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Asen

Unter Asen versteht man

  • das jüngere Göttergeschlecht in der nordischen Mythologie

Die Asen (altnord. Æsir „die Pfähle“, Sg. Áss, urgerm. *ansuz) sind das jüngere Göttergeschlecht in der nordischen Mythologie. Das ältere Geschlecht wird Wanen (altnord. Vanir, Sg. Vanr) genannt.

Nach der Jüngeren Edda wohnen zwölf Asen in Asgard (Sitz der Götter). Sie herrschen über die Welt und die Menschen, allerdings beschränkt durch das Schicksal, das nur die Nornen im vollen Umfang kennen. Ihnen werden Eigenschaften wie Stärke, Macht und Kraft zugeschrieben. Sie sind weitgehend vermenschlicht, haben also einen irdischen Alltag. Wie die Menschen sind sie sterblich. Nur durch die Äpfel der Idun halten sie sich jung, bis fast alle von ihnen zur Ragnarök getötet werden.

Das Geschlecht der Asen besteht aus kriegerischen Gottheiten, während es sich bei den Wanen eher um Fruchtbarkeitsgötter handelt.

Nach einer Theorie stellen die Wanen eine Erinnerung an die Götter der vor-indoeuropäischen Urbevölkerung dar, deren Kultur von den eindringenden Indogermanen in einer Art Synkretismus verändert wurde. Demnach entsprechen die Asen den Göttern der Indogermanen. Der Wanenkrieg, in dem die beiden Göttergeschlechter gegeneinander kämpfen und der mit einem Friedensschluss und dem Austausch von Geiseln endet (wodurch die uns bekannten Wanen zu den Asen gelangen), repräsentiert die Auseinandersetzung dieser Volksgruppen.

Da von den beiden altnordischen Götterfamilien nur die Asen auch im Süden belegt sind, ist die Zuordnung zu den Familien bei einigen Gottheiten nicht gesichert. Die Götternamen Tyr, Odin, Thor und Freyja sind deutlich in der englischen Version der Wochentagsnamen erkennbar.

Stammbaum:
AsatruArt Uebersicht der germanischen Goetter - Stammbaum


Balder

Balder (altnord. baldr: „Herr“; Baldur, Baldr, Phol) ist in der germanischen Mythologie der Gott des Lichtes, der Güte, der Reinheit, der Schönheit. Er findet seine ungefähre Entsprechung in der griechischen Mythologie bei Apollon.

Balders Merkmale sind Toleranz, Friedfertigkeit und Liebe; weiter findet er Bedeutung für die eheliche Treue. Pflanzen, die ihm gewidmet sind, sind Kamille, Gänseblümchen und Margeriten (Pflanzen solcher Art heißen auf isländisch noch heute baldrsbrá, also „Baldurs Wimpern“).

Er ist Sohn des Odin und der Frigg, somit Bruder von Hödur und Hermodr. Mit seiner Gattin Nanna hat er den Sohn Forseti.

Mythos

Balder lebt in Breidablik in Asgard und besitzt das Schiff Ringhorn. Er hat eines Tages einen Traum von seinem eigenen Tod, worauf seine Mutter Frigg zu jedem Tier und zu jeder Pflanze geht und sie auffordert, einen Eid abzulegen, dass sie Balder nicht verletzen werden. Nur der junge Mistelzweig scheint Frigg zu unbedeutend zu sein, als dass sie von ihm einen Eid abnehmen sollte. Es kommt zu einem Spiel der Asen, bei welchem sie den nunmehr unverwundbaren Balder mit Speeren, Steinen und anderen Waffen beschießen, ohne dass Balder etwas geschieht. Loki nutzt es aus, dass die Mistel keinen Eid abzulegen brauchte, und gibt Balders blindem Bruder Hödur einen Mistelzweig und bedeutet ihm, damit zu schießen. Der Zweig trifft Balder, und der Gott sinkt tot zusammen.

Der Leichnam wird auf einem Schiff aufgebahrt, das nur die Riesin Hyrokkin ins Wasser stoßen kann. Unter der Wucht fangen die Rollen, auf denen das Schiff stand, Feuer und entzünden den Leichnam. Thor segnet den Leichenbrand mit seinem Hammer Mjölnir. Sein Vater Óðinn gibt den Ring Draupnir mit auf Balders letzte Fahrt gen Hel. Balders Gattin Nanna stirbt während den Bestattungsfeierlichkeiten an gebrochenem Herzen und wird zusammen mit Baldr verbrannt.

Hermodr versucht vergeblich seinen Bruder aus dem Reich Hel zurück zu holen. Diese aber entlässt Balder erst aus ihrem Reich wenn alle Dinge ihm nachweinen. Die Asen schicken Boten in alle Welt und erreichen, dass alle Lebewesen und sogar Steine und Metalle um Balder trauern. Nur Loki, in Gestalt der Riesin Þökk, verweigert ihnen den Gefallen. Folglich wird Balder die Rückkehr nach Asgard verweigert.

Später versöhnen sich Balder und Hödur miteinander und kehren nach Ragnarök einträchtig bei der Entstehung eines neuen Weltgebäudes zurück.

Neuere Textuntersuchungen der Quellen und Vergleiche mit Darstellungen auf völkerwanderungszeitlichen Brakteaten lassen vermuten, dass in einer älteren Version der blinde Odin seinen Lieblingssohn tötete und so zu sich nahm. Die Darstellung in der Völuspá und bei Snorri sei eine humanisierte Fassung, in der Odin, der vorher in der Maske des Hödur auftrat, später von ihm geschieden wurde. Das Spiel der Asen, auf Balder zu schießen, soll die alte mythische Formel einer rituellen Gemeintötung zum Opfer für das Gedeihen alles Lebendigen darstellen.


Deutung

Mit der Lichtgestalt Balder verschwinden Glück und Schönheit aus der Welt und lässt die „Götterdämmerung“ bzw. Ragnarök damit näherrücken. Da Balder die Personifizierung der Sonne ist, steht sein Tod auch mit den Sonnenwenden in Verbindung. Balder wird zum Zeitpunkt scheinbarer Unverwundbarkeit getötet, wie auch die Sonne am Tag ihrer längsten Leuchtkraft – dem 21. Juni, der Sommersonnenwende – an Kraft verliert und dadurch die Tage wieder kürzer werden. Zur Wintersonnenwende werden die Tage wieder länger. Die Sonne kommt wieder zu Kräften, was Balders kommende Wiedergeburt ankündigt.

Anfang des 20. Jahrhunderts kam die Deutung J. Frazers in Mode, dass es sich bei Balder um einen Vegetationsgott gehandelt habe, dessen Tod notwendig gewesen sei, um die Fruchtbarkeit aufrecht zu erhalten. Frazer fand viele Anhänger, weshalb er erwähnt werden muss. Heute wird seine Theorie nicht mehr vertreten. Frazer kümmerte sich wenig um die Quellen. Balder wird in ihnen nirgends mit der Vegetation in Verbindung gebracht.

Der Baldermythos ist in der Völuspá, bzw. „der Seherin Gesicht“ eindrücklich geschildert.


Bragi

Bragi (von altnord. bragr, „der Vornehmste”, „Häuptling”, „Fürst”, „Dichtung”) ist in der nordischen Mythologie der Gott der Dichtkunst, der die gefallenen Helden in Walhall begrüßt. Er ist der Sohn von Odin und gehört zu den Asen. Verheiratet ist er mit Idun.

Da Bragi nicht vor dem 12. Jahrhundert ausdrücklich als Gott genannt wird, liegt es nahe in ihm eine späte Vergöttlichung des Skalden Bragi Boddason, der Alte, der im 9. Jahrhundert lebte, zu sehen. Einige Strophen des von ihm gedichteten Ragnarsdrapa fügte Snorri in die Edda ein. Außerdem sind noch einige Einzelstrophen von ihm überliefert.

Disen

Natur- und Fruchtbarkeitsgöttinnen.

Eine Dise altnordisch dís / dísir, altschwedisch dis ist eine Art weibliche (Fruchtbarkeits- ?) Gottheit, eventuell mit den Idisi des ersten Merseburger Zauberspruchs verwandt.

Viele norwegische und schwedische Ortsnamen gehen auf den Disenglauben zurück, so etwa Disin (abgeleitet von Disenwiese), Diseberg, Disevid, Disasen. Nach den alten Sagen soll in Norwegen ein Disenfest mit dem Disenopfer zu Winterbeginn gefeiert worden sein, in Schweden aber erst im Februar. Die Disen wurden noch nach dem Ende der heidnischen Zeit in Skandinavien verehrt. In der nordischen Prosaliteratur werden sie jedenfalls oft erwähnt.

Einige eddische Quellen beschreiben die Disen als Totenführerinnen, in Gdr. I. 19 werden die Walküren gar als Odins Disen geschildert. In den Disen die Seelen verstorbener Frauen zu sehen, ist eines der Fundamente des isländischen Volksglaubens. Daneben kann dís auch einfach nur Frau bedeuten.

Die definitive Stellung und Bedeutung des Kultwortes Dise ist letztlich nur schwer zu bestimmen. Man kann diesen Ausdruck sicherlich in die Nähe des Matronenkults schieben, wo er in mehrfacher Natur, als Fruchtbarkeitsgöttin, Schutzgeist, Kriegsgöttin und in einer Vielzahl weiblicher (Halb-?) Gottheiten auftritt.

Donar

 (südgermanisch)

Donar ist

  • der westgermanische Name des germanischen Donnergottes, siehe Thor

Forseti

Forseti (anord. „Vorsitzender am Thing“, „Vorsitzender“; isl. u. fär. „Präsident“; fries. Fosite) ist in der nordischen Mythologie der Gott für Recht und Gesetz („Gerechter Richter“), der Vorsitzende der Thing-Versammlung. Er ist einer der Asen, Sohn des Balder und der Nanna. Seine Residenz ist der von Gold und Silber glänzende Saal Glitnir (Glastheim), wo er als oberster Richter Asgards täglich Recht spricht unter Göttern und Menschen.

Nach den christlichen Heiligenlegenden des Willebrord und Ludger befand sich auf der Insel Helgoland ein Heiligtum des friesischen Gottes Fosite, eine Quelle aus der schweigend geschöpft wurde. Hier weidete das heilige Vieh Fosites, das niemand schlachten durfte. Nach dem Gott hieß Helgoland damals Fositesland. Das Heiligtum soll durch den Missionar Ludger zerstört worden sein.

Durch Falschlesung alter Schriften erschien dann in Karten von Helgoland ein templum Fostae vel Phosetae, der dann latinisiert zu einem templum Vestae wurde. Daraus schöpften Romantiker und neopagane Kreise eine Göttin Fosta, die aber in alten Schriften nirgends Erwähnung findet.


Freyja

Freya, auch Freyja (altnordisch Herrin) ist der Name der nordgermanischen Göttin der Liebenden und der Fruchtbarkeit. Sie gilt als nächstbedeutende Göttin des nordischen Pantheons nach Frigg, mit der sie in neuzeitlichen Rezeptionen oft gleichgesetzt oder verwechselt wird. Venus des römischen Götterhimmels.

Namensformen

Aus der Skalden-Dichtung sind einige Beschreibungen bekannt, die als Freya-Kenningar aufgefasst werden. Dies sind Mardöll, Menglada, Hörn, Gefn, Sýr und Vanadís. Aufgrund ihres Beinamens Gefn, wird sie (eher spekulativ) auch mit der Göttin Gefjon in Zusammenhang gebracht.

Die südgermanische Frija (althochdeutsch Friia, Frea) bezieht sich auf die Asengöttin Frigg.

Stellung, Attribute

Freya gehört zu den Vanen, einem der beiden Göttergeschlechter der nordischen Mythologie. Ihr Bruder ist Frey (aisl. Freyr), ihr Vater der Meergott Njörd, als Mutter wird Skadi, Tochter des Riesen Thiazi genannt. Ihr Gatte ist in der eddischen Mythologie der Gott Óðr. Mit ihm hatte sie die Töchter Hnoss und Gersimi (beide Namen sind Synonyme und bedeuten „Kostbarkeit“). Freya gilt als die „berühmteste von den Göttinnen“ (Gylfaginning, Kap. 23).

Sie gilt als die schönste Göttin der Fruchtbarkeit (diese Rolle kommt wohl eher Freyas Bruder Freyr zu) und des Frühlings, des Glücks und der Liebe, sowie als Lehrerin des Zaubers (seiðr).

Sie besitzt ein von Zwergen geschmiedetes Halsband Brisingamen, einen von Waldkatzen gezogenen Wagen und ein Falkengewand, mit dem man wie ein Falke durch die Lüfte gleiten kann. Nach dem Gedicht Hyndluljóð reitet sie auch auf dem Eber Hilisvini. Auch in der Gylfaginning tritt Freya auf. Danach weint sie goldene Tränen, als Oðr fortfährt. Nach der Grímnismál heißt ihr Hof Fólkvangr. Ihr Saal heißt Sessrúmnir.  Nach der Ynglinga saga Snorris lehrte sie die Asen den Zauber. Aber ihre Hauptaufgabe liegt darin, daß sie als Anführerin der Walküren auf den Schlachtfeldern daheim ist und die Hälfte der gefallenen Recken beanspruchen darf, während Odin (der oberste Gott, Gott des Krieges) die andere Hälfte zusteht. 

Der Wochentag Freitag ist ihr zugeordnet.

Entwicklung

Freya spielt in den eddischen Texten „Hyndluljóð“, „Lokasenna“ und „Þrymskviða“ eine bedeutende Rolle. In „Grímnismál“ wird sie als Todesgöttin und in der „Völuspá“ schimmert sie durch Ods Braut (Óðs mey). Auch die Zauberinnen Gullweig und Heid, die in den Strophen davor den Krieg zwischen Asen und Vanen entfachen, werden für Hypostasen der Göttin Freya gehalten. Nach Snorris „Gylfagynning“ erhält sie immer, wenn sie einem Kampf beiwohnt, die Hälfte der Gefallenen, die andere Hälfte bekommt Odin.

Da es keine südgermanischen (z. B. deutsche, englische) Überlieferungen zu Freya gibt, wird angenommen, dass sie eine wikingerzeitlichePromiskuität der Göttin Frigg ist. Dazu sind in der Edda und dem Gylfaginning folgende Episoden beschrieben: Der Halsschmuck der Freya, der Brisingenschmuck, den hatten die Zwerge Alfrigg, Dvalin, Berling und Grervier (Gerr) gefertigt, der Preis des Erwerbs war, dass die Göttin vier aufeinanderfolgende Nächte mit jeweils einem der Zwerge verbrachte – zum Unwillen Odins, der Freya zur Strafe zwang, unter den Menschen einen Krieg anzuzetteln. Eine weitere Berichterstattung besagte, dass Loki beim von Ägir ausgerichteten Trinkgelage alle Anwesenden beschimpft, er der Freya vorwirft, sie habe mit allen Asen und Alben im Saal Liebschaften gehabt. Hinzuzufügen bleibt, dass Loki in seiner Liebe zu Freya schmachtete, da sie die seine nicht erwiderte. Die literarischen Ausgestaltungen Freyas während der isländischen Renaissance des 13.–14. Jahrhunderts haben die heidnische Gestalt der Göttin allerdings überwuchert. In der Neuzeit hat sie die Göttin Frigg in der isländischen Aufarbeitung des Heidentums vollkommen verdrängt. Freya selbst erscheint in diesem (einer Illumination in einer Papierhandschrift des 17. Jahrhunderts) allerdings nur noch als treusorgende Familienmutter. Loslösung der Aspekte Liebe, Liebesmagie und

Die der Freya geschuldete Ehrerbietung ging auf die Damenwelt über, denn von ihr hat der Ehrenname den Ursprung, dass man vornehme Weiber – Frauen (freyjur) nennt.

Quellen

Besonders bekannte Quellen über Freya sind zwei Gedichte der Lieder-Edda. In der Lokasenna („Schmähreden des Loki“) wirft ihr der Gott Loki vor, es mit so ziemlich jedem Gott und jeder mythologischen Gestalt getrieben zu haben. In der Þrymskviða („Das Lied von Thrym“) erlebt sie einen Wutausbruch, als die Forderung des Riesen Thrym (aisl. Þrymr) verlautet, ihn heiraten zu sollen, um den Hammer Thors von den Riesen auszulösen, der wichtig für den Fortbestand der Götterwelt ist. Auch in der Gylfaginning und im Grímnismál tritt Freya auf.

Kultorte

Dänische wie schwedische Ortsnamen gehen auf die Göttin zurück. So ist z.B. Fröjel auf Gotland ein wikingerzeitlicher Hafen und Kultplatz der Freya (schwed. Fröja), an dem noch eine Fornborg und eine Trojaburg (nord. Trojeborg) auf die alte Funktion des Ortes verweisen, der auch Thingplatz war. Auf Lolland Dänemark sind Frejlev, in Jütland Frøslev solche Orte. Der Freitag hat seinen Namen ebenfalls von der Göttin.


Freyr

Freyr bedeutet Herr, im althochdeutschen fro, was eigentlich kein Name, sondern eine Bezeichnung ist. Es dürfte sich um eine tabuisierte Bezeichnung eines Gottes handeln, dessen Name selbst unbekannt ist bzw. nicht benutzt wird. (Ähnliches findet man bei biblischen Texten, wo Jahweadonai = Herr ersetzt wird). Er erscheint erstmalig im 10. Kapitel der Ynglingasaga, wo er der Ahnherr der schwedischen Könige sein soll, unter dem Namen Yngvi, und im 11. Kapitel wird er als Vater Fjölnirs genannt und trägt den Namen Yngvi-Freyr. Etymologisch ist damit die Bezeichnung des germanischen Stammes Ingaevonen verwandt. Die Zusammensetzung könnte altgermanisch auf Ingwia-fraujaz (= Herr der Ingaevonen) zurückgehen. durch

Mythologie

Freyr gehörte zu den Wanen, die hauptsächlich Fruchtbarkeitsgötter waren. Er entstammt dem Inzest des Njörd, vermutlich mit dessen Schwester Nerthus. Zunächst mit seiner Schwester Freya verheiratet, die sich Odin zur Frau nimmt, warb er später um die Tochter des Riesen Gymir aus Jötunheim. Ihr Sohn Fjölnir wird dann zu einem der sagenhaften Könige Schwedens. Nach dem Wanenkrieg wurde Freyr als den Asen zugehörig betrachtet und später auch wieder verehrt.

