dass Thor, obwohl ein geschworener Feind
der Joten (Riesen), diese unbedingt nehmen wollte,
hatte er zwei Söhne, Magni und Modi, sein Lieblingssohn war
Magni, der unter allen an Mut und Stärke ihm am ähnlichsten
war. Thors Reich, sein Habitat, heißt Thrudvangr, und der
Palast darin, Bilskirnir, ist mit 540 Sälen der
größte, der je in Asgard erbaut worden ist.
Das Harbadslied
(Hárbarðslióð):
„Meinen Namen sollst du erfahren,
wenn ich auch friedlos bin,
und meine Abkunft auch:
ich bin Odins Sohn,
Meilis Bruder
und Magnis Vater,
der Rater Kraftherrscher …“
|
Das Alwislied (Alvíssmál):
Wingthor heiß ich –
ich bin weit gezogen –
und bin Sidgranis Sohn.[A 15]
|
Furchtbar fährt Thor daher,
rollend, donnernd,
über den Wolken auf seinem Wagen gezogen durch die
Ziegenböcke Tanngnjostr und Tanngrisnir;
doch noch schrecklicher ist er, wenn er seinen Kraftgürtel
Megingjarder umschnallt, der ihm doppelte
Kraft verleiht, und wenn er mit seinen Eisenhandschuhen den Hammer
Mjölnir
fasst und zermalmend unter seine und der Götter Feinde tritt.
Hervorstechend ist hier seine Fehde mit den Riesen.
Das Thrymlied (Þrymskviða):
Da sagte Thrym,
der Thursen König:
„Bringt den Hammer,
die Braut zu weihen!
Leget Mjöllnir
der Maid in den Schoß!
Mit der Hand der War
weiht uns zusammen!“
Das Herz im Leib
lachte da Thor,
als der hartgemute
den Hammer sah:
erst traf er Thrym,
der Thursen König;
der Riesen Geschlecht
erschlug er ganz.
|
Einst stahl Thrym Thor seinen Hammer,
als dieser
schlief. Als Thor
aufwachte, geriet er in hilflose Wut, da er sich seiner wichtigsten
Waffe beraubt sah. Loki flog, mit Freyas
Federkleid ausgestattet, durch die Gegend, erspähte Thors Hammer
in
Riesenheim und stellte Thrym zur Rede. Thrym wollte ihn nur unter der
Bedingung zurückgeben, dass er die Göttin Freya zur Frau
bekommt. Freya
geriet allerdings in große Wut, als Loki ihr dies erzählte.
Daraufhin
schlug Loki vor, Thor selbst als Freya zu verkleiden und ihn als Braut
zu schmücken, um ihn Thrym als Freya zu präsentieren. Thor
hatte zwar
Bedenken, dass man ihn auslachen könnte, sah sich allerdings
genötigt,
auf diesen Plan einzugehen. Beide reisten in Verkleidung als Braut und
Brautbegleiterin zu Thrym. Thor fiel durch das Donnern, das seine Reise
begleitete, seinen stechenden Blick, als Thrym ihm den Brautkuss geben
wollte, und seine unglaubliche Gefräßigkeit beim Brautfest
auf, Loki
wusste allerdings Thrym immer wieder zu beruhigen. Zur Vollendung der
Festlichkeiten ließ der Riesenfürst seiner Braut
schließlich Thors
Hammer Mjölnir in den Schoß legen. Woraufhin der Donnergott
seinen
Hammer fasste und alle anwesenden Riesen, darunter auch Thrym, erschlug.
Eine oft zitierte und kommentierte
Passage ist die des
sich in
Begleitung Lokis auf Reisen befindenden Gottes, die Verspeisung der den
Wagen Thors als Gespann ziehenden Ziegenböcke und deren
körperliche
Wiederherstellung durch ihn.
Beide suchten bei einem Bauern
Unterkunft, dieser hatte
jedoch
nichts, um seine göttlichen Gäste zu verköstigen. Thor
befahl, die
Böcke zu schlachten und sie zu kochen, aber die Felle und die
Knochen
sollten aufbewahrt werden. Thialfi, der Sohn des Gastgebers,
spaltete unbemerkt einen Knochen, um ans Mark zu gelangen. Am
nächsten
Morgen gebot Thor mit Zauber und dem Hammer kreisend über die
Felle
samt Knochen, und die Tiere erhoben sich unversehrt, bis auf einen, der
lahmte an einem Hinterlauf. Thor erfasste, was geschehen war, und
wollte alle zerschmettern, ließ sich jedoch besänftigen und
nahm als
Pfand und Ausgleich Thialfi und dessen Schwester Röska als
Diener und Begleiter an.