Sein Knecht, der Getreue Skirnir, der ihm einst zu seiner Gemahlin verhalf, wofür Freyr ihn mit seinem Schwert belohnt hat, ist meist mit ihm unterwegs. Nach der eddischen Dichtung Skírnismál war diese Gemahlin Gerdr eine schöne Frau, Tochter des Riesen Gymir mit der Aurboda. Skirnir gewann sie Freyr, als dieser sie von Odins Hochsitz aus gesehen hatte, nur mit Hilfe von Bestechungen, Drohungen und Zauber, weil Gerdr Freyr zuvor nicht heiraten wollte. Dieses Verbrechen führt dazu, dass Freyr bei Ragnarök ohne Schwert dem Feuerriesen Surt wehrlos ausgeliefert ist und sterben muss.

Freyr hatte das von Zwergen gebaute Schiff Skíðblaðnir, in dem alle Asen mit Rüstung Platz hatten, und das immer mit Wind im Rücken segelte, wohin man wollte. Der Zwerg Brokkr hatte für ihn auch den goldenen Eber Gullinborsti (der mit den goldenen Borsten) geschmiedet. Er heißt auch Slíðrugtanni (der mit den gefährlichen Hauern). Er zieht Freyrs Wagen und läuft durch die Luft und über das Wasser und beleuchtet mit seinen Borsten die Nacht.

Eber und Pferd sind dem Freyr besonders geheiligte Tiere. Ihm wurde wohl in alter Zeit das Eberopfer für Erntesegen dargebracht. Daher kommt wohl auch der Eber als Symboltier schwedischer Königsherrschaft in früherer Zeit. Die besondere Stellung des Pferdes kommt in der Sagaliteratur erst spät auf. Als Olav Tryggvason das Heiligtum Freyrs zerstört, ritt er den geheiligten Hengst und seine Mannen die geweihten Stuten. Hier bestand offenbar ein Tabu, dass die geweihten Pferde nicht geritten werden durften.

Er herrschte über Regen und Sonnenschein und wachte als Fruchtbarkeitsgott über das Wachstum. Sein Kultzentrum war Uppsala, wo er neben ThorOdin unter dem Namen Fricco (Adam von Bremen) oder Frø (Saxo Grammaticus) verehrt wurde. Saxo schreibt, dass ihm dort jährlich ein Opfer von Hadingus und seinen Nachkommen dargebracht worden sei (Lit.: Saxo I, Kap. 8, 12). Nach Adam von Bremen geschah dies nur alle 9 Jahre , wobei Menschen und Tiere getötet worden seien (Lit.: Adam IV, 27). und

Saxo Grammaticus schreibt, dass Hadingus dem Gott Frø ein Sühneopfer dargebracht hat (Lit.: Saxo I, 8, 12). Dieser wird mit Freyr als identisch angesehen. Adam von Bremen berichtet von einem Tempel in Uppsala, der dem Fruchtbarkeitsgott Fricco geweiht sei (Lit.: Adam IV, 24). Ob es sich dabei um Freyr handelte, ist unsicher und nicht besonders wahrscheinlich, da eine etymologische Verbindung nicht herzustellen ist. Die Ynglinga-Saga berichtet weiter, dass der Fróðafriðr (Froði-Frieden) während der Herrschaft des mythischen Königs Froði in Dänemark zu anhaltenden guten Ernten geführt habe. Deshalb wird Froði in der Forschung meist mit Freyr identifiziert. Das würde auch etymologisch plausibel sein, da Froda im Altschwedischen "Üppigkeit, Fruchtbarkeit" bedeutet. Dabei handelt es sich möglicherweise um einen phallischen Gott, was zu den Darstellungen Freyrs mit einem riesigen Phallus passen würde.

Frigg

Die nordische Göttin Frigg (ahd. Frîja, langobardisch: Frea) ist die Gemahlin von Odin in der Germanischen Mythologie und gehört zu den Asen. Nach einigen Autoren ist ein anderer Name für sie Saga. Sie ist die Schutzherrin der Ehe und Mutterschaft.

Es bestehen viele Parallelen zur Göttin Freya, der Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit, mit der sie in neuzeitlichen Rezeptionen oft gleichgesetzt oder verwechselt wird. Frigg bekleidet jedoch durch ihren Gatten eine zentralere Rolle. Ihre Dienerinnen sind Gna, Fulla, Sygn, Vara, Eira, Hlin, Lofn und Vjofn.

In der germanischen Mythologie zeugte Frigga mit Odin die Götter Balder, Hödur, Hermor, Bragi und die Walküren. In Asgard ist Fensal, der Sumpfsaal, als ihr Wohnsitz überliefert. Sie soll die Wolken gewebt haben.

Der Asteroid Frigga ist nach der Göttin Frigg benannt.

Frigg tritt erstmals in der aus dem 7. Jh. stammenden Origo Gentis Langobardorum und um das Jahr 790 n. Chr. in der Historia Langobardorum des Paulus Diaconus als Frea in Erscheinung. Der früheste Beleg für den althochdeutschen Namen Frîja ist im 10. Jh. im Zweiten der Merseburger Zaubersprüche zu finden, die ihren Ursprung jedoch schon in vorchristlicher Zeit haben (vor 750 n. Chr.).

Heimdall

Heimdall (altnord. heimdallr: „der Strahlende“ oder „Weltglanz“ oder „der, der die Welt beleuchtet“) ist in der nordischen Mythologie der Schutzgott, der Lichtgott, und der Himmelswächter, sowie der Schützer allen Lebens. Der schwedische Forscher Birger Pering identifiziert Heimdall als den „Schutzgeist“ der Götter. Heimdall braucht weniger Schlaf als ein Vogel und kann bei Tag und Nacht gleich gut sehen. Er kann so gut hören, dass er die Wolle auf den Schafen und das Gras auf der Weide wachsen hört. Nach der Edda ist er der größte Widersacher Lokis.

In der Völuspa, dem Eröffnungsgedicht der Edda, ist die Rede davon, dass Odin der Vater aller Götter ist. Man nimmt daher in der Regel an, dass Heimdall auch der Sohn Odins sei, aber das ist ein interpretatorischer Kausalschluss. Aus direkten Quellen lässt sich das nicht rechtfertigen. Heimdall wurde „am Rande der Erde geboren“, von neun Müttern, die neun Schwestern sind; der Vater wird nicht erwähnt. Die einzige direkte, mythologische Entsprechung zu den Müttern findet man in den bezeugten neun Töchtern des Meerriesen Ägir: Angeyja, Atla, Eistla, Eyrgjafa, Gjalp, Greip, Iarnsaxe, Imd und Ulfrun, die in der Regel als die verschiedenen Meereswellen interpretiert werden. Dass diese neun Schwestern auch die Mütter sind, ist ebenfalls umstritten, weil die Neunzahl in den mythologischen Liedern insgesamt sehr häufig vorkommt und daher kein Indiz für eine Verwandtschaft darstellen kann. Mit seiner Gattin Modiv hat er der sehr späten (und daher sehr wahrscheinlich nicht mehr heidnischen) Dichtung Rigsthula zufolge die Söhne Jarl („Fürst“), Karl („Bauer“) und Thrall („Sklave, Knecht“). Die Rigsthula ist erwiesenermaßen eine gelehrte Dichtung des ausgehenden Mittelalters und sollte vermutlich im Sinne der damaligen Fürsten die Einführung einer monarchischen Standesgesellschaft erleichtern.

In der Völuspa wird Heimdall Vater aller Menschen genannt. In der kürzeren Seherinnenrede (Völuspa in Skamma) heißt er auch „sippenverwandt sämtlichem Volk“.

Heimdall wohnt in Himinbjörg und reitet auf seinem Pferd Gulltopp. Er besitzt das Horn Gjallarhorn, das am Ende die Ragnarök einläutet. Heimdall ist Wächter der Regenbogenbrücke Bifröst, die Midgard mit Asgard verbindet. Er hört und sieht alles und wird weise „wie sonst nur die Wanen“ genannt. Heilig sind ihm die Widder. In der Ragnarök kämpft er gegen seinen Konkurrenten Loki. Beide verlieren den Kampf und töten einander.

In verschiedenen Thesen zum Sprichwort „Morgenstund hat Gold im Mund“ wird dessen Entstehung auf den Gott Heimdall zurückgeführt. Dieser hatte goldene Zähne, und er war wiederum das erste, was Reisende auf dem Weg in die Götterwelt Asgard nach der Überquerung der Regenbogenbrücke Bifröst zu sehen bekamen.

Zahlreiche deutsche und skandinavische Musikgruppen verwenden Heimdall, das Gjallarhorn und andere mystische Charaktere und Gegenstände in ihren Texten.

Hel

Hel ist in der nordischen Mythologie der Name sowohl der Unterwelt als auch der ihrer Herrscherin.

Der altnordische Name Hel ist verwandt mit dem deutschen Wort Hölle und führt auf ein urgermanisches *haljô "Hölle; unterirdische Totenwelt" zurück (got. halja; altengl. hell; ahd. hellea). Das Wort steht weiter zum Verb »verhehlen«, ist also als »das Verborgene« zu deuten. Im Gegensatz zur christlichen Vorstellung der Hölle als Strafort, bezeichnete der Ausdruck die Totenwelt ohne negative oder auch positive Konnotation. Die Personifizierung der Hel zur Herrin dieser Totenwelt hatte offensichtlich nur im Norden stattgefunden.

Die Gottheit aus dem Geschlecht der Riesen

Hel als Totengöttin ist die Tochter von Loki und der Riesin Angrboda, wird aber nicht dem Göttergeschlecht der Asen zugerechnet, sondern den Riesen. Ihre Haut ist zur einen Hälfte von normaler Farbe, zur anderen blau-schwarz, was bedeutet, dass sie halb tot und halb lebendig ist. Zusammen mit ihren beiden Geschwistern, dem Fenriswolf und der Midgardschlange, wurde sie von den Asen nach Asgard gebracht, da die Götter sich vor den Kindern Lokis fürchteten. Während der Fenriswolf an die Kette Gleipnir gebunden und die Midgardschlange von Odin ins Meer geworfen wurde, verbannte man Hel aus Asgard, woraufhin sie im Norden ihr eigenes Reich gründete. Dort holt sie alle Verstorbenen zu sich, nur die tapfersten Krieger gelangen stattdessen nach Walhall an Odins Tafel. Vor diesem Schicksal sind auch die Götter nicht gefeit, wie der Tod Baldurs zeigt.

Unterwelt

Hel als Unterwelt bezeichnet die unterirdische Totenwelt, die unter den Wurzeln des Weltenbaumes, der Esche Yggdrasil, liegt und über den Todesfluss Gjöll erreicht wird. Wie beim Hades der griechischen Mythologie ist eine Rückkehr fast unmöglich. Die Brücke zur Unterwelt wird von der Riesin Modgudr bewacht. Von hier aus führt nordwärts der Weg zur hochumwallten Burg der Hel. Über diese goldene Brücke schreiten und reiten die verlorenen Seelen. Niemand hat sie gerufen, doch auch niemand verwehrt ihnen den Zugang, selbst der Höllenhund Garm nicht, der unmittelbar vor dem Eingang in einer Felsenhöhle wacht. Er lässt die Eintretenden nie wieder hinaus. Neben dem Hund sitzt der Haushahn, Fialar, mit dunkelbraunem Gefieder, ganz anders als der Hahn der Götter, den ein goldener Kamm ziert. Wenn am jüngsten Tage die Hähne der Götter und Riesen die Recken zum letzten Kampfe wecken, dann kräht auch der Hahn des unterirdischen Reichs der Hel und weckt die Totenwelt.

In Hels Burg befinden sich große Säle. Kein Sonnenstrahl dringt in die Gemächer ein, selbst die Eingangspforte zeigt zum unwirtlichen Norden. Die Wände sind aus Schlangenleibern gebildet, und durch das Rauchrohr im Dach rinnt giftiger Regen. Wilde Ströme umgeben die Burg, die Vergewaltiger und Mörder durchwaten müssen. Der Drache Nidhögg nährt sich von den Leichen verstorbener Verbrecher, und ein Wolf zerfleischt sie.

Hel wurde zunächst nicht als Ort der Strafe aufgefasst, erst später, auch unter Einfluss des Christentums, entstand die Vorstellung eines Orts der Bestrafung für Böse, insbesondere Lügner und Mörder. Der Name der christlichen Hölle leitet sich von Hel ab, dies wird bei der englischen Bezeichnung „hell“ besonders deutlich. Die späte literarische Darstellung von Hel wurde auch stark durch antike griechische Mythologie verzerrt.


Hödr

In der nordischen Mythologie ist Hödur (auch Höðr geschrieben, zu deutsch etwa Kämpfer) der Zwillingsbruder von Baldur und somit Sohn von OdinFrigg. Hödur ist ein blinder Gott. Daher beurteilt er jeden nicht nach seinen Äußerlichkeiten, sondern nach seinen inneren Werten. und

Andere Quellen stellen Hödur anders dar: Er repräsentiert die dunkle, die blinde Seite seines Vaters, während sein Bruder Baldur die lichte Seite Odins repräsentiert. Sie beide gehören dem Göttergeschlecht der Asen an.

Nachdem Baldur von seinem eigenen Tod geträumt hat, verlangt seine Mutter von jedem Tier, jeder Pflanze und jedem Gegenstand einen Eid ab, Baldur nicht zu töten. Nur den Mistelzweig übersieht sie, da er ihr so unscheinbar erscheint. Die Götter machen sich daraufhin den Spaß, Baldur mit allerlei Gegenständen zu bewerfen, doch kein Gegenstand vermag ihn zu verletzen. Loki ermutigt daraufhin Hödur, mit einem Mistelzweig auf Baldur zu schießen. Von diesem getroffen sinkt Baldur tot zu Boden, woraufhin sein gerade geborener Halbbruder Wali an Hödur Rache nimmt.

Später versöhnen sich Baldur und Hödur miteinander und kehren einträchtig, nach Ragnarök, bei der Entstehung eines neuen Weltgebäudes zurück.

Idun

Idun oder auch lateinisch Iduna (altnord. Iðunn die Erneuernde, die Verjüngende) ist in der nordischen Mythologie die Göttin der Jugend und der Unsterblichkeit.

Sie ist die jüngste Tochter der älteren Kinder des Zwergs Ivaldi (Hrafnagaldr Odins 5) und die Gemahlin des göttlichen Sängers Bragi, der sie mit einem Lied für sich gewann. Idun ist die Hüterin der goldenen Äpfel, die den Göttern die ewige Jugend und damit auch die Unsterblichkeit verleihen (Gylfaginning 26). Als Hüterin der goldenen Äpfel ist ihr Baum der Apfelbaum.

Als Loki von dem Riesen Thiazi geraubt wurde, wollte dieser ihn nur freilassen, wenn er ihm Idun zusammen mit ihren goldenen Äpfeln ausliefere. Als das geschah, begannen die Götter sogleich zu altern und zwangen Loki, die Geraubte aus der Gewalt des Riesen zu befreien. Loki, in das Falkengewand Freyas gekleidet, verwandelte die Gefangene in eine Nuss und brachte sie nach Asgard zurück, verfolgt von dem Riesen, dem die Flüchtenden nur um Haaresbreite entkamen. Thiazi wurde von den Asen durch das Verbrennen seiner Flügel getötet. (Überlieferung durch den Skalden Thjodolf von Hwin, 9. Jh, in seiner Dichtung Herbst-Lange)

Loki beschimpft Idun als mannstoll, da sie ihre weißen Arme um den Mörder ihres Bruders lege (Lokasenna 17). Von diesem Mythos ist ansonsten nichts in der nordischen Mythologie überliefert. Der besagte Brudermörder kann nach unserem Verständnis nur ihr Gemahl Bragi sein.

Als sich das Ende der Welt durch bedrohliche Vorzeichen ankündigt, sinkt Iduna von der Weltesche Yggdrasil in die Unterwelt (Hrafnagaldr Odins 6-7), wohin ihr Bragi folgt.

Die Göttin der goldenen Äpfel der Unsterblichkeit erinnert an den griechischen Mythos von den goldenen Äpfeln des Baums der Hesperiden und ist vielleicht auch aus der griechischen Sagenwelt entlehnt worden, da der Apfelbaum auf Island und in Norwegen nicht in der Natur vorkommt. Auch eine Entlehnung aus der Bibel, die Äpfel vom Baum des Lebens im Garten Eden, wurde vertreten. Die Mythe vom Raub der Idun durch einen Riesen hat einige Parallelen mit dem Verhältnis der Riesen zu Freya. Aus Irland ist eine keltische Sage überliefert, in der drei Brüder im Falkengewand die Wunderäpfel Hisbernas rauben. Sie werden dabei von den Töchtern eines Königs in Adlergestalt verfolgt und entkommen nur knapp. Auch hier scheint eine Entlehnung von den Hesperiden erfolgt zu sein. Demnach handelt es sich bei Idun nicht um eine orignäre Göttin der germanischen Mythologie, sondern nur um eine spätnordische, dichterische Erfindung. Nach anderer Ansicht aber beweist nichts, dass sie nicht unter einem anderen Namen seit alters her der germanischen Götterwelt angehörte.

Loki

Loki (oder Loptr; nicht zu verwechseln mit dem Riesen Logi, dem Wildfeuer) ist eine Gestalt aus der nordischen Mythologie. Er ist das Kind zweier Riesen, dennoch einer der Asen. Sein Vater ist Farbauti, seine Mutter Laufey (Laubinsel) oder Nal (beide mütterlichen Namen sind erwähnt), seine Brüder sind Byleist und Belblindi, seine Frau ist Sigyn. Durch „Blutsbrüderschaft“ steht er in besonderer Beziehung zu Odin. Dabei wird er, nicht unumstritten, als Lodur identifiziert.

Beschreibung anhand einiger Mythen

„Loki ist schmuck und schön von Gestalt,
aber bös von Gemüt und sehr unbeständig.
Er übertrifft alle andern in Schlauheit und in jeder Art von Betrug.”
(Gylfaginning, 33)

In seinem Listenreichtum und seiner Gerissenheit stellt Loki ein Musterexemplar des mythischen „Halunken“ dar. Er besitzt einen ausgeprägten Sinn für Strategie und nutzt ihn, um mit Intrigen und komplexen Lügen seine Interessen durchzusetzen. Da Loki halb Ase, halb Riese ist, scheint sein Verhältnis zu den Asen auch zwiespältig zu sein. Doch von Odin wird er geachtet; die beiden schließen sogar Blutsbruderschaft. Außerdem hilft Loki Thor durch eine List bei der Wiederbeschaffung seines Hammers Mjöllnir, der von den Riesen gestohlen wurde. Loki ist somit Feind und Freund der Götter. Erst nachdem er Hödur durch eine List dazu brachte, seinen Bruder Balder zu töten, verbannt ihn Odin.