Im Anschluss daran gelangt Thor, nunmehr
mit
begleitender Gruppe, zur Burg des Königs Utgartloki
(Außenwelt-Loki Herr über Dämonen), der ihn durch
gezieltes Demütigen
bzw. das Infragestellen seiner göttlichen Macht und Kräfte
herausfordert. Thor erhält drei Aufgaben von dem König.
Zuerst fragt
der König Thor, was er denn zu leisten vermöge, worauf Thor
entgegnet,
dass er es wie keiner sonst verstehe, das Trinkhorn leer zu saufen.
Aber Thor versagt, selbst bei dreimaligem Ansetzen gelingt es ihm
nicht, das gereichte Horn zu leeren. Es kommt aber noch schlimmer
für
ihn. Denn Utgartloki geht weiter, er fordert Thor auf, seine
Götterkraft unter Beweis zu stellen, und zwar, indem er diese
Kraft
offen anzweifelt. Der Gegner ist eine Gegnerin, es stellt sich die alte
Frau Elli zum Ringkampf, und der Gott versucht sie mit allen
Kräften
ins Wanken zu bringen, vermag es aber nicht. Nun bemüht seine
Gegnerin
ihre Kräfte, und bald muss Thor geschlagen in die Knie gehen. Die
dritte Aufgabe ist das Hochheben einer Katze; auch dies misslingt dem
Gott.
Beschämt und gedemütigt ziehen
sie weiter;
kaum haben sie die Burg
verlassen, klärt der König sie auf, dass alles auf Grund
eines Zaubers
so geschehen sei. Utgardloki erklärt, das Trinkhorn, aus dem Thor
trank, habe Verbindung zum Meer gehabt, und die alte Frau sei das Alter
selbst gewesen, das niemand besiegen könne. Die Katze wiederum sei
die
verzauberte Midgardschlange gewesen. Er habe Übernatürliches
in den
einzelnen Situationen geleistet. Thor, wütend, sich so
getäuscht zu
wissen, greift nach seinem Hammer, und in diesem Augenblick befinden
sie sich alle auf einer weiten Ebene.
Das Hymirlied (Hymiskviða):
Auf die Angel spießte
das Ochsenhaupt,
der die Menschen schirmt,
der Schlange Feind;
vom Grunde griff
gierig den Köder,
den die Asen hassen,
der Erdgürter.
Zur Reling riss
rüstig der Wurm,
den giftglänzenden,
der Gatte Sifs;
mit dem Hammer hieb
auf des Haares Berg
Walvaters Sohn
dem Wolfsbruder.
|
Um diese Scharte auszuwetzen, machte
sich Thor bald
darauf in Begleitung des Riesen Hymir auf
den Weg zur Midgardschlange
im Meer. Sie fuhren so weit hinaus, dass dem Riesen angst und bange
wurde. Thor bestückte den Haken einer Angelschnur mit einem
Ochsenkopf
als Köder. Die Schlange biss an, fühlte ihre Verletzung und
schlug so
hart an, dass Thor, die Schnur in den Händen haltend, auf die
Reling
des Bootes schlug und seine Götterkraft sich derart
verstärkte, dass
seine Beine den Bootsrumpf durchstießen und er auf dem
Meeresgrund
stand, wo er sich weiter gegen den Zug der Schlange stemmte. Thor zog
die Schlange in die Höhe und schaute sie mit glühenden Augen
an, diese
versuchte ihn mit ihrem Gift zu besprühen, Thor ergriff seinen
Hammer,
um die Schlange zu erschlagen, doch der vom Anblick des Geschehens vor
Angst erschütterte Hymir durchtrennte die Schnur mit einem
Schnitt. Der
Gott stürzte vor Zorn den Riesen mit dem Kopf zuerst ins Meer, so
dass
dessen Beine sich nach oben streckten, dann watete Thor zurück ans
trockene Land. In abweichender Version gelangen beide an Land, nachdem
Thor dem Hymir eine Ohrfeige gegeben hatte.