Die Riesin Sigyn gebar ihm Narfi; mit der Riesin Angurboda zeugt er drei Feinde der Asen:

  • Die Midgardschlange (Jörmungand), welche Thor, den Freund der Menschen, zum Ende aller Zeiten töten wird
  • Die Todesgöttin Hel
  • Den Wolf Fenrir (Fenriswolf), der beim Weltende den Göttervater Odin verschlingen wird

Außerdem brachte er selbst Sleipnir (Das achtbeinige Pferd Odins) zur Welt: Er verwandelte sich in eine Stute, um Savadilfari, den Hengst des Riesen, der die Götterburg errichten sollte, von der Baustelle zu locken, damit der Riese den vereinbarten Termin nicht einhalten konnte. Einige Monate nach diesem Ereignis wird Sleipnir geboren. Loki schenkte das Fohlen Odin.

Vor allem ist Loki der Feind Balders und der Erzfeind Heimdalls. Am Tod Balders, des „Feindes allen Unrechts“, hat Loki als Ratender (an. radbani) Anteil, indem er den blinden Hödr veranlasst, einen Mistelzweig zu werfen, so zu lesen in den Träumen Balders (an. Balders Draumar). Mit dieser Tat leitet Loki den Untergang der Götterwelt ein.

Loki ist ein Gestaltenwechsler, ein Meister der Metamorphose, der sich in die verschiedensten Tiere und Menschen verwandeln kann. In den überlieferten Mythen ist er Adler, Stute, Lachs, eine Fliege oder ein altes Weib. Denn er wechselt auch sein Geschlecht, erlebt Schwangerschaft und Geburt, trägt in Gestalt einer Stute das achtbeinige Ross Odins, Sleipnir, aus, wie die Sage vom Riesenbaumeister erzählt. Das wird von den germanischen Göttern für einen Mann als schändlich betrachtet. Es ist „eines Argen Art“, sich als Mann wie ein Weib aufzuführen: „Unter der Erde acht Winter warst du / Milchende Kuh und Mutter/ denn du gebarest da / das dünket mich eines Argen Art“, (Lokasenna [Lokis Zankreden], 23).

Loki ist als Kulturheros der Erfinder des Fischnetzes, aber er, der Tölpelhaftigkeit und Listenreichtum in sich vereint, wird auch zum Opfer seiner eigenen Erfindung. Er hatte die Asen in seinen Zankreden (Lokasenna) derart erzürnt, dass er sich vor ihnen verstecken musste. Auf einem Berg schuf er sich ein Haus mit vier Türen, so dass er nach allen Seiten sehen konnte. Tagsüber verwandelte sich Loki von Zeit zu Zeit in einen Lachs, um sich im Wasserfall Franangr zu verstecken. Einmal, als er so alleine da saß, nahm er Flachsgarn und verflocht es zu Maschen, „wie man seitdem Netze macht“. Da sah er, dass die Asen nicht weit von ihm waren, und er sprang schnell als Lachs ins Wasser, um sich zu verstecken. Die Asen fanden das Netz, und einer von ihnen kam auf die Idee, dass es ein gutes Mittel sei, Fische zu fangen. Als Loki von dem Fischnetz in die Enge getrieben war, sprang er darüber. Thor griff nach ihm und bekam ihn auch in der Mitte zu fassen, aber er glitt ihm aus der Hand, so dass er ihn erst am Schwanz wieder festhalten konnte. Es heißt, dass daher und seitdem der Lachs hinten spitz zuläuft.

Der gefangene Loki wurde zur Strafe mit den Eingeweiden seiner Söhne auf spitze (dreikantige) Felsen gefesselt. Über seinem Kopf hängte man eine giftige Schlange, die ätzenden Speichel tropfen ließ. Seine Frau Sigyn fing diesen Speichel in einer Schüssel auf. Nur wenn sie die Schüssel wegzog, um sie zu leeren, trafen ein paar Tropfen auf Lokis Gesicht. Er schüttelte und wand sich so gewaltig unter seinen Schmerzen, dass dadurch die Erdbeben entstanden.

In der Ragnarök (Schicksal der Götter) ist er der Anführer der Vernichtung von Götter- und Menschenwelt. Loki und der Gott Heimdall töten sich in der Ragnarök gegenseitig.

Theorien zur Gestalt Lokis

Lokis Handlungen lassen erkennen, dass diese Schlechtes wie auch Gutes bewirken; letzteres oft gegen seine ursprüngliche Intention. Dennoch handelt er nicht ausschließlich schädigend. Oft wird Loki wegen seiner Listigkeit und seiner Kreativität von den anderen Gottheiten herangezogen, um aussichtslose Situationen zu bewältigen, was er auch immer schafft. Ebenso lässt er sich durch diese verpflichten, durch seine Schalkhaftigkeit angerichteten Schaden wieder gut zu machen.

Eine der Theorien über die Gestalt des Loki besagt, dass die Beschreibung seines Wesens als böse oder destruktiv als ausschließlich christliche Sichtweise erkannt werden muss. Da nahezu alle schriftlichen Belege über Loki aus dem Hoch- und Spätmittelalter stammen, kann nicht zweifelsfrei behauptet werden, dass Loki in der beschriebenen Weise tatsächlich ein germanischer Gott war. Es ist möglich (und wird von einigen Historikern auch so gesehen), dass Loki eine christliche Erfindung ist und der germanischen Götterwelt erst lange nach deren Verdrängung durch das Christentum zugedichtet wurde.

Dennoch scheint gerade die Ambiguität Lokis ein Hinweis auf eine authentische vorchristliche Gestalt zu sein, die eine alleinige Zuschreibung des nur Guten und nur Bösen nicht kennt. Es ist davon auszugehen, dass die bösen Seiten Lokis in christlicher Zeit nicht hinzugefügt, sondern die guten Wesenszüge und Taten getilgt und die übrig gebliebenen bösen betont wurden. (Siehe hierzu den Artikel Trickster).


Nerthus

Nerthus ist eine germanische Gottheit.

Gemäß Tacitus, Germania Kap. 40, wurde die Gottheit Nerthus von den germanischen Stämmen der Avionen, Anglier, Variner, Eudosen, Suardonen, nördlichen Sueben und Nuitonen verehrt. Tacitus beschreibt Nerthus als Terra Mater (Mutter Erde), nennt sie aber nicht dea (Göttin), sondern numenSuionen erinnert. Nach der Fahrt wurde der Wagen mit den ihn bedeckenden Tüchern in einem See von Sklaven gewaschen, die anschließend dort ertränkt wurden. Der Name der offensichtlich mehr oder weniger geschlechtslosen Gottheit wird seit Jacob Grimm oft als mit dem des nordgermanischen Gottes Njörðr (<NerðuR) für identisch gehalten, weshalb man in Nerthus eine Frühform des Njörð zu sehen pflegt. Außerdem war ja Njörð ein Schiffsgott, was gut zu dem heiligen See bei Tacitus passt. Neuerdings wird diese Zusammenstellung aber stark angezweifelt . Hier wird die Göttin Nerthus mit ihrer Umfahrt durch das Land mehr im Zusammenhang mit den häuslichen Angelegenheiten gesehen. Eine solche Umfahrt wurde auf einer Urne aus Darslub (pol. Darzlubie) nahe GdingenPolen gefunden. Frau Holle und Frau Perchta seien die nächsten Parallelen und die eigentlichen Spätformen der Nerthus. (göttliches Wesen). Auf einer Insel des Ozeans (wohl der Ostsee) gab es in einem heiligen Hain einen bedeckten Wagen, der nur von einem Priester berührt werden durfte. Mit diesem von Kühen gezogenen Wagen soll Nerthus durch das Land gefahren sein. Während dieser Fahrt herrschte bei den Stämmen ein heiliger Friede, der an den ebenfalls von Tacitus überlieferten Frieden bei den in

Originaltext von Tacitus:

XL. Contra Langobardos paucitas nobilitat: plurimis ac valentissimisnationibus cincti non per obsequium, sed proeliis ac periclitando tuti sunt.Reudigni deinde et Aviones et Anglii et Varini et Eudoses et Suardones etNuithones fluminibus aut silvis muniuntur.Nec quicquam notabile in singulis, nisi quod in commune Nerthum, id est terrammatrem, colunt, eamque intervenire rebus hominum, invehi populus arbitrantur.Est in insula Oceani castum nemus, dicatumque in eo vehiculum, vestecontectum. Attingere uni sacerdoti concessum. Is adesse penetrali deamintellegit vectamque bubus feminis multa cum veneratione prosequitur.Laeti tunc dies, festa loca, quaecumque adventu hospitioque dignatur.Non bella ineunt, non arma sumunt; clausum omne ferrum; pax et quies tunctantum nota, tunc tantum amata, donec idem sacerdos satiatam conversationemortalium deam templo reddat. Mox vehiculum et vestes et, si credere velis,numen ipsum secreto lacu abluitur. Servi ministrant, quos statim idem lacushaurit. Arcanus hinc terror sanctaque ignorantia, quid sit illud, quodtantum perituri vident.

Njörd

Njörðr (auch Njörd genannt) ist einer der Wanen in der nordischen Mythologie.

Der Gott Njörðr ist hauptsächlich aus der Snorra-Edda, der Ynglinga saga und einigen Eddaliedern (Vafþrúðnismál, Lokasenna, Grimnismál), also der hochmittelalterlichen gelehrten Mythographie Snorris bekannt. Es gibt darüber hinaus noch ein paar rituelle Formeln, in denen sein Name auftaucht. In Aris Íslendingsbók steht Njörðr als zweiter Name in der Ynglinga-Genealogie. Dieser Namensform wird die von Tacitus überlieferte Name Nerthus zugesellt.

Ortsnamen, die meist den Genitiv Singular (Njarðar-) verwenden, sind schwerpunktmäßig in Ostschweden (Östergötland), in Ostnorwegen und in den Küstengebieten Westnorwegens vertreten.

Die Verbindung Nerthus und Njörðr wirft Probleme auf, da es sich bei Tacitus um eine Göttin handelt, die er einem kleineren Stammesverband innerhalb eines eng umgrenzten geographischen Gebietes zuordnet. Hinzu kommt der große zeitliche Abstand zwischen Tacitus und den skandinavischen Quellen. Dort ist Njörðr ein männlicher Gott. Zu diesen Problemen gibt es eine Vielzahl von Theorien. Mal habe sich Nerthus allmählich nach Skandinavien ausgebreitet, mal handele es sich um einen von vornherein allgermanischen Gott. Früher habe die u-Deklination für maskuline und feminine Wörter gleichgelautet, die feminine u-Deklination sei aber in Skandinavien allmählich ausgestorben, wodurch dann Nerthus zum maskulinen Gott geworden sei. Auch wird vertreten, dass es sich in Wahrheit um ein Götterpaar gehandelt habe, von dem bei Tacitus nur die wichtige Nerthus erwähnt worden sei. In der Edda sei dann der männliche Partner in den Vordergrund getreten, und der weibliche sei zu Skaði abgewandelt worden. Neuerdings wird diese Verbindung zwischen Nerthus und Njörð in Frage gestellt (Simek, S. 148; Motz).

Njörðr-Mythos

Im euhemeristischen Kontext ist Njörðr ein König aus alter Zeit, bei Snorri als der zweite nach Oðin. Bei Ari froðis Stammtafel des Ynglingengeschlechts ist sein Vater nicht Oðin sondern Yngvi Tyrkja konungr. Oðin kommt bei ihm nicht vor. Diese Anordnung bietet auch die Historia Norvegiae (Ingui rex ... Neorth ...Froyr). Bei Snorri hat Oðin Njörðr und Freyr als Opferpriester eingesetzt. Sie seien dann Herrscher in einer friedlichen und üppigen Zeit gewesen, weshalb die Svear Njörðr für diese reiche Zeit als verantwortlich hielten, so dass er zum Fruchtbarkeitsgott erhoben wurde.

Njörðr erscheint eigenartig selten in den mythologischen Quellen. Im mythologischen Kontext der Gylfaginning gibt Snorri Njörðr maritime Züge. Sein Wohnort ist Nóatún, der Schiffsplatz. Er herrschte über die Winde auf dem Meer, über die See und das Feuer.

„Inn þriði áss er sá, er kallaðr er Njörðr. Hann býr á himni, þar sem heitir Nóatún. Hann ræðr fyrir göngu vinds ok stillir sjá ok eld. Á hann skal heita til sæfara ok til veiða. … Hann var upp fæddr í Vanaheimi.“

„Der dritte Ase ist Niörðr genannt, er bewohnt im Himmel die Stätte, die Noatun heißt. Er beherrscht den Gang des Windes und stillt Meer und Feuer; ihn ruft man zur See und bei der Fischerei an. … Er wurde Wanaheim erzogen.“

– Gylfaginning Kap. 23.

Njörðr wurde der Götterfamilie der der Asen zugerechnet, der von „weisen Mächten“ in Wanenheim erschaffen wurde. Er kam dann aber mit seinem Sohn Freyr als Geisel zu den Asen. Dieses Geiselmotiv scheint nach den Eddaliedern zu urteilen sehr alt zu sein.

Óðinn kvað:
"Seg þú þat it tíunda,
alls þú tíva rök
öll, Vafþrúðnir, vitir,
hvaðan Njörðr of kom
með ása sonum -
hofum ok hörgum
hann ræðr hundmörgum -
ok varð-at hann ásum alinn."

Vafþrúðnir kvað:
"Í Vanaheimi
skópu hann vís regin
ok seldu at gíslingu goðum,
í aldar rök
hann mun aftr koma
heim með vísum vönum."

Odin sagte:
Sage mir zum zehnten,
wenn du den Urgrund aller
Götter, Wafthrudnir, weißt,
wie kam Nörðr
zu den Asensöhnen –
Höfe und Heiligtümer
hat er in großer Zahl –
und wuchs nicht bei den Asen auf?

Wafthrudnir sagte:
In Wanenheim
schufen ihn weise Gottheiten
und sandten ihn zu den Göttern als Geisel.
Am Ende der Zeiten
soll er wiederkommen
heim zu den weisen Wanen.

Nach der Skáldskaparmál darf sich Skaði aus Þrymheimr als Buße für den Totschlag der Asen an ihrem Vater Þiazi unter den Göttern einen Ehemann aussuchen, kann aber von den Göttern nur die Füße sehen. Sie glaubt, Baldr erwählt zu haben. Die Füße gehörten aber Njörðr. Snorri betont, dass die Eheleute Geschwister waren und fügt hinzu, dass solch inzestuöse Ehen bei den Wanen üblich, bei den Asen aber verboten gewesen seien.

Die Ehe scheiterte, weil sie nicht an der gleichen Stelle wohnen konnten. Sie hatten zunächst vereinbart, dass Njörðr neun Nächte bei Skaði in Þrymheimr und Skaði drei Nächte bei Njörðr am Meer wohnen sollte. Aber Skaði konnte wegen des Möwengeschreis in Nóatún nicht schlafen, und Njörðr konnte das Heulen der Wölfe nicht ertragen. Nach Snorri bekam Njörðr später die beiden Kinder Freyr und Freya, bei Egill Skallagrímsson ist das nicht eindeutig. Die Aufteilung der Zeiten des Zusammenlebens hat symbolische Bedeutung. Sie spiegelt die Jahreseinteilung in 9 Wintermonate und 3 Sommermonate wider. Die Tätigkeit in den drei Sommermonaten hat Bezug zu den Wanen: Seefahrt, Ackerbau und Fischerei. Daraus ergibt sich, dass der Mythos von Njörðr und Skaði dem westnordischen Milieu entstammt.

Es gibt auch einen Mythenschwank in Lokasenna, wonach die Töchter des Riesen Ymir Njörðs Mund als Nachttopf verwendet hätten. Auch die von Snorri überlieferte missglückte Ehe mit Skaði trägt schwankhafte Züge.


Nornen

Innerhalb der Die Nornen (altnord. Nornir) sind in der nordischen Mythologie schicksalbestimmende Frauen, von denen einige von Göttern, andere von Zwergen oder Elfen abstammen sollen.indogermanischen Religionen und Mythologien besteht eine Verwandtschaft mit den römischen ParzenMoiren.

Die Nornen in der Edda

Drei Schicksalsfrauen werden mit Namen genannt: Sie heißen Urd (das Gewordene), Skuld (das Werdensollende) und Verdandi (das Werdende), d. h. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nach der Völuspá wohnen sie an der Wurzel der Weltenesche Yggdrasil an einem Brunnen, der nach der ältesten Norne Urdaborn heißt. Sie lenken die Geschicke der Menschen und Götter.

Ask veit eg standa,
heitir Yggdrasill,
hár baðmur, ausinn
hvíta auri;
þaðan koma döggvar
þær er í dala falla,
stendur æ yfir grænn
Urðarbrunni.

Þaðan koma meyjar
margs vitandi
þrjár úr þeim sæ,
er und þolli stendur;
Urð hétu eina,
aðra Verðandi,
skáru á skíði,
Skuld ina þriðju.
Þær lög lögðu,
þær líf kuru
alda börnum,
örlög seggja.

Eine Esche weiß ich,
heißt Yggdrasil,
Den hohen Baum
netzt weißer Nebel;
Davon kommt der Tau,
der in die Täler fällt.
Immergrün steht er
über Urds Brunnen.

Davon kommen Frauen,
vielwissende,
Drei aus dem See
dort unterm Wipfel.
Urd heißt die eine,
die andre Verdandi:
Sie schnitten Stäbe;
Skuld hieß die dritte.
Sie legten Lose,
das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen,
das Schicksal verkündend.

Verdandi kommt nur hier vor und hat sonst keine nachweisbare Tradition und wird dem Dichter der Völuspá selbst zugeschrieben. Skuld ist in anderem Zusammenhang Walküre, so dass eigentlich nur Urd eine genuine Schicksalsmacht ist.

Nach Gylfaginning wird der Baum nicht durch Nebel erhalten, sondern die Nornen pflegen ihn:

„Enn er þat sagt, at nornir þær, er byggja við Urðarbrunn, taka hvern dag vatn í brunninum ok með aurinn þann, er liggr um brunninn, ok ausa upp yfir askinn, til þess at eigi skuli limar hans tréna eða fúna. En þat vatn er svá heilagt, at allir hlutir, þeir er þar koma í brunninn, verða svá hvítir sem hinna sú, er skjall heitir, er innan liggr við eggskurn.“

„Ferner erzählt man, dass die Nornen, die am Urdabrunnen hausen, täglich Wasser aus dem Brunnen schöpfen und dazu den Schlamm, der um die Quelle herum liegt, und dies über die Esche ausgießen, damit ihre Zweige nicht verdorren oder verfaulen. Dies Wasser ist so heilig, dass alle Dinge, die in jene Quelle geraten, so weiß werden wie die Haut, die man Skjall nennt und die innen an der Eierschale sitzt.“

– Gylfagynning Kap. 16.

In diesem Zusammenhang werden die Nornen als Schicksalsmacht für die Menschheit gedacht. Daneben werden noch solche Nornen erwähnt, die Müttern bei der Geburt beistehen: In Fafnismál fragt Sigurd den Drachen Fafnir:

Segðu mér, Fáfnir,
alls þik fróðan kveða
ok vel margt vita,
hverjar ro þær nornir,
er nauðgönglar ro
ok kjósa mæðr frá mögum?
Fáfnir kvað:
Sundrbornar mjök
segi ek nornir vera,
eigu-t þær ætt saman;
sumar eru áskunngar,
sumar alfkunngar,
sumar dætr Dvalins.

Laß dich fragen, Fafnir,
da du vorschauend bist
Und wohl manches weißt:
Welches sind die Nornen,
die notlösend heißen
und Mütter mögen entbinden?
Fafnir:
Verschiedenen Geschlechts
scheinen die Nornen mir
Und nicht eines Ursprungs.
Einige sind Asen,
andere Alfen,
Die dritten Töchter Dwalins.

Im Anschluss daran wuchs ihnen die Aufgabe zu, dem Kind seine Lebensdauer anzusagen. Hier erzeugen sie das persönliche Fatum des einzelnen Menschen. In der Edda heißt es:

Nótt varð í bæ,
nornir kómu,
þær er öðlingi
aldr of skópu;
þann báðu fylki
frægstan verða
ok buðlunga
beztan þykkja.

Nacht wurde es im Gehöft,
Nornen kamen,
die dem Edlen
die Lebenszeit schufen;
sie bestimmten, dass dieser Heerführer
der berühmteste werde
und als der Fürsten
bester erscheine.[5]

„Skuld“ (wörtlich: Schuld, „skal“: sollen) ist auch bekannt als der Name einer Walküre.

Sá hún valkyrjur
vítt um komnar,
görvar að ríða
til Goðþjóðar;
Skuld hélt skildi,

Ich sah Walküren
weither kommen,
Bereit zu reiten
zum Rat der Götter.
Skuld hielt den Schild,

Ähnliche Schicksalsgöttinen gibt es auch in der griechischen (Moiren), der römischen (Parzen) und der slawischen Mythologie (Zorya).

Eine weitere Variante ist, dass die Nornen nicht das Geschick als solches bestimmen, sondern dass gute Nornen Gutes und böse Nornen Böses zuteilen.

„Góðar nornir ok vel ættaðar skapa góðan aldr, en þeir menn, er fyrir ósköpum verða, þá valda því illar nornir.“

„Gute Nornen aus vornehmem Geschlecht bescheren gutes Leben; wen aber Unglück heimsucht, der verdankt das den bösen Nornen.“

– Gylfaginning Kap. 15.

In diesem Urdabrunnen schwimmen zwei Schwäne, von denen alle weißen Schwäne abstammen:

„Fuglar tveir fæðast í Urðarbrunni. Þeir heita svanir, ok af þeim fuglum hefir komit þat fuglakyn, er svá heitir.“

„Im Urdabrunnen leben zwei Vögel, die heißen Schwäne, und von ihnen stammt die Vogelart dieses Namens.“

– Gylfaginning Kap. 16.

Oft werden die Nornen mit den Walküren verwechselt. Manchmal werden sie auch mit den Schutzgeistern Fylgja sowie den weisen Frauen volur und spåkonur vermischt.

Rezeption

Aufgrund der dem Schicksal naturgemäß innewohnenden Unwägbarkeiten gelten die Nornen als Ausprägung des ambivalenten Aspekts des sog. Mutterarchetyps im Sinne der Analytischen Psychologie Carl Gustav Jungs.

Im Vorspiel von Richard Wagners Götterdämmerung, dem letzten Teil seiner Tetralogie Der Ring des Nibelungen spielen die Nornen eine wesentliche Rolle. Sie erinnern an das in den drei Abenden vorher Geschehene, das Gegenwärtige und schließlich, während ihnen das Schicksals-Seil reisst von dem sie wie träumend die Runen ablesen, das nahe Ende der Götter, die hereinbrechende Götterdämmerung (Ragnarök).



Sif

Sif (altnord.: „Verwandte, Gesippin“) ist in der nordischen Mythologie die Gattin des Donnergottes Thor. Mit ihm hat sie eine Tochter, die ThrudUller, den sie mit in die Ehe brachte. Als ihr Loki einst das schöne, goldglänzende Haar hinterlistigerweise abgeschoren hatte, zwang ihn Thor, ihr von den kunstreichen Zwergen einen neuen Haarschmuck aus Gold („Kraft“). Außerdem hat sie einen Sohn, den schnellen Bogenschützen machen zu lassen, der dann wie anderes Haar wuchs.

In der romantischen Mythenforschung wurden die goldenen Haare als Symbol des reifen Ährenfeldes gedeutet, dessen goldener Schmuck in der Glut des Spätsommers abgeschnitten, dann aber von unsichtbar wirkenden Erdkräften neu gewoben wird. Doch scheint Sif in der nordischen Mythologie keine andere Funktion als blosse Gattin gehabt zu haben, wie ja auch ihr Name nahelegt.

Odin

Odin oder südgermanisch Wodan, altisländisch Óðinn, altenglisch Wōden, altsächsisch Uuoden, althochdeutsch Wuotan, gemeingermanisch*Wôðanaz, ist der Hauptgott in der nordisch-germanischen Mythologie und Religion, wie sie in den eddischen Dichtungen vorgestellt wird.

Etymologie

Der Name Wodan entstammt nach Ansicht mancher sprachwissenschaftlich geprägter Richtungen einem Wortgeschlecht, das eine westliche Dehnform zum indogermanischen *wat „anblasen, anfachen“, im übertragenen Sinn „inspirieren“, darstellt, verwandt mit altindisch vátati. Das mittelhochdeutsche und althochdeutsche wuot neuhochdeutsch Wut entstammt ebenfalls diesem indogermanischen Wortgeschlecht, entsprechend altnordisch ódr, mit der Bedeutung von „Stimme, Gesang, Leidenschaft, Dichtung“, verwandt mit gemeingermanisch *wōda „besessen, erregt“. Diese Bedeutungen sind charakteristische Darstellungen der Wesenhaftigkeit und der Handlungsmaximen Odins/Wodans. Die inspirierte, seelische Erregung kann sich auf die poetische Dichtung ebenso beziehen wie auf die Magie und deren Möglichkeiten im Krieg, indem die Gegner magisch verblendet wurden, oder auf die jähzornartige Berserkerwut.

Der Wochentag Mittwoch nimmt in anderen germanischen Sprachen nach der Interpretation respektive Anlehnung des römischen Vorbilds auf Wodan Bezug. Der „Wodanstag“ oder auch „Wodenstag“, „Woensdag“ im Niederländischen, wurde im Neuenglischen zum Wednesday, im Dänischen und Schwedischen vergleichbar „onsdag“, dem Odinstag. Die Entlehnung hängt mit der Übernahme der römischen 7-Tage-Woche durch die kontinentalen Germanen des 2.–3. Jahrhunderts zusammen. Der „Mittwoch“ stammt aus einer Lehnübersetzung des lateinischen dies Mercurii , Tag des Merkur, der als Äquivalent Wodans betrachtet wurde (siehe dazu Interpretatio Romana).

Herkunft

Als früheste Nachweise der Gottheit wurden Felsbilder in Skandinavien gedeutet, die übermannsgroße Figuren in phallischer Pose und mit einem Speer bewaffnet zeigen. Diese Deutungen sind aber umstritten und beruhen auf den spätheidnisch-skandinavischen schriftlichen sowie bildhaften Darstellungen Odins als einer mit einem Speer attributierten Gottheit neben Thor mit seinem Hammer und Tyr als Schwertgott.

Tacitus setzt Wodan mit Odin gleich und lehnt den Gott an den römischen Merkur an, den zuvor schon Caesar namentlich so erwähnt. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurde Wodan in der Germania Inferior durch Weihesteine geehrt, die in der Regel von Germanen gestiftet wurden, die in römischen Militär- oder Staatsdiensten standen. Die Steine tragen Inschriften, die den Namen Merkurs mit germanischen Begrifflichkeiten paaren, seien es Bezüge zu Örtlichkeiten, zu einzelnen Stämmen oder Namensformen mit anderen Bezügen. Beispielhafte Inschriften sind „Mercurius Cimbrianus“ – Wodan der Kimbern und „Mercurius Leudisius“ – als Wodan von Lüttich.[5]

Die Deutungen[6] der Felsbilder führten neben anderen Aspekten[7] in der Forschung zu einer ungeklärten Streitfrage. Auf der einen Seite die in Anlehnung an G. Dumézil und anderen[8]vertretene These, dass Wodan/Odin eine gesamtgermanische Götterfigur seit indogermanischen Zeiten her sei.[9] Und auf der anderen Seite die These der allmählichen Wanderung Wodans und dessen Kults,[10] die sich vor der Zeitenwende in dem niederrheinisch-nordwestdeutschen Raum bzw. Tiefebene entwickelte und ausbreitete und den alten Hoch- und Himmelsgott Tiwaz aus dessen Stellung verdrängte.[11] Und diese Prozesse angesichts der Auseinandersetzungen mit Rom und den innergermanischen Verhältnissen.[12]

Schriftzeugnisse im kontinental-germanischen Bereich sind spärlich, hauptsächlicher Nachweis sind hier spätere, zum Teil nach der Christianisierung verfasste Quellen (Edda)[13], die die im Brauchtum tief verwurzelten Erinnerungen an die heidnische vorchristliche Zeit und deren religiöse Riten und Mythologien reflektieren.[14] Zudem ist in den isländisch-eddischen Schriften des Hochmittelalters der Einfluss der Christianisierung und sowohl christlicher als auch griechisch-römischer Vorstellungen auch und gerade bei der Darstellung Odins zu erkennen[15].

Wodan in der kontinentalen Überlieferung

Wodan ist der bestbezeugte Gott bei den germanischen Stämmen und Völkern der Wanderungszeit, unter dem Gesichtspunkt der raren primären Quellenlage:

  • Alemannen: Die Runenfibel von Nordendorf (Anf. 7. Jh.) nennt die Götter Wodan und Donar. Ein weiteres Zeugnis berichtet von den irischen Missionaren Columban und Gallus (um 600), die bei Bregenz eine Gruppe vom Stamm der Sueben antrafen, die dabei waren, dem Wodan ein Bieropfer darzubringen.
  • Franken: Im zweiten Merseburger Zauberspruch erscheint Wodan als geschickter Magier, der das verletzte Pferd des Gottes Phol heilte.
  • Langobarden: Der Gelehrte Paulus Diaconus erzählt eine Sage, wie Frea ihren Mann Wodan überlistete.
  • Angelsachsen: Im Neunkräutersegen wird Woden namentlich angeführt und erscheint dort als möglicher Runenzauberer.
  • Sachsen: Das sächsische Taufgelöbnis nennt in dieser Reihenfolge die Götter Donar, Wodan und Saxnot.

Odin in der nordischen Mythologie

Odin ist eine der komplexesten Gestalten in der nordischen Mythologie. Odin wurde in den altnordisch-isländischen mythologischen Schriften und Sagatexten zahlreiche Beinamen beigefügt. In Form der so genannten Kenningars; siehe dazu Liste der Beinamen Odins.

Zusammenfassung aus der Lieder- und Prosa-Edda

Aus den salzbereiften Steinen leckte die Kuh Audhumbla den Riesen Bure; dieser bekam einen Sohn, Bör, welcher sich mit der Riesentochter BestlaVili und Vé zeugte. Die letzteren beiden verlieren sich aus der Asengeschichte, werden selten erwähnt und haben wenig getan; Odin aber waltet mächtig, schöpferisch, durch alle Zeiten hindurch, bis zum Weltuntergang – dem Götterschicksal Ragnarök. Die erste Tat der drei vereinten Brüder war, dass sie gegen den Joten Ymir auszogen, ihn erschlugen und aus seinem Leichnam die Welt bildeten. Die Welt war durch Ymirs Blut überschwemmt und es rettete sich nur ein Paar, der Riese Bergelmir und dessen Frau. Nachdem die Erde gebildet war, bevölkerte Odin diese, indem er ein Menschenpaar, Ask und Embla, erschuf. Allein das Riesengeschlecht pflanzte sich gleichfalls fort, und so war von Anfang an der Streit zwischen dem Guten und dem Bösen gelegt, in welchem auch Odin selbst untergeht, da er doch nur ein endlicher Gott ist. vermählte und mit ihr Odin,

Odin ist überaus weise. Sein Wissen verdankt er zwei Raben, Hugin und Munin, die auf seinen Schultern sitzen und ihm alles erzählen, was auf der Welt geschieht, weshalb er auch der Rabengott heißt; ferner einem Trunk aus Mimirs Brunnen, wofür er ein Auge verlor, daher auch der Einäugige genannt wird. Den köstlichen Skaldenmet wusste er sich durch seine List und männliche Schönheit von Gunlöda zu verschaffen, ist daher auch Dichterkönig und führt den Beinamen Liodasmieder (Liedermacher, Verseschmieder).

Odins Gattinnen und Geliebte sind: Jörd (Mutter des Thor), Rinda (Mutter des Vali), Frigga die Asenkönigin (Mutter des Balder, Braga, Hermode und Tyr), Grydur (Mutter des Vidar), neun reine Riesenjungfrauen von unendlicher Schönheit, welche alle neun, am Meeresstrand schlafend, zugleich Mütter des Heimdall wurden; Skade, früher Njörds Gattin (von O. Mutter des Semming und vieler anderer Söhne), Gritha (Mutter Skiolds); ferner erfreuten ihn mit ihrer Gunst die Riesentochter Gunlöda und Laga, die Göttin der Gewässer.

Odin wohnt in Asgard, wo er drei Paläste hat: Walaskialf und Gladsheim mit Walhall. Von dem ersten vermag er die ganze Welt zu überschauen; der zweite ist zu den Versammlungen des Götterrats bestimmt; darin befindet sich die Halle, in der sich um ihn alle Helden der Erde sammeln, um mit ihm gegen die den Weltuntergang herbeiführenden Mächte zu kämpfen. Diese Helden heißen Einherjer, werden auf dem Schlachtfeld (Walstatt) durch die Walküren mit einem Kuss zum Festmahl Odins eingeladen und erwarten dort unter fortwährendem Festgelage und Kämpfen die Götterdämmerung (Ragnarök).

Selbst ein Freund des Zechens und der Schlachten, lässt Odin sich stets von zwei Walküren, Rista und Mista, mit goldenen Pokalen bedienen und kämpft mit den Einherjern auf seinem achtfüßigen Ross mit einem nie das Ziel verfehlenden Speer; doch helfen ihm weder seine Helden noch seine Waffen: Der Weltuntergang bringt auch ihm den Tod.[16]

Odins Selbstopfer

Odin ist beharrlich auf der Suche nach Weisheit. Er gibt ein Auge als Pfand gegen einen Schluck aus Mimirs Brunnen, um seherische Kräfte zu bekommen. Er raubt von der Riesin Gunnlöd den Skaldenmet Odrörir und bringt ihn in Adlergestalt zu den Göttern. Als Opfer für die Menschen hängt er im Weltenbaum Yggdrasil, verwundet von seinem eigenen Speer. Er hängt dort während neun Tagen und Nächten („Vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, mir selber ich selbst, am Ast des Baums, dem man nicht ansehen kann, aus welcher Wurzel er spross“; aus Odins Runenlied 138), wobei er die Runen ersinnt (Odins Runenlied in der Hávamál der Lieder-Edda).

Magische Artefakte und Begleiter

Odin reitet jeden Morgen auf seinem achtbeinigen Ross Sleipnir und mit seinen beiden treuen Raben Hugin und Munin („Gedanke“ und „Erinnerung“) über den Morgenhimmel und erkundet die Welt. Seine Wölfe Geri und Freki („Gierig“ und „Gefräßig“) helfen ihm bei der Jagd. Er besitzt den goldenen Zwergen-Ring Draupnir und den Speer Gungnir, mit dem er den ersten Krieg in die Welten (Asgard, Midgard und Utgard, Wanaheim, Schwarzalbenheim, Lichtelfenheim, Helheim, Niflheim, Muspelheim) brachte, als er ihn ins Heer der Wanen warf. Weiterhin hat er den abgetrennten Kopf des Riesen Mimir, der die Zukunft vorhersagen kann. Von seinem Thron Hlidskjalf aus (er steht in Valaskjalf; siehe auch: Sökkvabekk oder Gladsheim) kann Odin alles sehen, was sich in der Welt ereignet.

Odin trägt einen Wunschmantel, der ihn an die Orte bringt, an denen er sich aufhalten will.

Brauchtum

Ausgehend von der Etymologie Wodans hat sich die Vorstellung im Volksglauben bis in die Neuzeit erhalten und tradiert, dass sich zur Zeit der Herbststürme Wodan in der wilden Jagd (dänisch-schwedisch Odensjakt) mit dem Heer der Verstorbenen durch den Himmel bewegt. Die wilde JagdAsgardareid. Odin und Frigg nehmen dort gemeinsam teil. Wodan als der Herr der Toten und Stürme (hier besonders die Herbststürme) kam bei den heidnischen Herbstfesten eine besondere Rolle zu. In den altsächsischen Siedlungs- und Sprachgebieten hielt sich bei Erntedankfeiern bis ins 16. Jahrhundert der Brauch, „Woden“ zu Ehren Bier als Trankopfer auszugießen und Tänze aufzuführen. heißt im Nordischen auch

Jacob Grimm zeigte, dass besonders Erntesprüche und damit verbundene Segenssprüche auf Wodan Bezug nahmen. Vor allem in den ehemaligen sächsischen Gebieten, dem heutigen Niedersachsen und Westfalen, aber auch den sächsischen Siedlungsgebieten in England, wo der Wodanskult tief in den Stammes-Sagen verwurzelt war und auf das tradierte Brauchtum bis in die Gegenwart abstrahlt. Grimm führte z.B. aus den mecklenburgischen und besonders aus dem schaumburg-lippischen Landen folgende Erntesprüche in den jeweiligen niederdeutschen Dialekten an[17]:

Mecklenburg:

„Wode, Wode, hale dinnen Rosse nu voder,
nu Diestel un Dorn,
ächter jar beter Korn!“

„Wode, Wode, hole deinem Rosse nur Futter,
nun Distel und Dorn,
über' s Jahr dessen Korn.”