In der Ragnarök findet Thor wie alle
anderen Asen
sein Ende, bezeichnenderweise durch eben jene Midgardschlange. Es kommt
erneut zum Kampf zwischen den beiden, die Schlange greift Thor an und
verpestet durch ihre Ausdünstungen das Meer und die Luft. Thor
erschlägt sie mit seinem Hammer, wankt aber neun Schritte
zurück, um in
den Giftströmen, die das Untier ausspeit, letztlich zu ertrinken.
|
Tyr (Ziu)
|
Tyr ist der gemeingermanische Gott
*Teiwaz, Tiwaz aus den altisländischen Schriften der Edda. Die
altnordische Namensform ist die allgemein bekannteste und
gebräuchlichste. Ähnlich lautende Formen sind im
Altenglischen Tiw, Tig und althochdeutsch Ziu, Tiu, Tiuz.
Etymologie
*Teiwaz, Tiwaz, indogermanisch *deiwos,
bedeutet „Gott“ oder „göttlich“ und entspricht lateinisch divus.
Im Altnordischen (Völuspá) bedeutet tivar eine Pluralform
von „Gott“ und ist eine relikthafte Erhaltungsform von teiwaz.
Der Name und die Figur sind urverwandt mit dem indogermanischen „Vater-
und Himmelsgott“. Die germanische Form findet ihre Entsprechung in dem
griechischen „Zeus“ Ζεύς πατήρ (Zeus patér), dem römischen
Jupiter (von Diēspiter, Gott-Vater), dem vedisch-altindischen
Dyaúh pitá und dem illyrischen Δει-πάτυρος
(Dei-pátyros).
Doch kann man alle diese Formen auf das Wort dyaus
zurückführen, das als „Erscheinung“ oder „Strahlung“
aufgefasst werden kann. Dieses Wort wiederum führt zu „deva“,
„deus“
und „Gott“.
Herkunft, Indogermanische Parallelen
Tiwaz war bei den Indogermanen und, bis
hin zur Völkerwanderungszeit, in Mitteleuropa der
ursprüngliche Hauptgott. Der französische
Religionswissenschaftler Dumezil hat u. a. auch auf die
Strukturparallelen zur Figur des Scaevola in der altrömischen
Heldensage hingewiesen. Eine Ähnlichkeit besteht auch zu dem
irischen Nuada
mit der „Silberhand“. Die archaische germanische Gesellschaft sah und
verstand sich selbst in ihrem Aufbau als göttlichen Ursprungs.
Kennzeichnend für das indogermanische Göttersystem ist die
zweigeteilte
Spitze, zu den indischen Gottesfiguren Mitra – Varuna finden sich die
germanischen Entsprechungen Tiwaz/Tyr – Wodan/Odin [5].
Wandlung vom Himmels- zum Kriegsgott,
Verdrängung durch Odin
Tiwaz wurde durch eine
Schwerpunktverlagerung des religiösen Kultes hin zu Wodan, bedingt
durch eine eventuelle Verbreitung des Wodankultes,
ausgehend vom niederrheinischen Nordwestdeutschland, von diesem als
Hauptgott verdrängt. Dieser Umstand ist aber bis heute eine offene
Streitfrage in der Forschung.[6] Der langwierige Kriegszustand einiger
germanischer Völker, besonders derjenigen, die an den Grenzen des
römischen Reichs lebten, war zum Teil für die Verengung
seines Wesens verantwortlich, zumal Wodan sein ganzes
„Tätigkeitsgebiet“ übernahm.[7]Sachsen und Franken trug dazu,
bis in den skandinavischen Norden wirkend[8] im Verlauf der
nachrömischen Entwicklungen bei. Auch die innergermanischen
Veränderungen, beispielsweise hinsichtlich der Vereinigung und
Bildung von Großstämmen wie den
Wie einleitend gesagt, ist Tiwaz/Tyr
Souverän des Rechts. Mit Odin
tritt eine dynamische, ekstatische Figur hervor, die mit höchster
Schaffenskraft versehen ist und u.a. magisch, durch Verblendung der
Gegner wirkt und gegenüber Tiwaz/Tyr im kriegerischen Kampf
Vorteile
liefert. Demgegenüber bleibt Tiwaz/Tyr relativ statisch der Wahrer
des
Rechts und Schützer der Thingversammlung.
Tacitus erwähnte in seinen Annalen,
dass bei den Germanen Tiwaz Hauptgott war „praecipus deorum Mars“,[9]
noch im 6. Jahrhundert wurde in Norwegen dem Tiuz vor allen anderen
Göttern geopfert (Menschen- und Tieropfer), und er wurde als
höchster Gott verehrt.[10]
Die strukturelle Nähe und die Verbindungen der beiden
Gottesfiguren
zueinander und die dynamischen sozialen Umbrüche innerhalb der
germanischen Gesellschaften führten dann im 9. und 10. Jahrhundert
zu
einem Umbau des nordgermanischen Pantheons, was sich in den
hochmittelalterlichen schriftlichen Sammlungen der Edda widerspiegelt,
in denen das ursprüngliche Bild des Tiwaz nur noch bedingt, aber
dennoch erkennbar ist.[11]
Nebenformen des Gottesnamen
Mars Thingsus
Der Name ist als Mars Thincsus auf einem
Steinaltar belegt, der in „Tempel 2“ in Housesteads im nordenglischen
County Northumberland an der schottischen Grenze gefunden wurde.
Mehrere Altäre wurden dort im 3. Jahrhundert n. Chr. von
friesischen Legionären errichtet, die als römische
Hilfstruppen in Britannien am Hadrianswall stationiert waren.
- Die Inschriften der Gedenksteine:
„DEO MARTI ET DVABVS ALAISIAGIS ET N AVG
GER CIVES TVIHANTI CVNEI FRISIORVM VER SER ALEXANDRIANI VOTVM SOLVERVNT
LIBENTES M“
„DEO MARTI THINCSO ET DVABVS ALAISAGIS BEDE ET FIMMILENE ET N AVG GERM
CIVES TVIHANTI VSLM“
Die Namensform ist auf das
gemeingermanische Wort „Thing“ (Volks-, Gerichtsversammlung)
zurückzuführen und der Gott demnach als „Schutzherr des
Things“ gekennzeichnet. Die römische Gleichsetzung mit dem
römischen Gott Mars zeigt, dass es sich um einen Beinamen des
Tiwaz
handelt.
Saxnot
Das sächsische Taufgelöbnis,
das in einer Fuldaer Handschrift des endenden 8. Jahrhunderts
(772)
überliefert ist, zählt die Namen der wohl wichtigsten von den
Sachsen verehrten Götter auf.
„[…] end ec forsacho […]
„Thunaer“ ende „Uuoden“ ende „Saxnote“ ende allum them unholdum“
„[…] und ich entsage […]
[dem] „Donar“ und „Woden“ und „Saxnot“ und allen Unholden.“
Donar und Wodan sind gemeingermanische
Götter; hier erscheint wahrscheinlich Tiwaz → Tiuz als Saxnot und
ist mit dieser Benennung so nur in der sächsischen
Vorstellungswelt anzutreffen. Abweichend wurde Saxnot auch mit der
„dritten nährenden Fruchtbarkeitsfunktion“ in Zusammenhang
gebracht.[12]
Sieht man Wodan und Donar als erhabene Götter des Himmels an, gilt
das
für Tiuz noch viel mehr, dessen Name unmittelbar den Begriff des
Himmels ausdrückt (siehe oben), während Wodan die Luft, Donar
das
Gewitter bezeichnen. Und wie Wodan Siege lenkt, stellt sich Tiuz als
eigentlicher Kriegsgott, wie von Donar der Hammer, von Wodan der Speer
geworfen wird, als ein Schwertgott dar. Saxnot ist jedenfalls einer der
drei germanischen Hauptgötter, also Tiuz, weil er den zwei anderen
gleichgestellt wird. In der angelsächsischen bzw. in der
ostsächsischen GenealogieSaxneat als Wodens Sohn bezeichnet. Die
Festland-Sachsen und die Sachsen
auf der britischen Insel, die den Wodanskult übernahmen, ordneten
Tiuz
dem Wodan unter, wie auch Tyr im Norden als Sohn Odins genannt wird
oder Ares Zeus’ Sohn.[13] Saxnot ist wörtlich lateinisch „Gladii
consors“ (Schwertgenosse, Schwertträger), „Sax“ ist das
Kurzschwert, das Messer.[14] Der Volksname Saxon erscheint wie eine
Kurzform zum vollen Saxnot.
Die Stammesangehörigen nannten sich „Schwertgenossen“, wie im
angelsächsischen „Sweordweras“; indem sie den Schwertgott Tiuz in
ihrer
Gemeinschaft voranstellten, machten sie den Gott ebenfalls
identitätsstiftend zum Schwertgenossen (zum Vergleich mhd.
wal-genôz → „Kampfgenosse“[15]).