Schaumburg:

„Wold, Wold, Wold !
Hävenshüne wei wat schüt,
jümm hei dal van Häven süt.
Vulle Kruken un Sangen hät hei,
upen Holte wässt manigerlei:
hei is nig barn un wert nig old.
Wold, Wold, Wold ! “

„Wold, Wold, Wold !
Himmelshüne weiß was geschieht,
vom Himmel er herunter sieht,
Volle Krüge und Garben gibt er,
im Walde wächst mancherlei:
Er ist nicht geboren und wird nicht alt.
Wold, Wold, Wold ! “

Wahrscheinlich wurde Wodan, außer der Trankspende, auf dem abgeernteten Feld Getreide stehen gelassen (regional z.B. in Ostwestfalen noch heute anzutreffen). Geistliche, die sich bis ins 19. Jahrhundert an solchen Riten beteiligten, erhielten als eigene Abgaben auch Getreideopfer zum Schutz der Feldfrucht[18].

Auf einer Synode im Jahr 813 ließ der Frankenkönig Ludwig der Fromme, Sohn Karls, den Michaelstag in die Woche des Festes für Wodan legen. Die zahlreichen Michaelskapellen in Norddeutschland weisen auf vermutete vorherige Wodansheiligtümer oder andere Kultplätze hin.[19] Des weiteren deuten Funde von Weihesteinen auf den Bezug zwischen Wodan und St. Michael hin. So wurden auf dem „Michelsberg“, der ein Vorberg des Heiligenbergs bei Heidelberg ist, Weihesteine gefunden, welche die Inschrift „Mercurius Cimbrianus“ und „Mercurius Cimbrius“ tragen, und somit auf alte Wodanskultstätten hinweisen, die zu christlichen Zwecken umgewandelt wurden. In der Regel wurde auch durch die Errichtung von Kapellen vor Ort die christliche Inanspruchnahme ausgedrückt.[20] Im selben Zeitraum setzte eine deutliche Dämonisierung seitens der christlichen Missionare ein, wie es beispielsweise im Wortlaut des sächsischen Taufgelöbnisses nachzuvollziehen ist. Dies war im Falle Wodan/Odins insofern naheliegend und erfolgversprechend, als der schamanistisch-widernatürliche Grundzug des Gottes in der religiösen Praxis der Germanen alltäglich gegenwärtig war. Diese Verteufelung Wodans, dessen Machtlosigkeit dem Heerführer Christus[21] gegenüber, erfüllte sich besonders auch durch das Bild des heldenhaften Erzengels Michael, der den Drachen/Satan besiegt.

lesenswert: http://www.vingilot.de/nor/odin_1.pdf
eine kurze Ethymologie  zu Odhinn-Wodan aus Vingilot- Beiträge zur Anthropologie von H.W. Jardner

Thor

Thor im Norden oder Donar bei den kontinentalen germanischen Völkern ist „der Donnerer“, ursprünglich als Gattungsname „der Donner“ (as.Thunaer, ags. þunor, ahd. Donar, an.Þórr von urn. þunraR „donnern“). Daraus erschließt sich der gemeingermanische Gottesname *Þunaraz.Thor/Donar fungierte für die zur See fahrenden Völker als wichtiger Gewitter- und Wettergott sowie in weiterer Funktion innerhalb der bäuerlichen germanischen Gesellschaft als Vegetationsgottheit. In den mythologischen eddischen Schriften hatte er die Aufgabe des Beschützers von Midgard, der Welt der Menschen.

Etymologie

Der Name der Gottheit ist eng verwandt mit anderen parallelen indogermanischen Gottheiten. „Jupiter tonans“, Zeus, der keltische Taranis, nutzte als Waffe den steinernen Donnerkeil, der durch den Blitzstrahl vom Himmel zur Erde geworfen wurde. Der Kampf, den Indra führte, ist atmosphärisch durch Blitz und Donner dargestellt. Der Begriff Himmel geht auf eine indogermanische Wortwurzel zurück, die Stein, Amboss bedeutet.[5] Vom gemeingermanischen *Þunraz wird gesagt (beispielsweise Zeus), dass dessen Donner dem Fahren eines Wagens gleicht, wie über ein Gewölbe (ags. Þunorrād = Donnerfahrt).[6] So geht der germanische Name des Gottes gleichlautend mit dem des Naturphänomens appellativ auf eine Wortwurzel zurück, die einen Schalllaut darstellt, welchen speziell Wörter für „Donner“ und „donnern“ wortgleichend aufweisen; ig. *(s)tenH2- . Hierzu als erläuternder Vergleich lat. tonare „donnern“. Þónarr „donnern“, ai. tanyu „donnernd“, ags. Þunian ebenfalls „donnern“.[A 1] Auffallend ist die zweisilbige Namensform im kontinental-germanischen Bereich, wo hingegen in der nordischen Form der Name nur einsilbig ist.[7]

Der Wochentag Donnerstag (engl. thursday, dän./schwed. torsdag) ist nach Thor/Donar benannt. Der Tag war bereits in der Antike den Göttern Zeus bzw. Jupiter geweiht (lat. dies Iovis, davon auch franz. jeudi, span. jueves, italien. giovedì) und wurde mit der Übernahme der ursprünglich babylonisch/ägyptischen 7-Tage-Woche[A 2] durch die Germanen dem lateinischen Begriff nachgebildet.[8]

Herkunft und indogermanische Parallelen

Bei den indogermanischen Sprachvölkern, und über sie hinaus, hat der Himmelsgott Blitz und Donner in seiner Gewalt. Thor/Donar entstand vermutlich durch Abspaltung beziehungsweise Trennung der Funktion als Beherrscher der Naturphänomene Blitz und Donner von diesem Himmelsgott.[9][A 3] Aus den ererbten nur in Grundzügen erschließbaren indogermanischen Urreligion entwickelte sich die Gottheit in Ihrer Vorstellung unter regionalen kulturell-religiösen Schwankungen bei den germanischen Völkern fort.[10] Nach der Theorie von Dumezil haben die drei Hauptgötter bei den indogermanischen Völkern jeweils eine Funktion, der donnernde Himmelsgott hat die erste Position inne. Bei den Germanen hat sich die Gestalt des Donnerers von der des Himmelsgottes gesondert, so dass er die zweite Funktion der „Stärke“ ausfüllt.

Die Vorstellung des hammerschwingenden, wagenfahrenden Wetter-/Donnergottes ist ein uraltes Gottesbild; der hethitische Tarhunna wird identisch geschildert als wagenfahrende, hammerschwingende Gottheit. Wird Thors Wagen von Böcken gezogen, so sind es bei Indra rötliche oder falbe Pferde, auch dessen Waffe, eine Wurfkeule, wurde von einem niederen Wesen gefertigt. Diese Keule kehrt wie Thors von dem Zwerg Sindri gefertigter Hammer nach dem Wurf von selbst in die Hand des Gottes zurück.

In zahlreichen skandinavischen Felszeichnungen und Abbildungen in Steingräbern sind männliche Figuren wiederzufinden, die einen Hammer oder vielmehr Äxte (Doppeläxte) bzw. Beile erheben,[11] oftmals in phallischer Pose (z.B. Grab von Kivik), weshalb sie auch als göttliche Wesen gedeutet werden.[12] Im indogermanischen Vergleich ist festzustellen, dass die verwandten Donnergottheiten von Thor/Donar zwischen Axt, Hammer und Keule tendieren. Ein Amulett mit der Darstellung des Thorshammers im nordgermanischen Raum bzw. der Donarskeule im südgermanischen Raum galt in spätheidnischer Zeit besonders bei Frauen als Fruchtbarkeitssymbol (Grabungsfunde in Haithabu) und taucht als solches erst zu dieser späten Zeit nach den Petroglyphen wieder auf.[13]

Eine weitere Parallele zu anderen indogermanischen Mythen ist der Drachen- bzw. Schlangenkampf,[14] den der Donnergott austrägt. Bei Thor ist es die Auseinandersetzung mit der Midgardschlange, bei den Griechen Apollon mit Python und Herakles gegen Hydra, der hethitische Gott Tarhunna und die Schlange Illuyanka, und in der indischen Mythologie der Kampf des Gottes Indra mit dem Vrithra-Drachen. Dieser wird in den Rigveden mit immer neuen Hymnen gepriesen. Das Besingen des Drachenkämpfers und Ungeheuerbezwingers im Mythos ist in allen genannten Kulturen evident; es handelt sich um kultsymbolische Kämpfe, die zum prägenden religiösen Typus wurden.[15] Eine weitere mythische Parallele teilen sich Thor und Indra durch den Hrungnirmythos. Der Kampf Thors mit dem Riesen der ein dreizackiges Herz aus Stein hat, gleicht dem Kampf Indras gegen das dreiköpfige Ungeheuer Trisiras.[16]

Eine auffällige Parallele besteht in der Form des Dialoges, den Thor mit Odin beispielhaft im „Hárbarðslióð, Harbads-Lied“ führt, und den Dialogen, die Indra mit Varuna laut den Rigveden führt. Nach Dumézil stellen diese Dialoge keinen aggressiven Konflikt der unterschiedlichen Kulte dar, sondern eine uralte Dialogform, basierend auf den unterschiedlichen Naturen der Götter innerhalb ihrer strukturellen Funktionsbereiche.[17] Die meisten anthropomorphen Züge teilt Thor mit Indra hinsichtlich der Haare und dem Tragen eines Bartes. Indra wird als blondhaarig und mit einem blonden Bart in den Rigveden geschildert, Thor wird der „Rotbart“ genannt (Þrymskviða, Thrymlied),[18] und auch vom Wesen her gelten beide als menschenfreundlich.[19]

Frühe römische Kaiserzeit – 1. bis 3. Jahrhundert

Aus der vorhistorischen Zeit sind bei den Germanen durch archäologische Funde – neben den nur bedingt geltenden skandinavischen Felszeichnungen – die anthropomorphen sogenannten Pfahlgötzen Zeugen eines gewissen Götterkultes, ohne Bezug zu einer namentlich später fassbaren Gottheit, insbesondere des Kultes für eine Donnergottheit (siehe Artikel Germanen#Germanische_Religion). Dies ändert sich durch den Kontakt der Germanen mit dem mediterranen römisch-hellenistischen Kulturkreis. Durch die Erfassung der Kultur aus frühen Expeditionen heraus und folgenden von Soldaten als quasi „Frontberichte“ beschriebene Eindrücke, bis hin zu umfassenderen Abhandlungen, und somit der Eintritt in die Historizität.

Tacitus beschreibt im Kapitel 9 seiner Ethnographie Germania, einem Überblick der Religion der Germanen, zumindest die religiösen Verhältnisse, welche aus der Rheinlage der Germania Inferior heraus den Römern bekannt waren. Er nennt die Germanischen Hauptgötter in römischer Interpretation. Aus der Nennung des Herkules lässt sich Donar ableiten, obwohl der germanische Name erst durch Runeninschriften aus der Zeit der Völkerwanderung verifizierbar ist (Nordendorfer Runenfibel) und andere spätere Quellen Donar zu Jupiter stellen.[A 5] Tacitus zog Parallelen zur Figur des Hercules für den vergleichenden römischen Betrachter vermutlich aus den erkannten Wesensmerkmalen heraus. Als Verkörperung der Kraft ähneln sie sich auch in ihren Attributen, die des Hammers und der Keule und analog dazu auch ihrer Trink- und Essfreudigkeit, welche bei Thor aus den späteren nordischen Quellen überliefert ist. Darüber hinaus schildert Tacitus, dass die Germanen bei der „Herculesverehrung“ diesen durch die Begrifflichkeit „Barditus“ besangen[20] und dies besonders auch vor einer Schlacht.[21] In attischer Urzeit wurde den Athenern durch das delphische Orakel geraten, den Paian (Παιάν) als mythische Beschwörung des Sieges zu singen. Dieses Singen des Paian geht auf den Apollon-Mythos und dessen siegreichen Kampf mit Python zurück.[22] Dieter Timpe sieht durch die kompositionelle Stellung dieser Hercules-Erwähnung in Kap. 3, es weder als ergiebig noch naheliegend, zur Nennung des Hercules in Kap. 9 eine zwingende theologisch-systematische Verbindung zu sehen.[23]

Hercules/Donar wurden nach Tacitus Tieropfer dargebracht. In welchen religiös-kultischen Zusammhängen bleibt Tacitus unbestimmt, und er verallgemeinert die Opferhandlungen zu einer Gnädigstimmung der Gottheit.[24]

„Deorum maxime Mercurium colunt, cui certis diebus humanis quoque hostiis litare fas habent. Herculem et Martem concessis animalibus placant.“

„Von den Göttern verehren sie am meisten den Merkur; sie halten es für geboten, ihm an bestimmten Tagen auch Menschenopfer darzubringen. Herkules und Mars stimmen sie durch bestimmte Tieropfer gnädig.“

– Tacitus, Germania, Kapitel 9, 1

Die aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert gefundenen Weihesteine und Münzen tragen lateinische Inschriften, die Donar gewidmet waren. Eine sehr große Verehrung erfuhr er von den Batavern im Raum Nijmegen. Die Inschriften geben mehrheitlich die Namensform Hercules Magusanus[25] In seinen Annalen (II, 12, 16) nennt Tacitus ein dem Donar gestiftetes Heiligtum, welches bei einer Örtlichkeit Idistaviso östlich der Weser gelegen sei.[A 6] wieder.

„Caesar transgressus Visurgim indicio perfugae cognoscit delectum ab Arminio locum pugnae; convenisse et alias nationes in silvam Herculi sacram ausurosque nocturnam castrorum oppugnationem. [...] Sic accensos et proelium poscentis in campum, cui Idistaviso nomen, deducunt. is medius inter Visurgim et collis, ut ripae fluminis cedunt aut prominentia montium resistunt, inaequaliter sinuatur.“

„Caesar (Germanicus) erfuhr nach Überschreiten der Weser aus dem Bericht eines Überläufers, dass Arminius ein Schlachtfeld ausgewählt habe, dass auch andere Stämme in einen dem Hercules heiligen Hain zusammengekommen seien und einen nächtlichen Angriff auf das Lager wagen würden. [...] Als sie so begeistert die Schlacht forderten, führte man sie auf ein freies Feld namens Idistaviso hinunter. Dies liegt in der Mitte zwischen dem Visurgis und den Hügeln und zieht sich in ungleichen Krümmungen hin, je nachdem die Ufer des Flusses zurücktreten oder Bergvorsprünge sich vorschieben.“

– Tacitus, Annalen, 2, 12, 16

Von solchen Heiligtümern, beziehungsweise heiligen Hainen, die einer „männlichen“ Gottheit geweiht waren, ist neben dem Stammesheiligtum der Semnonen, ebenfalls von Tacitus (Germania Kap. 39) erwähnt, für diese Zeit nur der cheruskische Hercules/Donar Kultort schriftlich belegt.Günther Behm-Blancke wertet in der Zusammenfassung der Quellen aus der frühen römischen Kaiserzeit, dass in solchen Heiligtümern, also auch auf den Hercules/Donar–Hain bezogen, Götterbilder (Idole) und Altäre errichtet wurden, Opferhandlungen durchgeführt wurden und daneben als Aufbewahrungsort für heilige Gegenstände und Kriegsbeute, sowie als Versammlungsort (Thing) dienten.[26]

Für die Ostgermanen, die gotischen Völker, ist auf Grund der allgemein schlechten Quellenlage für die davor grobgefasste römische Kaiserzeit und nachfolgende Völkerwanderungszeit kein direkter Nachweis eines Gewittergottes möglich. Lediglich einige Berichte von antiken Chronisten und Historikern lassen Verbindungen zu bedingtem religiös motiviertem Verhalten zu.[27] Beispielsweise berichtet Titus Livius über eine Schlacht im Jahre 179 v. Chr. zwischen den Bastarnen und Thrakern um einen von diesen besetzten Berg. Die angreifenden Bastarnen wurden durch ein plötzliches Gewitter verjagt, und gaben nach Livius selbst an, dass die Götter ihre Flucht verursacht hätten.

Ammianus Marcellinus berichtet, dass bei der Schlacht von Adrianopel im Jahr 378 die Goten ebenfalls durch ein Gewitter zerstreut wurden. Ob eine religiöse Furcht vor einer bestimmten Gottheit oder lediglich eine abergläubische Angst vor diesem Naturphänomen einen tatsächlichen Bezug zu einer Gottheit der betroffenen Goten belegt, ist nicht feststellbar – ganz abgesehen von der Glaubwürdigkeit solcher Berichte.[A 7]

Donar/Thor in der früh- und spätmittelalterlichen Überlieferung

Die Vorstellung von Donar/Thor ist unter den germanischen Völkern einheitlich; dennoch gab es durchaus Entwicklungen und Veränderungen, besonders in der römischen- und der Wikingerzeit sowie in der Epoche der Völkerwanderung, in denen beispielsweise Unterschiede in den Positionierungen der Ränge auffallen. Der Kult um Odin nimmt nach einer Annahme von Teilen der Forschung von Süden nach Norden wandernd die höchste Stellung ein und verdrängt den alten Himmelsgott Tyr, dem auch Thor zumindest in der skaldischen Poesie untergeordnet wird.[A 8]

Mit der frühen und intensiven Christianisierung der kontinentalen germanischen Stämme und Völker geht eine Ausmerzung von Schriften nicht-christlichen Inhalts einher. Tiefergehende Aufschlüsse des durch die Christen so betitelten „germanischen Heidentums”, insbesondere zu Donar/Thor, lassen wegen der hauptsächlich klerikal geprägten Quellen des frühen Mittelalters nur eine bedingte Aussagekraft über Donar/Thor zu.