Die Gottheit nahm hier den Namen von ihrem Volk und nicht umgekehrt.
„Saxnot“ ist somit der Beiname des Tiuz unter den Sachsen. Dass er
ursprünglich Saxnot hieß, wäre im Vergleich zu den
laufenden
Entwicklungen unter den germanischen Stämmen der Wanderungszeit
nicht schlüssig, dass aber das Volk in Waffen sich so nannte,
versteht sich leicht.[16] wird
Ziu
Der Gott wird als Ziu in den
althochdeutschen Quellen sonst nicht ausdrücklich erwähnt,
eine Glosse zum sogenannten Wessobrunner Gebet nennt aber für die
Alemannen Cyowari (wohl: Verehrer des Cyo), ihre Hauptstadt sei
Ciesburc
(Augsburg).[17]
Augsburg (Augusta Vindelicorum) war
Hauptstadt der römischen Provinz Raetien,
hatte in der Geschichte des schwäbischen Stammesgebiets schon
früh eine
bedeutende Position und zeitweise den Rang der schwäbischen
Hauptstadt
inne.
Besonders stark war die kultische
Verehrung von Ziu bei den Sueben, die später auch in den Alemannen
aufgingen.
Tyr in der isländisch-nordischen
Mythologie
Tyr ist an Macht im Norden stark
beschränkt und verblasst, dennoch treten alle wesentlichen
Eigenschaften des Tiwaz zutage. Nach den eddischen Schriften der
Lieder-Edda wird der Riese Hymir als Vater Tyrs genannt,[18] aber
abweichend davon wird in der Prosa-Edda Odin als solcher genannt (Frigg
als Mutter). Er galt als der Beschützer des Things, der
Stammesversammlung. Sein Symbol ist das Schwert, mit dem er sich selbst
ins Schlachtengetümmel stürzt. Um den Fenriswolf
durch eine magische Fessel binden zu können, sieht sich Tyr
genötigt,
dem gefährlichen Wolf die eigene Hand als Pfand ins Maul zu halten
(vgl. Fenriswolf).[19]
Als der Wolf jedoch merkt, dass die Götter ihn gefesselt halten
wollen,
beißt er Tyr die Hand ab, und dieser muss fortan mit der linken
Hand
kämpfen. Im Ragnarök tötet Tyr Garm, den
Höllenhund,
wobei er aber selbst zu Tode kommt.[20]
Der Wochentag Dienstag
Im westgermanischem Bereich hat neben Tiwaz
offensichtlich auch noch die Nebenform Mars Thingsus Einfluss auf die
deutsche Benennung des Wochentagsnamen Dienstag (zu älterem
dingesdach). Die althochdeutsche Übersetzung des römischen
Wochentagnamens dies Marti (Tag des Mars) lautete Ziostag (alemannisch
Ziestag[21], heutiges Schweizerdeutsch Ziischtig, schwäb.
Zeischdig)
und bestätigt damit auch für den Kontinent die für die
Skandinavier und Angelsachsen belegte Gleichsetzung des römischen
Kriegsgottes Mars mit dem germanischen Tiwaz (vgl. auch engl. „Tuesday“
(Tiu) und franz. „Mardi“, Mars).
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Walküren
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Eine Walküre (Aussprache
[valˈkyːrə],
auch [ˈvalkyːrə]), auch Schlacht- oder Schildjungfer, ist in der
nordischen Mythologie ein weibliches Geisterwesen aus dem Gefolge des
(auch so genannten) Göttervaters Wotan bzw. Odin. Die
Walküren stehen durch die Möglichkeit der
Schicksalsfügung in Beziehung zu den Nornen, Fylgien und den
Disen.
Sie erwählen aus den auf dem Schlachtfeld Verstorbenen die
EinherjerWalhall eingehen sollen.
("ehrenvoll Gefallene") aus, auf dass sie in
Der Name Walküre ist eine moderne
Entlehnung aus dem Altnordischen. Das altnordische Wort lautet
valkyrja,
Mehrzahl valkyrjar. Es stammt von den altnordischen Wörtern valr
("die auf dem Schlachtfeld liegenden Leichen") und kjósa
("wählen") ab. Das altnordische kjósa ist verwandt mit dem
deutschen küren. Der altenglische Begriff lautet
wælcyrge.
Ihr Erscheinen galt in Nord- und
Mitteleuropa noch jahrhundertelang als todkündend. Als
"Geistwesen"
bedeuteten sie dem Krieger früherer Zeiten ihre Eigenschaft als
"Todesengel", der den Menschen in die Welt seiner Ahnen geleitete.
Namen und Anzahl der Walküren
Im Helgakviða
Hjörvarðssonar
wird die Zahl der Walküren mit neun angegeben, im
Darraðarljóð mit zwölf. Tatsächlich
dürfte die Anzahl unbegrenzt gewesen sein.
Im Grímnismál (Strophe 36)
werden dreizehn Namen genannt von Walküren, die in Valhöll
(Walhall)
Bier ausschenken: Hrist, Mist, Skeggjöld, Skögull, Hildr,
Þrúðr, Hlökk,
Herfjötur, Göll, Geirölul (Geirrömul,
Geirahöd), Randgríðr, Radgríðr
und Reginleifr. Das Darraðarljóð nennt außerdem:
Hjörþrimul, Sanngríðr, Svipull, Guðr und
Göndull. Die Þulur (Thulur)
nennen zusätzlich: Herja, Geiravör, Skuld, Geirröndul,
Randgnid,
Geirskögul, Hrund, Geirdriful, Tanngníðr, Sveid,
Þögn, Hjalmþrimull,
Þrima und Skalmöld. Nur in den Heldenliedern kommen die
Namen Sigrún,
Kára, Sváfa und Brynhildr vor.
Die meisten Walkürennamen sind
sprechende Namen,
die auf die kriegerische Funktion der Trägerin hinweisen. Kaum
einer
dürfte besonders alt sein, und die meisten entstammen eher der
Kreativität der Dichter als dem Volksglauben.
Herkunft der Walküren
Die Walküren waren
ursprünglich wahrscheinlich Totendämonen, denen
die Krieger zufielen, die auf dem Schlachtfeld gefallen waren.
Allmählich änderte sich die Vorstellung von Valhöll
(Walhall): Anfangs
war Valhöll das mit Leichen übersäte Schlachtfeld, von
dem die
Totendämonen (Walküren) die Gefallenen zu einem Totengott
führen.
Später malte man sich Valhöll als Óðinns
Festhalle aus. Parallel dazu veränderten sich auch die
Walküren von
Totendämonen zu irdischen Kriegerinnen mit menschlichen
Zügen, die sich
auch in Krieger verlieben können, wie z.B. die Walküre
Sigrdrífa in den
Sigrdrífumál oder Sváfa im Helgakviða
Hjörvarðssonar.
Mythologische Bezüge
Die Wikinger sahen in Polarlichtern
ein Zeichen für die Anwesenheit von Walküren auf der Erde,
und dass
irgendwo auf der Welt eine große Schlacht geschlagen worden war:
wenn
die Frauen über die Schlachtfelder ritten und die Einheriar
auswählten, spiegelte sich das Licht des Mondes in ihren goldenen
Rüstungen und zauberte das "Nordlicht" an den Himmel.
Frühmittelalterliche Darstellung
Das Runenkästchen von Auzon (Franks
Casket, 7.Jh.) stellt mit seiner Bilderfolge
das Auftreten der Fylgja oder Walküre anschaulich dar: Auf dem
Magierbild (Geburt) tritt sie als Wasservogel (Schwan?) an die Stelle
des Engels. Im Wielandbild daneben erscheint sie – hier das
Schwanenmädchen als Gefährtin und Helferin – verborgen
zwischen zwei
floralen Symbolen (Runen?), welche die Walküre kennzeichnen.
Daß dieses
Zeichen dem Abdruck eines Vogelfußes gleicht, wird kaum ein
Zufall
sein. Auf dem Bild von Romulus und Remus scheinen mit den zwei
Wölfen deren Fylgien dargestellt zu sein. Auf der Rückseite,
dem
Titusbild, finden sich unter einer Arkade drei Tierpaare (vermutlich
Pferd, Wolf und Rabe), während das Kennzeichen der Walküre
über dem
Bogen der Arkade angebracht ist. Diese Tiere stehen in Verbindung mit
Wotan/Odin und der Walstatt. Die Darstellung auf der rechten Seite
zeigt einen Krieger, der seiner Walküre begegnet und dann im Grab
von
ihr aufgesucht wird. Wie bei entsprechenden Darstellungen auf
gotländischen Bildsteinen kennzeichnen zwei valknutr oder
Odinsknoten das Pferd am Grab, vermutlich Wotan/Odins Sleipnir.