Für die hauptsächlich nordwestnordisch-skandinavischen schriftlichen Quellen aus Island und Norwegen gilt das Problem der Christianisierung, die zwischen ungebrochener Religiosität und „heidnischer Zeit” sowie deren Praxis in Kult und Ritus lag. Die Niederschriften lassen sich für die Zeit vom 11. bis zum 13. Jahrhundert zuordnen. Das hatte unmittelbaren Einfluss auf die mythischen Überlieferungen der eddischen Schriften und Sagas. Die heutigen Kenntnisse über Thor sind größtenteils diesem Schriftum entnommen, jedoch von christlichen Einflüssen nicht unberührt geblieben und deshalb aus christlicher Perspektive verfasst.[28]

Zu den schriftlichen Quellen unterschiedlicher Arten und Zeiten kommt der archäologische Bericht und die Auswertung von Funden, beziehungsweise deren Deutungen. Runeninschriften und Ikonographien auf Gütern und Objekten unterschiedlicher Art und Materialien können die schriftlichen Quellen aus Prosa und Mythologie zu Donar/Thor ergänzen, aber auch in Frage stellen, oder diese offen unbeantwortet lassen. Wichtige Beiträge hat die Ortsnamenforschung über den gesamten germanischen Sprachraum ergeben, da diese mit Abstrichen und Vorsicht auf ehemalige Kultorte schließen lassen, die Donar/Thor geweiht waren. Solche Orte finden sich vor allem in Dänemark, England, Island, Norwegen und Schweden.[29]

Kontinental-Westgermanische Zeugnisse

Jan de Vries vermutet bei den relativ früh zum Christentum bekehrten merowingischen Franken eine Nachwirkung von alten abgelegten heidnischen Traditionen, die in Verbindung zu Donar stehen, welche entweder auf tatsächlichem religiösen Kult oder zumindest auf daraus entwickeltem Aberglauben beruhen. Chlothar I. sollte im Jahr 537 durch seine Brüder ermordet werden. Da die Umsetzung des Planes durch ein Gewitter scheiterte, warfen sich die Brüder samt Gefolge zu Boden und baten den christlichen Gott um Verzeihung ob der versuchten Freveltat gegen Chlothar.[30]


„Loga†ore W¿dan Wigi†onar awa LeubwiniÛ“

„Loga†ore, Wodan [und] Donar, [gebt] göttlichen Schutz der Leubwinia!“

– Helmut Arntz, Handbuch der Runenkunde. 2. Auflage. Halle/Saale 1944

„Loga†ore W¿dan W³g(i)†onar (A)wa (L)eubwini“

„Loga†ore (=Ränkeschmied) - W¿dan - W³gi†onar (=Weihe-ðonar) - Awa [und] Leubwini [schenken]“

– Wolfgang Krause, Herbert Jankuhn, Die Runeninschriften im älteren Futhark. Göttingen 1966

Die Namensform Donars in Verbindung einer funktionalen Weihung beziehungsweise die Identifikation der Gottheit mit dieser Eigenschaft für die Menschen im alemannischen Spektrum findet sich in Skandinavien zur Wikingerzeit in runischen Inschriften bestätigend für die dortigen Kulturen wieder. Die Germanisten und Runologen Klaus Düwel und Wolfgang Krause deuteten hingegen die Wendung Logatore als Ränkeschmied(e), Lügensprecher. Es besteht die Möglichkeit, dass entgegen einer Weiheformel bezüglich Donars ein christlicher Bannspruch aus der Zeit des Religionswechsels hinsichtlich des Wechsels der Zugehörigkeit zum nun christlichen Gott vorliegt.[32]

Im sächsischen Taufgelöbnis des achten Jahrhunderts, einer Abschwörungsformel vom tradierten paganen Glauben, wird Donar in angelsächsischerTranskription als Thunaer zusammen mit anderen Göttern erwähnt.

„[…] end ec forsacho […] Thunaer ende Uuoden ende Saxnote ende allum them unholdum“

„[…] und ich entsage […] [dem] Donar und Woden und Saxnot und allen Unholden.“

– Sächsisches Taufgelöbnis, Capitularia regum Francorum, Monumenta Germaniae Historica

Der langobardische Gelehrte Paulus Diaconus erwähnt in einem Gedicht über den dänischen König die Götter Waten und Thonar. Die Formen der Namen zeigen aber oberdeutsche Formen und nicht nordische.

In angelsächsischen Glossen klerikaler Herkunft wird Þunor als Jovem Þuner, Jupiter Þuner sowie Þor und Þūr genannt.[A 10] Orts- und Flurnamen in England, welche auf die altenglische Namensform Þunor zurückzuführen sind, und in der Endung auf Quellen oder feuchte Niederungen hinweisen, lassen es zu, auf der Gottheit ehemals geweihte Kultorte rückzuschließen. Beispielsweise werden in Handschriften Orte wie Þunres lēa (lēa, lēah in der Bedeutung von Hain), oder Þunorslēge sowie Þunrēs feld genannt, moderne Entsprechungen finden sich in Thundersley in Essex und Thundersfield in Surrey. In den sächsischen und jütischen Siedlungsgebieten basieren die Orts- und Flurnamen auf der angelsächsischen Namensform, während im anglischen Bereich, welcher später unter dänischem Einfluss stand, die nordische Form des Gottesnamens vorherrscht. Bei dem Ort Burnsall in Yorkshire wurde daher auch ein Quellort dem Thor als Thor's Well geweiht.[33] Neben den Ortsnamen und den damit in Verbindung stehenden Kulten und Mythen zeigen auch nachwirkende Wendungen in der altenglischen Literatur, dass die gemeingermanischen Vorstellungen des Gottes auch von den Angelsachsen geteilt wurden. Nach Ernst Alfred Phillippson weist eine Phrase aus dem Text der altenglischen Erzählung „The Prose of Salomon and Saturn“ auf diese gemeinen Vorstellungen hin:

„Se ðunor hit (ðæt deofol) ðrysceð mid þære fyrenan æcxe“

„Der Donner zerschmettert ihn mit feuriger Axt“

– Germanisches Heidentum bei den Angelsachsen, Köln 1929 S. 144–145

Kontinentale Orte und Ortsnamen wie der Donnersberg in Rheinland-Pfalz lassen auf Kultorte für Donar rückschließen. Beim Donnersberg – nicht bei allen Donnersbergen, da das Naturphänomen durchaus und in der Regel ursächlich namengebend war – führten die Germanen vermutlich die sakrale Nutzung des Ortes durch die vorher dort ansässige keltische Bevölkerung nach deren Verdrängung fort. Ähnliche Muster lassen sich in England feststellen und ebenso am Kontinent, beispielsweise auf dem Heiligenberg bei Heidelberg in der Weiternutzung für den Wodankult.[34]

Kirchliche Verbotsschriften, wie zum Beispiel die in Kruzform bezeichneten Indiculien, untersagen den neubekehrten Menschen den gewohnten und tradierten Kult und die darin enthaltenen Opfer an Donar. Diese benennen Donar in lateinischer Form wie in den angelsächsischen Glossen mit Jovem, Jovis, also als Jupiter.[35] Das wohl bekannteste dem Donnergott geweihte Heiligtum war die Donareiche (im Text: robur Iovis) bei Fritzlar in Nordhessen, die Bonifatius im Jahre 723 fällen ließ. Bonifatius beklagte in einem Brief an den Papst Gregor III., dass relativ neubekehrte und im Priesterstand stehende Personen zum Brauch der Donarsopfer zurückkehrten.[36]

„De sacris Mercurii vel Jovis ... De feriis quae faciunt Jovi vel Mercurio.“

„Über Opfer an Merkurius (Wodan) und Jupiter (Donar)... Über Feiern, die sie für Jupiter und Merkur veranstalten.“

– Indiculus c. 8, 20, Capitularia regum Francorum, Monumenta Germaniae Historica[37]

Das Thorsberger Moor im schleswig-holsteinischen Ort Süderbrarup gilt als zentrales Stammesheiligtum der Angeln. Vermutlich dem Donar geweiht entstammt der heutige Name ebenfalls wie teilweise in England dem dänisch-nordischen Einfluss. Ob die Angeln nur Donar Opfer darbrachten oder auch anderen Gottheiten bleibt ungeklärt. Jedoch lassen die Artefakte gewisse Rückschlüsse auf die besonderen Anlässe beziehungsweise Umstände durch beispielsweise dargebrachte Waffenopfer zu. Die Opfertätigkeit endet im 5. Jahrhundert mit der Abwanderung großer Teile des Stammes auf die britische Insel.[38]

Auf einem sächsischen Friedhof im niedersächsischen Ort Liebenau bei Nienburg an der Weser wurden in Gräbern von Frauen Donarskeulen als Beigabe gefunden. Dies zeigt die besondere Funktion Donars als Fruchtbarkeitsspender sowie seine kultische Verehrung unter den Sachsen auf vergleichbare Weise wie bei anderen germanischen Völkern.[39]

Nordgermanische Zeugnisse

Um 1075 lieferte Adam von Bremen eine Beschreibung der Attribute und Eigenschaften Thors in seiner Geschichte des Bistums Hamburg (Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum). So schreibt ihm der Historiograph etwa die Steuerung von Wind und Regen zu. Diese Beschreibungen Thors stehen im Kontext der aus Sicht des klerikalen Schreibers heidnischen Kulte um den Tempel von Uppsala.

„Thor praesidet in aere, qui tonitrus et fulmina, ventos imbresque serena et fruges gubernat. […] Si pestis et fames imminent Thor idolo libatur …“

„Thor hat den Vorsitz in der Luft, er lenkt Donner und Blitz, gibt Wind und Regen, heiteres Wetter und Fruchtbarkeit. […] Wenn Pest und Hungersnot drohen, wird dem Götzen Thor geopfert …“

– Hamburgische Kirchengeschichte, Buch IV, Kapitel 26, 27[40]

In Norwegen und Island wurde Thor als wichtigster Gott verehrt, und das vor allem von der bäuerlich lebenden Bevölkerung. Er ist, wie der schwedische Religionshistoriker Ake Viktor Ström hervorhebt, der „Sohn der Erde“, altnordisch Jarðar burr oder Jarðar sunr,[A 11] und wird in Folge von diesen Menschen als erdverbunden gedacht und empfunden und mit der Fruchtbarkeit von Feld und Flur unmittelbar eng in Bezug stehend.[41]skaldische Versdichtung im 9. und 10. Jahrhundert.[A 12] Gleichwohl finden sich in einigen skaldischen Gedichten zentrale mythische Themen, die mit Thor verbunden sind und zeigen, wie populär diese waren. Für die spätheidnische Zeit gewann Thor für die Wikinger, also die Gruppen von Nordgermanen, die auf Beutefahrt gingen, zusätzlich einen kriegerischen Aspekt beziehungsweise eine funktionelle Bedeutung. Dies vermutlich aufgrund der Verkörperung der Kraft, die in Thor für diese Menschen offenkundig war.[42] Die Schilderung Odins als höchsten Gott und dessen Verehrung war in Skandinavien vor allem eine höfische Sitte durch die spätheidnische

„Wenn sie (die Normannen) auf Beutezüge und Herrfahrten auszogen, pflegten sie früher zu opfern, im Dienst an ihrem Gott Thur.“

– Dudo von Saint-Quentin, De moribus et actis primorum Normanniae ducum 1, 2[43]

Thor waren Tempel, Quellorte und Haine geweiht; Ortsnamen, die auf Thors Namen zurückgehen, sind noch heute in Gebrauch. In Schweden, Norwegen und Island überwiegen sie im zahlenmäßigen Vergleich vor allen anderen theophoren Ortsnamen.[44] Jedoch muss man bei direkten Rückschlüssen auf die Gottheit Vorsicht walten lassen, da Ortsnamen, gerade bei Thor, auch auf Personennamen zurückzuführen sind. Daher sind Ortsnamen mit kultischem Bezug solche, die eine Kombination darstellen aus Thor und Begriffen, die in sakralen Kontext stehen wie altnordisch -hof-lund(r), -harg, -vi und andere Begriffe für einen Tempel oder Hain.[45] und

„Þorgrímr reisti bú um vórit at Hofi … Þar stód Þórr í miðju ok önnur goð á tvær hendr;“

„Er (Thorgrim) ließ einen großen Tempel in seinem umhegten Hofplatz errichten … Da stand in der Mitte Thor und andere Götter zu beiden Seiten.“

– Kjalnesinga saga, Kapitel 2[46]

„...Hallstein und die Leute von Reykjanes hatten einen Thorstempel dort im Westen errichtet, nachdem ein großer Baum an sein Land getrieben war, als er geopfert hatte. Und dahin entrichteten sie ihren Beitrag.“

– GullÞórissaga c. 7[

Beim südnorwegischen Ort Thorshof lag einst ein Tempelheiligtum, das Thor geweiht war und von der bäuerlichen Bevölkerung genutzt wurde im Sinne der Funktion, welche die Gottheit primär für diese Menschen inne hatte. In diesen Tempeln oder an anderen sakralen Orten wurden gemäß der Aussagen der schriftlichen Quellen der Sagaliteratur Thor beschnitzte Pfähle geweiht und durch Votivgaben Opferhandlungen dargebracht.[A 13] Aussagen zu etwaigen Menschenopfern in diesen Quellen der Sagaliteratur und Berichten von klerikalen mittelalterlichen Chronisten sind als unsicher zu werten.

„Ihm (Thor) brachten sie nicht etwa Haustiere, auch nicht Viehherden, ebensowenig Wein oder Feldfrüchte dar, sondern sie opferten immer Menschenblut; denn sie hielten es unter allen Opfern für das wertvollste.“

– Dudo von Saint-Quentin, De moribus et actis primorum Normanniae ducum 1, 2[48]

Zutreffender sind Opferungen von Tieren, gerade in Hinblick auf die mythische Verbindung von Thor zu dessen Ziegenböcken. Nach Rudolf SimekReminiszenz von Thorsopfern sein welche archaischer wirken als die Angaben christlicher Autoren und deren phantastischen Berichte von Menschenopfern“ (Lexikon der Germanischen Mythologie, Seite 420, Stuttgart 2006). könnte die unten beschriebene Szene der Opferung der Ziegenböcke und deren Wiederbelebung eine „

Weitere Zeugnisse, die einen Bezug zu Thor herstellen, sind Bildsteine, Runensteine und einige wenige Brakteatfunde beziehungsweise Amulette im skandinavischen Raum, vor allem hierbei durch die runische Namensnennung in Form von Inschriften. Sechs Steine aus Dänemark und Schweden tragen die Abbildung des Thorshammers. Runensteine, welche die Thorverehrung mit der transliterierten Weiheformulierung „Þur uiki – Thor weihe“ bezeugen, sind vier wikingerzeitliche Exemplare aus beiden Ländern. A. V. Ström sieht diese Weiheformeln und gleichlautende literarische Motive als deutliches Anzeichen der besonderen Fruchtbarkeits- und Schutzfunktion Thors.[49]

„Þur uiki þisi kuml“

„Thor, weihe diese(n) Grabhügel.“

– Runenstein von Virring

Bildsteine sind dann sicher auf Thor zu beziehen, wenn eine Kombination mehrerer vorliegender Merkmale eine Identifikation ermöglicht. Auf dem Altunastein aus der schwedischen Region Uppland, dem nordenglischen Gosforth Kreuz sowie auf dem jütländischen Steinblock in der Kirche von Hørdum in Thy und auf dem gotländischen Bildstein „Ardre VIII“ ist die unten beschriebene mythische Szene abgebildet, in der Thor hammerschwingend mit der Midgard-Schlange kämpft.[51] Andere Bildsteine greifen den Hrungrimythos thematisch auf, indem sie das dreizackig-verwinkelte Hrungnir-Herz in szenischen Motiven zeigen, und somit dadurch indirekt die Präsenz Thors bei den Menschen verdeutlicht wird.[A 14] Ein Amulett aus Sigtuna bezieht sich ebenfalls auf den Kampf, den Thor mit den Riesen allgemein ausführt. Die Inschrift lautet: „Þur sarriþu þursa trutin – Thor verwunde dich, Herr der Riesen“.[52]

„Þur uigi þik þorsa trutin“

„Thor weihe dich, der Herr der Riesen.“

– Handschrift aus Canterbury

In die auslaufende heidnische Zeit fällt die Besiedlung Islands. Die spätere Sagaliteratur greift dieses Ereignis häufig aus der mittelalterlich-christlichen Perspektive auf. In dem Landnámabók (Kapitel 73) wird berichtet, wie der erste Siedler zur Bestimmung des idealen Siedlungplatzes eine hölzerne Hochsitzsäule öndvegissúlur mit geschniztem Thorsbild (þar var skroinn á Þórr) in das Küstengewässer warf und nachforschen ließ, wo diese Säule angelandet war. Dort errichtete man die neuen Hofstellen und baute für Thor einen neuen Tempel (gerði þar hof mikil ok helgaði Þórr). Wegen der Funktion und Bedeutung Thors für die Menschen stellten diese agrarischen Gemeinschaften sich durch die kultische Handlung unter dessen Schutz, aus ihrem natürlichen Gefühl und Bewusstsein der religiösen Bindung heraus. Von einem dieser ersten Siedler namens Thorolf Mostrarskegg, der ein großer Opferer (blótmaðr mikill) und Verehrer von Thor war (trúði á Þórr), wird in der Saga berichtet, nachdem er ein Orakel befragt hat:[53]

„Viele seiner Freunde entschlossen sich mit ihm zur Fahrt. Er brach den Tempel ab und nahm das meiste Holz, aus dem er gebaut war, mit sich, und ebenso die Erde unter dem Altar, auf dem Thor (als Idol) gesessen hatte. Danach stach Thorolf in See … Da warf Thorolf seine Hochsitzpfeiler über Bord, die in dem Tempel gestanden hatten; in einen von ihnen war ein Bild Thors geschnitzt. Er bestimmte, dass er sich dort auf Island ansiedeln wolle, wo Thor sie an Land kommen ließe … Er nahm Land im Süden des Fjordes … Danach suchten sie das Land ab und fanden, dass Thor an einem weiter nach dem Meer zu gelegenen Vorgebirge … mit den anderen Pfeilern an Land gekommen war. Das hieß seitdem Thorness.“

– Eyrbyggja saga, Kapitel 4[54]

Ungefähr ein Viertel der Personennamen von den Siedlern, die im Landnámabók aufgelistet werden, basieren auf Thor. Nach Rudolf Simek weist dies neben den starken Familientraditionen besonders auf die massive Thorverehrung im Ursprungsland Norwegen hin. Jan de Vries führt aus, dass von den 4000 Personennamen, die dem Landnámabók zu entnehmen sind, 984 mit Thor zusammengesetzt sind, und dass die Bedeutung sich besonders dadurch verdeutlicht, dass im Gegensatz dazu lediglich vier Namen auf Freyr basieren – und kein einziger Name auf Odin zurückzuführen ist. [55]

„Thor ist ein Gott, zu dem der heidnische Germane in all seinen Handlungen Zutrauen hat, dessen Hilfe er immer gewiss ist, der treue Freund, der ihn durch das ganze Leben begleitet und unter dessen Hammerzeichen er die letzte Ruhe findet.“

– Jan de Vries, Altgermanische Religionsgeschichte, 3. Auflage Berlin 1970, Band 2, S. 152

Aus der Zeit der Christianisierung der nordwestlichen Regionen Skandinaviens treten deutliche Formen von Synkretismus auf, in welchen die tradierte Anhänglichkeit an Thor besonders in Not- und Gefahrensituationen gegenüber dem formal bekannten christlichen Glauben in den Vordergrund gelangt. Einer der Siedler, Helgi, in der Eyrbyggja saga geschildert, war ein Christ vertraute jedoch bei Seefahrten bewust auf Thor. Ein Textauszug aus der Oláfs saga Tryggvasonar zeigt in der Schilderung einer Begegnung von König Olaf Tryggvason mit Thor und durch die Äußerungen des Gottes einen Nachhall der alten paganen Religion und gleichzeitig, wie sie – personifiziert durch Thor – abgelegt wurde. Olaf Trygvason begegnet bei einer Segelfahrt an der Küste auf einem Felsen stehend einem rotbärtigen stattlichen Mann (Thor), bittet diesen an Bord des Schiffes, um dessen alte Geschichten erzählt zu bekommen:

„Hann svarar: „Þar tek ek þá til, herra! at land þetta, er vér siglum nú fur, var byggt forðum daga af risum nǫkkurrum, en risar þeir fengu með atburð brádðan bana, svá at þeir dó náliga allir senn, svá at eigi varð meirr eptir en konur tvær; síðan tóku menn af austrlǫndum at byggja land þetta, en þær enar miklu konur veittu því fólki mikinn yfirgang ok úmaka, ok þrǫngðu þeira manna ráðí, er landit bygðu, alt þar til er landsmenn tóku þat ráð at heita á þetta hit rauða skegg til hjalpar sér, en ek greip þegar hamar minn, ok sló ek þær báðar til bana, ok hefir þetta landsfólk haldit því at kalla á mik til flutings, ef þeir hafa nǫkkurs viðþurft, alt hertil er þú hefir, konungr! mjǫk svá eytt ǫllum mínum vinum, sem hefnda væri fyrir vert!“ – Ok í þessu leit hann aptr ímóti konungi, ok glotti við, í því er hann bikti sér út af borðinu, svá skjótt sem kólfi skyti á sjáinn, ok sá þeir hann aldri síðan.“

„Er erwiderte: „Damit beginne ich, Herr, dass dieses Land, an dem wir nun entlangsegeln, in alten Zeiten von Riesen bewohnt war. Aber die Riesen kamen einmal raschen Todes um, so dass sie fast alle zugleich starben und niemand mehr übrig blieb als zwei Weiber. Danach siedelten sich Leute aus östlichen Landen hier an, aber die großen Weiber fügten ihnen großen Verdruss und manche Gewaltätigkeit zu und bedrängten die Leute, die das Land besiedelt hatten, in ihrer Lage so lange, bis sie sich zuletzt entschlossen, diesen roten Bart um Hilfe anzurufen. Sogleich ergriff ich meinen Hammer und schlug sie beide tot, und das Volk dieses Landes blieb dabei, mich um Beistand anzurufen, wenn es not tat, bis du, König, alle meine Freunde vernichtet hast, was wohl der Rache wert wäre!“ – Dabei schaute er auf den König zurück und lächelte bitter, indem er sich so schnell über Bord stürzte, als wenn ein Pfeil ins Meer schösse, und niemals sahen sie ihn wieder.“

– Óláfs saga Tryggvasonar c. 213[56]

Thor in der Nordischen Mythologie, Zusammenfassung aus Lieder- und Prosa-Edda[Bearbeiten]

Die hoch- und spätmittelalterliche skandinavische Literatur zeichnet ein deutliches Bild von Thor. Die heute erhaltenen Niederschriften sind größtenteils im 13. und 14. Jahrhundert erstellt worden. Die stoffliche Tradition reicht nur teilweise gesichert in die Zeit vor der Christianisierungschwankhaften Gedichten der Lieder-Edda sogar als Witzfigur. In der Zusammenfassung wird Thor in den einzelnen Szenen und Motiven folgend geschildert und beschrieben: zurück. Die Motive wurden also stark literarisch überformt und zeigen Thor in den z. T.

Thor ist nach Odin der oberste und gefürchtetste der Götter. Er ist der Sohn von Odin und Jörd (der Erde), seine Ehefrau war die schöne goldhaarige Sif, mit der er eine Tochter, Thrud (Kraft), hatte. Mit der Jotenjungfrau Jarnsaxa, einer Riesin, die von solcher Schönheit war, dass Thor, obwohl ein geschworener Feind der Joten (Riesen), diese unbedingt nehmen wollte, hatte er zwei Söhne, Magni und Modi, sein Lieblingssohn war Magni, der unter allen an Mut und Stärke ihm am ähnlichsten war. Thors Reich, sein Habitat, heißt Thrudvangr, und der Palast darin, Bilskirnir, ist mit 540 Sälen der größte, der je in Asgard erbaut worden ist.

Das Harbadslied (Hárbarðslióð):

„Meinen Namen sollst du erfahren,
wenn ich auch friedlos bin,
und meine Abkunft auch:
ich bin Odins Sohn,
Meilis Bruder
und Magnis Vater,
der Rater Kraftherrscher …“

Das Alwislied (Alvíssmál):

Wingthor heiß ich –
ich bin weit gezogen –
und bin Sidgranis Sohn.[A 15]

Furchtbar fährt Thor daher, rollend, donnernd, über den Wolken auf seinem Wagen gezogen durch die Ziegenböcke Tanngnjostr und Tanngrisnir; doch noch schrecklicher ist er, wenn er seinen Kraftgürtel Megingjarder umschnallt, der ihm doppelte Kraft verleiht, und wenn er mit seinen Eisenhandschuhen den Hammer Mjölnir fasst und zermalmend unter seine und der Götter Feinde tritt. Hervorstechend ist hier seine Fehde mit den Riesen.

Das Thrymlied (Þrymskviða):

Da sagte Thrym,
der Thursen König:
„Bringt den Hammer,
die Braut zu weihen!
Leget Mjöllnir
der Maid in den Schoß!
Mit der Hand der War
weiht uns zusammen!“

Das Herz im Leib
lachte da Thor,
als der hartgemute
den Hammer sah:
erst traf er Thrym,
der Thursen König;
der Riesen Geschlecht
erschlug er ganz.

Einst stahl Thrym Thor seinen Hammer, als dieser schlief. Als Thor aufwachte, geriet er in hilflose Wut, da er sich seiner wichtigsten Waffe beraubt sah. Loki flog, mit Freyas Federkleid ausgestattet, durch die Gegend, erspähte Thors Hammer in Riesenheim und stellte Thrym zur Rede. Thrym wollte ihn nur unter der Bedingung zurückgeben, dass er die Göttin Freya zur Frau bekommt. Freya geriet allerdings in große Wut, als Loki ihr dies erzählte. Daraufhin schlug Loki vor, Thor selbst als Freya zu verkleiden und ihn als Braut zu schmücken, um ihn Thrym als Freya zu präsentieren. Thor hatte zwar Bedenken, dass man ihn auslachen könnte, sah sich allerdings genötigt, auf diesen Plan einzugehen. Beide reisten in Verkleidung als Braut und Brautbegleiterin zu Thrym. Thor fiel durch das Donnern, das seine Reise begleitete, seinen stechenden Blick, als Thrym ihm den Brautkuss geben wollte, und seine unglaubliche Gefräßigkeit beim Brautfest auf, Loki wusste allerdings Thrym immer wieder zu beruhigen. Zur Vollendung der Festlichkeiten ließ der Riesenfürst seiner Braut schließlich Thors Hammer Mjölnir in den Schoß legen. Woraufhin der Donnergott seinen Hammer fasste und alle anwesenden Riesen, darunter auch Thrym, erschlug.

Eine oft zitierte und kommentierte Passage ist die des sich in Begleitung Lokis auf Reisen befindenden Gottes, die Verspeisung der den Wagen Thors als Gespann ziehenden Ziegenböcke und deren körperliche Wiederherstellung durch ihn.

Beide suchten bei einem Bauern Unterkunft, dieser hatte jedoch nichts, um seine göttlichen Gäste zu verköstigen. Thor befahl, die Böcke zu schlachten und sie zu kochen, aber die Felle und die Knochen sollten aufbewahrt werden. Thialfi, der Sohn des Gastgebers, spaltete unbemerkt einen Knochen, um ans Mark zu gelangen. Am nächsten Morgen gebot Thor mit Zauber und dem Hammer kreisend über die Felle samt Knochen, und die Tiere erhoben sich unversehrt, bis auf einen, der lahmte an einem Hinterlauf. Thor erfasste, was geschehen war, und wollte alle zerschmettern, ließ sich jedoch besänftigen und nahm als Pfand und Ausgleich Thialfi und dessen Schwester Röska als Diener und Begleiter an.

Im Anschluss daran gelangt Thor, nunmehr mit begleitender Gruppe, zur Burg des Königs Utgartloki (Außenwelt-Loki Herr über Dämonen), der ihn durch gezieltes Demütigen bzw. das Infragestellen seiner göttlichen Macht und Kräfte herausfordert. Thor erhält drei Aufgaben von dem König. Zuerst fragt der König Thor, was er denn zu leisten vermöge, worauf Thor entgegnet, dass er es wie keiner sonst verstehe, das Trinkhorn leer zu saufen. Aber Thor versagt, selbst bei dreimaligem Ansetzen gelingt es ihm nicht, das gereichte Horn zu leeren. Es kommt aber noch schlimmer für ihn. Denn Utgartloki geht weiter, er fordert Thor auf, seine Götterkraft unter Beweis zu stellen, und zwar, indem er diese Kraft offen anzweifelt. Der Gegner ist eine Gegnerin, es stellt sich die alte Frau Elli zum Ringkampf, und der Gott versucht sie mit allen Kräften ins Wanken zu bringen, vermag es aber nicht. Nun bemüht seine Gegnerin ihre Kräfte, und bald muss Thor geschlagen in die Knie gehen. Die dritte Aufgabe ist das Hochheben einer Katze; auch dies misslingt dem Gott.

Beschämt und gedemütigt ziehen sie weiter; kaum haben sie die Burg verlassen, klärt der König sie auf, dass alles auf Grund eines Zaubers so geschehen sei. Utgardloki erklärt, das Trinkhorn, aus dem Thor trank, habe Verbindung zum Meer gehabt, und die alte Frau sei das Alter selbst gewesen, das niemand besiegen könne. Die Katze wiederum sei die verzauberte Midgardschlange gewesen. Er habe Übernatürliches in den einzelnen Situationen geleistet. Thor, wütend, sich so getäuscht zu wissen, greift nach seinem Hammer, und in diesem Augenblick befinden sie sich alle auf einer weiten Ebene.

Das Hymirlied (Hymiskviða):

Auf die Angel spießte
das Ochsenhaupt,
der die Menschen schirmt,
der Schlange Feind;
vom Grunde griff
gierig den Köder,
den die Asen hassen,
der Erdgürter.

Zur Reling riss
rüstig der Wurm,
den giftglänzenden,
der Gatte Sifs;
mit dem Hammer hieb
auf des Haares Berg
Walvaters Sohn
dem Wolfsbruder.

Um diese Scharte auszuwetzen, machte sich Thor bald darauf in Begleitung des Riesen Hymir auf den Weg zur Midgardschlange im Meer. Sie fuhren so weit hinaus, dass dem Riesen angst und bange wurde. Thor bestückte den Haken einer Angelschnur mit einem Ochsenkopf als Köder. Die Schlange biss an, fühlte ihre Verletzung und schlug so hart an, dass Thor, die Schnur in den Händen haltend, auf die Reling des Bootes schlug und seine Götterkraft sich derart verstärkte, dass seine Beine den Bootsrumpf durchstießen und er auf dem Meeresgrund stand, wo er sich weiter gegen den Zug der Schlange stemmte. Thor zog die Schlange in die Höhe und schaute sie mit glühenden Augen an, diese versuchte ihn mit ihrem Gift zu besprühen, Thor ergriff seinen Hammer, um die Schlange zu erschlagen, doch der vom Anblick des Geschehens vor Angst erschütterte Hymir durchtrennte die Schnur mit einem Schnitt. Der Gott stürzte vor Zorn den Riesen mit dem Kopf zuerst ins Meer, so dass dessen Beine sich nach oben streckten, dann watete Thor zurück ans trockene Land. In abweichender Version gelangen beide an Land, nachdem Thor dem Hymir eine Ohrfeige gegeben hatte.

In der Ragnarök findet Thor wie alle anderen Asen sein Ende, bezeichnenderweise durch eben jene Midgardschlange. Es kommt erneut zum Kampf zwischen den beiden, die Schlange greift Thor an und verpestet durch ihre Ausdünstungen das Meer und die Luft. Thor erschlägt sie mit seinem Hammer, wankt aber neun Schritte zurück, um in den Giftströmen, die das Untier ausspeit, letztlich zu ertrinken.

Tyr (Ziu)

Tyr ist der gemeingermanische Gott *Teiwaz, Tiwaz aus den altisländischen Schriften der Edda. Die altnordische Namensform ist die allgemein bekannteste und gebräuchlichste. Ähnlich lautende Formen sind im Altenglischen Tiw, Tig und althochdeutsch Ziu, Tiu, Tiuz.

Etymologie

*Teiwaz, Tiwaz, indogermanisch *deiwos, bedeutet „Gott“ oder „göttlich“ und entspricht lateinisch divus. Im Altnordischen (Völuspá) bedeutet tivar eine Pluralform von „Gott“ und ist eine relikthafte Erhaltungsform von teiwaz. Der Name und die Figur sind urverwandt mit dem indogermanischen „Vater- und Himmelsgott“. Die germanische Form findet ihre Entsprechung in dem griechischen „Zeus“ Ζεύς πατήρ (Zeus patér), dem römischen Jupiter (von Diēspiter, Gott-Vater), dem vedisch-altindischen Dyaúh pitá und dem illyrischen Δει-πάτυρος (Dei-pátyros). Doch kann man alle diese Formen auf das Wort dyaus zurückführen, das als „Erscheinung“ oder „Strahlung“ aufgefasst werden kann. Dieses Wort wiederum führt zu „deva“, „deus“ und „Gott“.

Herkunft, Indogermanische Parallelen

Tiwaz war bei den Indogermanen und, bis hin zur Völkerwanderungszeit, in Mitteleuropa der ursprüngliche Hauptgott. Der französische Religionswissenschaftler Dumezil hat u. a. auch auf die Strukturparallelen zur Figur des Scaevola in der altrömischen Heldensage hingewiesen. Eine Ähnlichkeit besteht auch zu dem irischen Nuada mit der „Silberhand“. Die archaische germanische Gesellschaft sah und verstand sich selbst in ihrem Aufbau als göttlichen Ursprungs. Kennzeichnend für das indogermanische Göttersystem ist die zweigeteilte Spitze, zu den indischen Gottesfiguren Mitra – Varuna finden sich die germanischen Entsprechungen Tiwaz/Tyr – Wodan/Odin [5].

Wandlung vom Himmels- zum Kriegsgott, Verdrängung durch Odin

Tiwaz wurde durch eine Schwerpunktverlagerung des religiösen Kultes hin zu Wodan, bedingt durch eine eventuelle Verbreitung des Wodankultes, ausgehend vom niederrheinischen Nordwestdeutschland, von diesem als Hauptgott verdrängt. Dieser Umstand ist aber bis heute eine offene Streitfrage in der Forschung.[6] Der langwierige Kriegszustand einiger germanischer Völker, besonders derjenigen, die an den Grenzen des römischen Reichs lebten, war zum Teil für die Verengung seines Wesens verantwortlich, zumal Wodan sein ganzes „Tätigkeitsgebiet“ übernahm.[7]Sachsen und Franken trug dazu, bis in den skandinavischen Norden wirkend[8] im Verlauf der nachrömischen Entwicklungen bei. Auch die innergermanischen Veränderungen, beispielsweise hinsichtlich der Vereinigung und Bildung von Großstämmen wie den

Wie einleitend gesagt, ist Tiwaz/Tyr Souverän des Rechts. Mit Odin tritt eine dynamische, ekstatische Figur hervor, die mit höchster Schaffenskraft versehen ist und u.a. magisch, durch Verblendung der Gegner wirkt und gegenüber Tiwaz/Tyr im kriegerischen Kampf Vorteile liefert. Demgegenüber bleibt Tiwaz/Tyr relativ statisch der Wahrer des Rechts und Schützer der Thingversammlung.

Tacitus erwähnte in seinen Annalen, dass bei den Germanen Tiwaz Hauptgott war „praecipus deorum Mars“,[9] noch im 6. Jahrhundert wurde in Norwegen dem Tiuz vor allen anderen Göttern geopfert (Menschen- und Tieropfer), und er wurde als höchster Gott verehrt.[10] Die strukturelle Nähe und die Verbindungen der beiden Gottesfiguren zueinander und die dynamischen sozialen Umbrüche innerhalb der germanischen Gesellschaften führten dann im 9. und 10. Jahrhundert zu einem Umbau des nordgermanischen Pantheons, was sich in den hochmittelalterlichen schriftlichen Sammlungen der Edda widerspiegelt, in denen das ursprüngliche Bild des Tiwaz nur noch bedingt, aber dennoch erkennbar ist.[11]

Nebenformen des Gottesnamen

Mars Thingsus

Der Name ist als Mars Thincsus auf einem Steinaltar belegt, der in „Tempel 2“ in Housesteads im nordenglischen County Northumberland an der schottischen Grenze gefunden wurde. Mehrere Altäre wurden dort im 3. Jahrhundert n. Chr. von friesischen Legionären errichtet, die als römische Hilfstruppen in Britannien am Hadrianswall stationiert waren.

  • Die Inschriften der Gedenksteine:

„DEO MARTI ET DVABVS ALAISIAGIS ET N AVG GER CIVES TVIHANTI CVNEI FRISIORVM VER SER ALEXANDRIANI VOTVM SOLVERVNT LIBENTES M“
„DEO MARTI THINCSO ET DVABVS ALAISAGIS BEDE ET FIMMILENE ET N AVG GERM CIVES TVIHANTI VSLM“

Die Namensform ist auf das gemeingermanische Wort „Thing“ (Volks-, Gerichtsversammlung) zurückzuführen und der Gott demnach als „Schutzherr des Things“ gekennzeichnet. Die römische Gleichsetzung mit dem römischen Gott Mars zeigt, dass es sich um einen Beinamen des Tiwaz handelt.

Saxnot

Das sächsische Taufgelöbnis, das in einer Fuldaer Handschrift des endenden 8. Jahrhunderts (772) überliefert ist, zählt die Namen der wohl wichtigsten von den Sachsen verehrten Götter auf.