Das Deckelbild schließlich zeigt einen Bogenschützen
Ægil (vielleicht
der Wielanbruder und ebenfalls mit einem Schwanenmädchen liiert),
hinter ihm, unter einem Bogen, eine Kampfhelferin, die ihm Pfeile
zureicht. Hierbei wird es sich um die Verteidigung Walhalls (was auch
hier die valknutr nahe legen) gegen die Reifriesen
handeln – das Bildprogramm versucht nach dieser Deutung über die
Fylgien bzw. Walküren den Lebenslauf eines hochgestellten Menschen
von
seiner Geburt bis hin zum Leben in Wotan/Odins Halle zu lenken.
Deutsche Romantik
Den Sagenstoff verarbeitete im 19.
Jahrhundert der deutsche Komponist Richard Wagner in seinem
vierteiligen Zyklus Der Ring des Nibelungen, vor allem im "Ersten Tag"
dieser Tetralogie unter dem Titel Die Walküre. Bei Wagner sind die
Walküren neun Schwestern, alles Töchter des Gottes Wotan mit
verschiedenen Frauen. Neben Brünnhilde, dem Kind von Wotan und
Erda,
treten hier acht weitere Walküren auf, deren Namen Wagner frei
erfand.
Sie heißen Waltraute, Ortlinde, Rossweiße, Schwertleite,
Gerhilde,
Siegrune, Grimgerde und Helmwige.
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Wanen
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Die Wanen (abgeleitet vom altnordischen
Vanir – „die Glänzenden“, auch Vanen geschrieben) bilden neben den
jüngeren Asen das ältere der beiden Göttergeschlechter
in der nordischen Mythologie. Sie wohnen in Wanaheim.
Den Wanen, als Göttern des
Herdfeuers, des Ackerbaus etc. werden Eigenschaften wie Fruchtbarkeit,
Erdverbundenheit und Wohlstand zugeschrieben.
Nach einem mythologischen Kampf (dem
Wanenkrieg) gegen die Asen überlassen die Wanen den Asen als
Zeichen des Friedens und zu dessen Sicherung den Meeresgott
Njörðr (Njörd) und dessen Kinder, die Zwillinge Freyja
und Freyr als Geiseln. Im Gegenzug erhalten die Wanen den Asen Hoenir
sowie den weisen Riesen Mimir.
Die dreiteilige Götterwelt der
Germanen: Riesen, Wanen und Asen
Die Götterwelt der frühen
Skandinavier begründet sich auf drei Geschlechter, die alle aus
dem Urchaos und einem Urrind hervorgingen.
Riesen und Ungeheuer
Das älteste Geschlecht ist das der
Riesen und Ungeheuer, zu denen praktisch alle bösen Wesen
gehören, die auch für NaturkatastrophenRagnarök
erfüllte sich das Schicksal der Götter zuletzt aber doch.
verantwortlich gemacht werden. Dieses Geschlecht hat die Macht, die
Welt zu vernichten. Damit dies nicht passiert, werden die Wanen
geschaffen. Die Wanen leben ewig, sie sind weise, mutig und gerecht.
Tyr ist ihr Schwertführer. Sie halten alles im Gleichgewicht. Aber
sie
sind keine Kämpfer und unfähig, sich der Riesen und Ungeheuer
zu
erwehren. Also wird mit den Asen ein kräftiges Kriegergeschlecht
geschaffen, dem begrenzte Macht gegeben wird. Bald übernehmen
diese die
Macht und schließen einen Bund mit den Wanen, die sie brauchen,
um ihr
Leben zu verlängern. Im
Wanen
Das zweitälteste Geschlecht sind
die Wanen, die als äußerst
geschickt, erdgebunden (bäurische Fruchtbarkeitsgottheiten) und
weise
verehrt wurden und ewig leben konnten, es sei denn, sie wurden
erschlagen. Hauptgott der Wanen ist Tyr.
Die Erde selbst ist seine Mutter. Sein Name heißt übersetzt
„der
Göttliche“. Er ist der Erste unter den Wanen, neben ihm Nerthus
und
Njord. Die Verantwortung der Wanen liegt im Bereich der Flora und
Fauna. Ihre Verehrung fand daher oft in heiligen Hainen statt. In
späteren Sagen wird Tyr mit Asen vermengt und sogar
irrtümlicherweise
zu einem Asen gemacht.