  • Der Ausschnitt lautet:

„[…] end ec forsacho […] „Thunaer“ ende „Uuoden“ ende „Saxnote“ ende allum them unholdum“

„[…] und ich entsage […] [dem] „Donar“ und „Woden“ und „Saxnot“ und allen Unholden.“

Donar und Wodan sind gemeingermanische Götter; hier erscheint wahrscheinlich Tiwaz → Tiuz als Saxnot und ist mit dieser Benennung so nur in der sächsischen Vorstellungswelt anzutreffen. Abweichend wurde Saxnot auch mit der „dritten nährenden Fruchtbarkeitsfunktion“ in Zusammenhang gebracht.[12]
Sieht man Wodan und Donar als erhabene Götter des Himmels an, gilt das für Tiuz noch viel mehr, dessen Name unmittelbar den Begriff des Himmels ausdrückt (siehe oben), während Wodan die Luft, Donar das Gewitter bezeichnen. Und wie Wodan Siege lenkt, stellt sich Tiuz als eigentlicher Kriegsgott, wie von Donar der Hammer, von Wodan der Speer geworfen wird, als ein Schwertgott dar. Saxnot ist jedenfalls einer der drei germanischen Hauptgötter, also Tiuz, weil er den zwei anderen gleichgestellt wird. In der angelsächsischen bzw. in der ostsächsischen GenealogieSaxneat als Wodens Sohn bezeichnet. Die Festland-Sachsen und die Sachsen auf der britischen Insel, die den Wodanskult übernahmen, ordneten Tiuz dem Wodan unter, wie auch Tyr im Norden als Sohn Odins genannt wird oder Ares Zeus’ Sohn.[13] Saxnot ist wörtlich lateinisch „Gladii consors“ (Schwertgenosse, Schwertträger), „Sax“ ist das Kurzschwert, das Messer.[14] Der Volksname Saxon erscheint wie eine Kurzform zum vollen Saxnot. Die Stammesangehörigen nannten sich „Schwertgenossen“, wie im angelsächsischen „Sweordweras“; indem sie den Schwertgott Tiuz in ihrer Gemeinschaft voranstellten, machten sie den Gott ebenfalls identitätsstiftend zum Schwertgenossen (zum Vergleich mhd. wal-genôz → „Kampfgenosse“[15]). Die Gottheit nahm hier den Namen von ihrem Volk und nicht umgekehrt. „Saxnot“ ist somit der Beiname des Tiuz unter den Sachsen. Dass er ursprünglich Saxnot hieß, wäre im Vergleich zu den laufenden Entwicklungen unter den germanischen Stämmen der Wanderungszeit nicht schlüssig, dass aber das Volk in Waffen sich so nannte, versteht sich leicht.[16]
wird

Ziu

Der Gott wird als Ziu in den althochdeutschen Quellen sonst nicht ausdrücklich erwähnt, eine Glosse zum sogenannten Wessobrunner Gebet nennt aber für die Alemannen Cyowari (wohl: Verehrer des Cyo), ihre Hauptstadt sei Ciesburc (Augsburg).[17]

Augsburg (Augusta Vindelicorum) war Hauptstadt der römischen Provinz Raetien, hatte in der Geschichte des schwäbischen Stammesgebiets schon früh eine bedeutende Position und zeitweise den Rang der schwäbischen Hauptstadt inne.

Besonders stark war die kultische Verehrung von Ziu bei den Sueben, die später auch in den Alemannen aufgingen.

Tyr in der isländisch-nordischen Mythologie

Tyr ist an Macht im Norden stark beschränkt und verblasst, dennoch treten alle wesentlichen Eigenschaften des Tiwaz zutage. Nach den eddischen Schriften der Lieder-Edda wird der Riese Hymir als Vater Tyrs genannt,[18] aber abweichend davon wird in der Prosa-Edda Odin als solcher genannt (Frigg als Mutter). Er galt als der Beschützer des Things, der Stammesversammlung. Sein Symbol ist das Schwert, mit dem er sich selbst ins Schlachtengetümmel stürzt. Um den Fenriswolf durch eine magische Fessel binden zu können, sieht sich Tyr genötigt, dem gefährlichen Wolf die eigene Hand als Pfand ins Maul zu halten (vgl. Fenriswolf).[19] Als der Wolf jedoch merkt, dass die Götter ihn gefesselt halten wollen, beißt er Tyr die Hand ab, und dieser muss fortan mit der linken Hand kämpfen. Im Ragnarök tötet Tyr Garm, den Höllenhund, wobei er aber selbst zu Tode kommt.[20]

Der Wochentag Dienstag

Im westgermanischem Bereich hat neben Tiwaz offensichtlich auch noch die Nebenform Mars Thingsus Einfluss auf die deutsche Benennung des Wochentagsnamen Dienstag (zu älterem dingesdach). Die althochdeutsche Übersetzung des römischen Wochentagnamens dies Marti (Tag des Mars) lautete Ziostag (alemannisch Ziestag[21], heutiges Schweizerdeutsch Ziischtig, schwäb. Zeischdig) und bestätigt damit auch für den Kontinent die für die Skandinavier und Angelsachsen belegte Gleichsetzung des römischen Kriegsgottes Mars mit dem germanischen Tiwaz (vgl. auch engl. „Tuesday“ (Tiu) und franz. „Mardi“, Mars).

Walküren

Eine Walküre (Aussprache [valˈkyːrə], auch [ˈvalkyːrə]), auch Schlacht- oder Schildjungfer, ist in der nordischen Mythologie ein weibliches Geisterwesen aus dem Gefolge des (auch so genannten) Göttervaters Wotan bzw. Odin. Die Walküren stehen durch die Möglichkeit der Schicksalsfügung in Beziehung zu den Nornen, Fylgien und den Disen. Sie erwählen aus den auf dem Schlachtfeld Verstorbenen die EinherjerWalhall eingehen sollen.

("ehrenvoll Gefallene") aus, auf dass sie in

Der Name Walküre ist eine moderne Entlehnung aus dem Altnordischen. Das altnordische Wort lautet valkyrja, Mehrzahl valkyrjar. Es stammt von den altnordischen Wörtern valr ("die auf dem Schlachtfeld liegenden Leichen") und kjósa ("wählen") ab. Das altnordische kjósa ist verwandt mit dem deutschen küren. Der altenglische Begriff lautet wælcyrge. 

Ihr Erscheinen galt in Nord- und Mitteleuropa noch jahrhundertelang als todkündend. Als "Geistwesen" bedeuteten sie dem Krieger früherer Zeiten ihre Eigenschaft als "Todesengel", der den Menschen in die Welt seiner Ahnen geleitete.

Namen und Anzahl der Walküren

Im Helgakviða Hjörvarðssonar wird die Zahl der Walküren mit neun angegeben, im Darraðarljóð mit zwölf. Tatsächlich dürfte die Anzahl unbegrenzt gewesen sein. 

Im Grímnismál (Strophe 36) werden dreizehn Namen genannt von Walküren, die in Valhöll (Walhall) Bier ausschenken: Hrist, Mist, Skeggjöld, Skögull, Hildr, Þrúðr, Hlökk, Herfjötur, Göll, Geirölul (Geirrömul, Geirahöd), Randgríðr, Radgríðr und Reginleifr. Das Darraðarljóð nennt außerdem: Hjörþrimul, Sanngríðr, Svipull, Guðr und Göndull. Die Þulur (Thulur) nennen zusätzlich: Herja, Geiravör, Skuld, Geirröndul, Randgnid, Geirskögul, Hrund, Geirdriful, Tanngníðr, Sveid, Þögn, Hjalmþrimull, Þrima und Skalmöld. Nur in den Heldenliedern kommen die Namen Sigrún, Kára, Sváfa und Brynhildr vor. 

Die meisten Walkürennamen sind sprechende Namen, die auf die kriegerische Funktion der Trägerin hinweisen. Kaum einer dürfte besonders alt sein, und die meisten entstammen eher der Kreativität der Dichter als dem Volksglauben. 

Herkunft der Walküren

Die Walküren waren ursprünglich wahrscheinlich Totendämonen, denen die Krieger zufielen, die auf dem Schlachtfeld gefallen waren. Allmählich änderte sich die Vorstellung von Valhöll (Walhall): Anfangs war Valhöll das mit Leichen übersäte Schlachtfeld, von dem die Totendämonen (Walküren) die Gefallenen zu einem Totengott führen. Später malte man sich Valhöll als Óðinns Festhalle aus. Parallel dazu veränderten sich auch die Walküren von Totendämonen zu irdischen Kriegerinnen mit menschlichen Zügen, die sich auch in Krieger verlieben können, wie z.B. die Walküre Sigrdrífa in den Sigrdrífumál  oder Sváfa im Helgakviða Hjörvarðssonar.

Mythologische Bezüge

Die Wikinger sahen in Polarlichtern ein Zeichen für die Anwesenheit von Walküren auf der Erde, und dass irgendwo auf der Welt eine große Schlacht geschlagen worden war: wenn die Frauen über die Schlachtfelder ritten und die Einheriar auswählten, spiegelte sich das Licht des Mondes in ihren goldenen Rüstungen und zauberte das "Nordlicht" an den Himmel.

Frühmittelalterliche Darstellung

Das Runenkästchen von Auzon (Franks Casket, 7.Jh.) stellt mit seiner Bilderfolge das Auftreten der Fylgja oder Walküre anschaulich dar: Auf dem Magierbild (Geburt) tritt sie als Wasservogel (Schwan?) an die Stelle des Engels. Im Wielandbild daneben erscheint sie – hier das Schwanenmädchen als Gefährtin und Helferin – verborgen zwischen zwei floralen Symbolen (Runen?), welche die Walküre kennzeichnen. Daß dieses Zeichen dem Abdruck eines Vogelfußes gleicht, wird kaum ein Zufall sein. Auf dem Bild von Romulus und Remus scheinen mit den zwei Wölfen deren Fylgien dargestellt zu sein. Auf der Rückseite, dem Titusbild, finden sich unter einer Arkade drei Tierpaare (vermutlich Pferd, Wolf und Rabe), während das Kennzeichen der Walküre über dem Bogen der Arkade angebracht ist. Diese Tiere stehen in Verbindung mit Wotan/Odin und der Walstatt. Die Darstellung auf der rechten Seite zeigt einen Krieger, der seiner Walküre begegnet und dann im Grab von ihr aufgesucht wird. Wie bei entsprechenden Darstellungen auf gotländischen Bildsteinen kennzeichnen zwei valknutr oder Odinsknoten das Pferd am Grab, vermutlich Wotan/Odins Sleipnir. Das Deckelbild schließlich zeigt einen Bogenschützen Ægil (vielleicht der Wielanbruder und ebenfalls mit einem Schwanenmädchen liiert), hinter ihm, unter einem Bogen, eine Kampfhelferin, die ihm Pfeile zureicht. Hierbei wird es sich um die Verteidigung Walhalls (was auch hier die valknutr nahe legen) gegen die Reifriesen handeln – das Bildprogramm versucht nach dieser Deutung über die Fylgien bzw. Walküren den Lebenslauf eines hochgestellten Menschen von seiner Geburt bis hin zum Leben in Wotan/Odins Halle zu lenken.

Deutsche Romantik

Den Sagenstoff verarbeitete im 19. Jahrhundert der deutsche Komponist Richard Wagner in seinem vierteiligen Zyklus Der Ring des Nibelungen, vor allem im "Ersten Tag" dieser Tetralogie unter dem Titel Die Walküre. Bei Wagner sind die Walküren neun Schwestern, alles Töchter des Gottes Wotan mit verschiedenen Frauen. Neben Brünnhilde, dem Kind von Wotan und Erda, treten hier acht weitere Walküren auf, deren Namen Wagner frei erfand. Sie heißen Waltraute, Ortlinde, Rossweiße, Schwertleite, Gerhilde, Siegrune, Grimgerde und Helmwige.


Wanen

Die Wanen (abgeleitet vom altnordischen Vanir – „die Glänzenden“, auch Vanen geschrieben) bilden neben den jüngeren Asen das ältere der beiden Göttergeschlechter in der nordischen Mythologie. Sie wohnen in Wanaheim.

Den Wanen, als Göttern des Herdfeuers, des Ackerbaus etc. werden Eigenschaften wie Fruchtbarkeit, Erdverbundenheit und Wohlstand zugeschrieben.

Nach einem mythologischen Kampf (dem Wanenkrieg) gegen die Asen überlassen die Wanen den Asen als Zeichen des Friedens und zu dessen Sicherung den Meeresgott Njörðr (Njörd) und dessen Kinder, die Zwillinge Freyja und Freyr als Geiseln. Im Gegenzug erhalten die Wanen den Asen Hoenir sowie den weisen Riesen Mimir.

Die dreiteilige Götterwelt der Germanen: Riesen, Wanen und Asen

Die Götterwelt der frühen Skandinavier begründet sich auf drei Geschlechter, die alle aus dem Urchaos und einem Urrind hervorgingen.

Riesen und Ungeheuer

Das älteste Geschlecht ist das der Riesen und Ungeheuer, zu denen praktisch alle bösen Wesen gehören, die auch für NaturkatastrophenRagnarök erfüllte sich das Schicksal der Götter zuletzt aber doch. verantwortlich gemacht werden. Dieses Geschlecht hat die Macht, die Welt zu vernichten. Damit dies nicht passiert, werden die Wanen geschaffen. Die Wanen leben ewig, sie sind weise, mutig und gerecht. Tyr ist ihr Schwertführer. Sie halten alles im Gleichgewicht. Aber sie sind keine Kämpfer und unfähig, sich der Riesen und Ungeheuer zu erwehren. Also wird mit den Asen ein kräftiges Kriegergeschlecht geschaffen, dem begrenzte Macht gegeben wird. Bald übernehmen diese die Macht und schließen einen Bund mit den Wanen, die sie brauchen, um ihr Leben zu verlängern. Im

Wanen

Das zweitälteste Geschlecht sind die Wanen, die als äußerst geschickt, erdgebunden (bäurische Fruchtbarkeitsgottheiten) und weise verehrt wurden und ewig leben konnten, es sei denn, sie wurden erschlagen. Hauptgott der Wanen ist Tyr. Die Erde selbst ist seine Mutter. Sein Name heißt übersetzt „der Göttliche“. Er ist der Erste unter den Wanen, neben ihm Nerthus und Njord. Die Verantwortung der Wanen liegt im Bereich der Flora und Fauna. Ihre Verehrung fand daher oft in heiligen Hainen statt. In späteren Sagen wird Tyr mit Asen vermengt und sogar irrtümlicherweise zu einem Asen gemacht.

Snorri bezeichnet Njörð, Frey und Freyja, die nach dem Wanenkrieg als Geiseln bei den Asen wohnen, in der Ynglingasaga als Wanen.

„Fengu Vanir sína hina ágæstu menn, Njörð hinn auðga og son hans Frey. … Dóttir Njarðar var Freyja. Hún var blótgyðja. Hún kenndi fyrst með Ásum seið sem Vönum var títt. Þá er Njörður var með Vönum þá hafði hann átta systur sína því að það voru þar lög. Voru þeirra börn Freyr og Freyja. En það var bannað með Ásum að byggja svo náið að frændsemi.“

„Die Vanen gaben ihre vornehmsten Männer heraus, Njörd den Reichen und seinen Sohn Frey. … Die Tochter des Njörd war Freyja. Sie war Tempelpriesterin. Sie lehrte zuerst die Asen den Zauber, wie er bei den Wanen üblich war. Solange Njörd bei den Vanen war, hatte er seine Schwester zur Frau gehabt, denn dort war dies so rechtens, und ihre Kinder hießen Freyr und Freyja. Aber unter den Asen war es verboten, in so nahe Verwandtschaft zu heiraten.“

– Yngninga saga Kap. 4.

In Gylfaginning, sagt er, sie seien Asen.

„Inn þriði áss er sá, er kallaðr er Njörðr. … Hann var upp fæddr í Vanaheimi … Njörðr í Nóatúnum gat síðan tvau börn. Hét annat Freyr, en dóttir Freyja. Þau váru fögr álitum ok máttug. Freyr er inn ágætasti af ásum. Hann ræðr fyrir regni ok skini sólar ok þar með ávexti jarðar, ok á hann er gott at heita til árs ok friðar. Hann ræðr ok fésælu manna. En Freyja er ágætust af ásynjum.“

„Der dritte Ase ist Niördr genannt. … Er war in Wanaheim erzogen. … Niörd in Noatun zeugte seitdem zwei Kinder. Der Sohn hieß Freyr und die Tochter Freyja. Sie waren schön von Antlitz und mächtig. Freyr ist der trefflichste unter den Asen. Er herrscht über den Regen und Sonnenschein und das Wachstum der Erde, und ihn soll man anrufen um Fruchtbarkeit und Frieden. Freyja ist die herrlichste der Asinnen.“

– Gylfaginning Kap 23, 24.

Auch in der Skaldskapamál zählt er in Kap. 1 Njörð und Freyr unter den Asen auf. Die übrigen Wanen kommen nur als Kollektiv vor. Nach dem Friedensschluss am Ende des Wanenkrieges hört man von den Wanen nichts mehr.

Der Wanenkrieg und seine Auswirkungen

Der Sage nach reizten Wanengöttinnen durch verbotene und feige Hexenkünste die kriegerischen Asen, wodurch es zum Wanenkrieg kam. Die Asen gingen als Sieger hervor, trotzdem hatten die Wanen auch weiterhin eine geachtete Stellung inne, und Wanen und Asen mischten sich durch Einheiratung. Beide Geschlechter lebten versöhnt und nebeneinander.

Deutung

Eine Theorie besagt, dass der Wanenkrieg die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Stammvölkern der Germanen, den Indogermanen und den Trägern der sog. Megalithkultur, schildert. Diese Ansicht geht auf Publikationen von Gustav Schwantes aus den 1930er Jahren zurück. Ein anderer Ansatz ist, dass der Krieg eine frühe geistesgeschichtliche Auseinandersetzung zwischen zwei Kulturidealen war: auf der einen Seite die alte bäuerlich-handfeste Göttervorstellung, auf der anderen Seite eine kultiviertere, transzendente Auffassung von den Göttern. In der Muttergöttin FreyjaFrigga (einer Asin) überschneiden sich die Vorstellungen anschaulich. (einer Wanin) und

Wodan

der Name eines kontinentalgermanischen Gottes, meist gleichgesetzt mit Odin der nordischen Mythologie


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Tradition meint nicht Asche verstreuen, sondern das Feuer weiterreichen