Snorri bezeichnet Njörð, Frey
und Freyja, die nach dem Wanenkrieg
als Geiseln bei den Asen wohnen, in der Ynglingasaga als Wanen.
„Fengu Vanir sína
hina ágæstu menn, Njörð hinn auðga
og son hans Frey. … Dóttir Njarðar var Freyja. Hún
var blótgyðja. Hún
kenndi fyrst með Ásum seið sem Vönum var
títt. Þá er Njörður var með
Vönum þá hafði hann átta systur
sína því að það voru þar
lög. Voru
þeirra börn Freyr og Freyja. En það var bannað
með Ásum að byggja svo
náið að frændsemi.“
„Die
Vanen gaben ihre
vornehmsten Männer heraus, Njörd den Reichen und seinen Sohn
Frey. …
Die Tochter des Njörd war Freyja. Sie war Tempelpriesterin. Sie
lehrte
zuerst die Asen den Zauber, wie er bei den Wanen üblich war.
Solange
Njörd bei den Vanen war, hatte er seine Schwester zur Frau gehabt,
denn
dort war dies so rechtens, und ihre Kinder hießen Freyr und
Freyja.
Aber unter den Asen war es verboten, in so nahe Verwandtschaft zu
heiraten.“
–
Yngninga saga Kap. 4.
In Gylfaginning, sagt er, sie seien Asen.
„Inn þriði
áss er sá, er kallaðr er Njörðr. … Hann var
upp fæddr í Vanaheimi … Njörðr í
Nóatúnum gat síðan tvau börn. Hét
annat Freyr, en dóttir Freyja. Þau váru fögr
álitum ok máttug. Freyr er
inn ágætasti af ásum. Hann ræðr fyrir
regni ok skini sólar ok þar með
ávexti jarðar, ok á hann er gott at heita til
árs ok friðar. Hann ræðr
ok fésælu manna. En Freyja er ágætust af
ásynjum.“
„Der
dritte Ase ist Niördr
genannt. … Er war in Wanaheim erzogen. … Niörd in Noatun zeugte
seitdem
zwei Kinder. Der Sohn hieß Freyr und die Tochter Freyja. Sie
waren
schön von Antlitz und mächtig. Freyr ist der trefflichste
unter den
Asen. Er herrscht über den Regen und Sonnenschein und das Wachstum
der
Erde, und ihn soll man anrufen um Fruchtbarkeit und Frieden. Freyja ist
die herrlichste der Asinnen.“
–
Gylfaginning Kap 23, 24.
Auch in der Skaldskapamál
zählt er in Kap. 1 Njörð und Freyr unter
den Asen auf. Die übrigen Wanen kommen nur als Kollektiv vor. Nach
dem
Friedensschluss am Ende des Wanenkrieges hört man von den Wanen
nichts
mehr.
Der Wanenkrieg und seine Auswirkungen
Der Sage nach reizten
Wanengöttinnen durch verbotene und feige Hexenkünste die
kriegerischen Asen, wodurch es zum Wanenkrieg
kam. Die Asen gingen als Sieger hervor, trotzdem hatten die Wanen auch
weiterhin eine geachtete Stellung inne, und Wanen und Asen mischten
sich durch Einheiratung. Beide Geschlechter lebten versöhnt und
nebeneinander.
Deutung
Eine Theorie besagt, dass der Wanenkrieg
die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Stammvölkern der
Germanen, den Indogermanen und den Trägern der sog.
Megalithkultur,
schildert. Diese Ansicht geht auf Publikationen von Gustav Schwantes
aus den 1930er Jahren zurück. Ein anderer Ansatz ist, dass der
Krieg
eine frühe geistesgeschichtliche Auseinandersetzung zwischen zwei
Kulturidealen war: auf der einen Seite die alte
bäuerlich-handfeste
Göttervorstellung, auf der anderen Seite eine kultiviertere,
transzendente Auffassung von den Göttern. In der Muttergöttin
FreyjaFrigga (einer Asin) überschneiden sich die Vorstellungen
anschaulich. (einer Wanin) und
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Wodan
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der Name eines kontinentalgermanischen
Gottes, meist gleichgesetzt mit Odin der nordischen Mythologie |
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und es öffnet sich:
http://www.asatruart.de/Seiten/asatru-Goetter.htm
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